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27.04.2015

Museum zu verschenken

Martin Welke zeigt die Kopie einer Urkunde, auf der 1605 das Medium Zeitung erfunden wurde.
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Martin Welke zeigt die Kopie einer Urkunde, auf der 1605 das Medium Zeitung erfunden wurde.
Bild: privat

Martin Welke kämpft in Augsburg um sein Lebenswerk. Morgen stellt er seine Idee vom Deutschen Zeitungsmuseum dem Kulturausschuss vor

Ein Mann kämpft um sein Lebenswerk und sagt: „ Augsburg ist meine letzte Chance“. In der Stadt lagert seine einmalige Sammlung zur Geschichte des deutschen Zeitungswesens in Depots. Und hier, in Augsburg, das eine so bedeutende Rolle in der Entwicklung der Presse gespielt hat, soll das „Deutsche Zeitungsmuseum“ eine Heimat finden. Aufgebaut hat die gigantische Sammlung der leidenschaftliche, deutschlandweit anerkannte Pressehistoriker Dr. Martin Welke, nach einer Universitätskarriere heute ein agiler Privatgelehrter jenseits der 70. Seit fast vier Jahren pendelt er zwischen seinem Wohnort Weimar und Augsburg, wo er sein Geschenk unterbringen will.

Am morgigen Dienstag hat er wieder einmal einen wichtigen, vielleicht vorentscheidenden Termin. Welke präsentiert seine konkrete Vision von einem Zeitungsmuseum in Augsburg den Mitgliedern des städtischen Kulturausschusses. Dass er das endlich kann, ist, wie so vieles, seiner Hartnäckigkeit und Überzeugungsarbeit zu verdanken.

Fast überall stößt Welke auf Wohlwollen

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In Dutzenden von Gesprächen wirbt Martin Welke seit Jahren unermüdlich für sein Projekt. Bei Unternehmern, bei Politikern, bei einflussreichen Organisationen, Medien, Behörden, Kulturfunktionären, Privatleuten und möglichen Sponsoren. Er veranstaltet Führungen durch sein Depot, das im Textilviertel liegt. Schreibt Briefe, beziffert Kosten, verschickt Exposés, sucht Verbündete in ganz Bayern. Fast überall stößt er auf Wohlwollen, auf freundliche Zuhörer, auf Interesse, oft auch auf Begeisterung. Bloß: Das bringt ihn nicht ans Ziel. Es hilft ihm nicht.

Sein Ziel ist klar formuliert und durchgerechnet: Die von Welke und seiner Frau gegründete Stiftung kuratiert und präsentiert die Sammlung auf gut 1500 Quadratmetern in der ehemaligen Kunsthalle am Wittelsbacher Park. Für deren Ertüchtigung und die Mietkosten haben Institutionen des Landes ihre Hilfe und Zuschüsse in Aussicht gestellt, sagt Welke. Dafür sollte die Stadt – und das wäre am Ende im Idealfall vielleicht die einzige Augsburger Gegenleistung – einen Experten auf Dauer einstellen. Dieser könnte dienstrechtlich an die Kunstsammlungen angebunden werden, wie deren Chef Christof Trepesch signalisiert hat.

Trepesch ist einer der großen Unterstützer und Förderer Welkes. Welke präsentierte eine Auswahl seiner Schätze bis vor kurzem in einer Sonderschau im Schaezlerpalais. Die Ausstellung illustrierte die große Bandbreite der Aspekte und Exponate. Die Sozialgeschichte des Lesens ist ebenso ein Thema wie Zensur und Pressefreiheit.

Kulturreferent Thomas Weitzel, der mit Theatersanierung, Zukunft des Römischen Museums und anderen Baustellen gut ausgelastet ist und dessen Haus Etatsorgen plagen, hat bislang zwar sehr reserviert reagiert, die Türe aber nicht zugeschlagen. Nach Informationen unserer Zeitung steht die Kunsthalle am Wittelsbacher Park womöglich auch gar nicht zur Verfügung, weil sie eine Rolle im Plan für eine Ausweichspielstätte des Theaters spielt.

Oberbürgermeister Kurt Gribl hat sich zwar immer wieder wohlwollend zur Welkes Projekt geäußert, jedoch zugleich mehrfach wissen lassen, dass in Augsburg anderes Priorität habe und er die Einrichtung einer neuen zusätzlichen Kulturinstitution derzeit nicht verantworten könne.

Dass Welkes Konzept eines Zeitungsmuseums kein Hirngespinst ist, hat der Sammler bewiesen, als er über ein Jahrzehnt in Meersburg am Bodensee einen Vorläufer dieses Zeitungsmuseums führte – kostendeckend. Martin Welke bestückte dann 2005 als Kurator in der Gutenberg-Stadt Mainz die auch finanziell erfolgreiche Jubiläumsausstellung zum 400. Geburtstag der Zeitung.

Andere hätten inzwischen vielleicht aufgegeben. Doch Martin Welke kämpft weiter. Weil er an sein Lebenswerk glaubt – wie jene zwei Dutzend deutschen Professoren, die sich in einem Brief an OB Gribl für Welkes nationales Zeitungsmuseum in Augsburg einsetzen. Nicht ohne den Hinweis, dass Augsburg einst mit seinen „Zeitungsschreibereien“, den Vorläufern der Nachrichtenagenturen, „den entscheidenden Anstoß zum Entstehen des Weltzeitungswesens“ gegeben habe und damit „der ideale Platz“ für Welkes Sammlung wäre.

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