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Jazzclub

17.03.2014

Musik, die man sonst nie hört

Alpenpunk und Free Jazz gehen nicht zusammen? Stimmt nicht, sagt das Matthias Schriefl Quartett und tritt den Beweis an

Modern, schräg, schrill: Um die Töne zu beschreiben, die da am vergangenen Freitagabend auf Einladung des Jazzclubs Augsburg über die Bühne des Augustanasaals fegten, bedürfte es vieler Worte. Und doch wären es nie genug. Denn die Musik des neuen Matthias Schriefl Quartetts entzog sich freigeistlich jedweder Kategorisierung.

Auf der aktuellen CD „Im Himmel“ (Himpsl Records 1401, ab 28. März) klingen die Stücke noch stark mit Schriefls Heimat, dem Allgäu, verbunden. Die halsbrecherische Melange, die mit geändertem Line-up live präsentiert wurde, fördert der Silberling nur bedingt zutage. Dennoch entführen die 14 Stücke aus der Feder dieses Enfants terrible der deutschen Jazz-Szene in die Welt eines schöpferischen Atheisten, der keinen Respekt kennt – dieses aber voller Respekt zum Ausdruck bringt.

Der Alpen-Free-Jazz-Punk-Funk, den das Quartett des 33-jährigen gebürtigen Kempteners live so lustvoll zelebrierte, war mit nichts vergleichbar. Volksmusikalisches Material lag hörbar zugrunde, der Jazz hatte seine Flügel darüber ausgebreitet. Funk, Rock und Soul standen Pate, Melodien aus TV-Serien der 70er und 80er Jahre klangen an. Das alles wurde huldvoll durch den avantgardistischen Fleischwolf gedreht, mit Frivolität und Humor durchsetzt und von einer Riege herausragender Musiker kredenzt. Da groovte das Alphorn in multiphonischer Manier, eine Stimme solierte den Atem raubend. Da knarzte und kreischte und pumpte der Bass, das Schlagzeug frickelte Berserker-gleich über polyrhythmischen Strukturen.

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Er bläst sein Alphorn auch gerne einmal mit der Trompete

Mastermind Matthias Schriefl beeindruckte als virtuoser Multiinstrumentalist, bediente zwei Trompeten gleichzeitig oder blies seinem Alphorn mit einer Trompete wortwörtlich den Marsch. Tamara Lukasheva (Gesang, Piano) gab mit ihrer facettenreichen Stimme den glasklaren Counterpart zum brüchigen Stil des Bandleaders, ließ in ihren solistischen Ausflügen einen enormen Gestenreichtum hören. Alex Morsey (Kontrabass, Tuba) und Nils Tegen (Schlagzeug, Piano) vervollständigten kongenial das klangliche Erscheinungsbild der Truppe, die mit einem vielleicht doch zu vergleichen gewesen wäre.

Dazu aber hätten die Monty Pythons eine Band sein müssen.

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