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Zirkus

06.06.2015

Musik für Löwen und Feuerschlucker

Was wären Zirkusvorstellungen ohne den dramatisch sich steigernden Trommelwirbel? Der Circus Montana, der gerade auf dem Augsburger Plärrergelände gastiert, beschäftigt dafür noch eine richtige Band. „The Montys“ sorgen für zusätzliche Spannung in der Manege.
Bild: Michael Hochgemuth

Die Spannung steigern und das Publikum zum Mitklatschen animieren – im „Montana“ erledigen das Musiker live. Und das ist mittlerweile eine Seltenheit

Zirkuslaune verbreiten, den Showcharakter unterstreichen, mit einem Trommelwirbel am Höhepunkt die Spannung steigern und beim Auszug zum Mitklatschen animieren: An wenigen Orten kommt die emotionale Wirkung der Musik so gezielt zum Einsatz wie im Zirkus. Ohne sie sind der Balanceakt, die Hochseilnummer, die Kunst am Trapez nicht denkbar. Und wie fast immer – live gespielt klingt die Musik ganz anders als vom Band.

„Circus Montana“, der bis zum morgigen Sonntag auf dem Augsburger Plärrergelände gastiert, ist einer der wenigen, die sich mit „The Montys“ noch eine Liveband leisten. Genauer gesagt: Unter den rund 500 Zirkussen in Deutschland fallen „The Montys“-Bandleader Wolfgang Frank gerade fünf ein, die Livemusik bieten.

Der Endvierziger ist mit Leib und Seele Zirkuskind, geboren in eine traditionsreiche Zirkusfamilie und Zirkusmusiker in der achten Generation. Dabei ist Zirkusmusik weit mehr als Julius Fuˇciks „Einzug der Gladiatoren“, als Mitklatschmarsch und Trommelwirbel. „Die Musik muss passen“, erklärt er – zur Nummer und der jeweiligen Aktion. Ein Shanty zur exotischen Reptil-Show, das gehe zum Beispiel gar nicht.

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Daneben muss eine Zirkusband auch spontan agieren können, Nummern überspringen oder auswechseln, sie verlängern oder Verzögerungen überspielen, ohne dass das Publikum etwas merkt. So eine Flexibilität will gut geprobt sein. Der Zirkus lebt auch in der Musik von der Improvisation, betont Frank. Das hier ist sein Leben: „Ich möchte mit nichts tauschen.“

Zum Glück erkannten seine Eltern früh, dass Frank nicht geborener Akrobat, sondern Zirkusmusiker war. Eine Akrobatenschulung hat er trotzdem absolviert. Und so spielt er während der Vorstellung nach Michelles Balance-Show mit CD-Untermalung („das lockert die Livemusik auf“) Clown Beppo mit Kinder-Gefolge und lässt dabei kurz an der Trompete musikalisch die „Muskeln“ spielen, um sich danach noch mit Spuren von Clown-Schminke wieder an sein Instrument auf der Band-Empore zu setzen. Dort hat er den Überblick und ist hautnah am Geschehen in der Manege dabei.

Begonnen hat Frank seine musikalische Laufbahn mit der Trompete, wie sein Bruder, der ein begnadeter Vortrompeter war. Einmal sein Mundstück benutzen, danach sehnte sich Frank seit früher Kindheit. Mit zwölf Jahren endlich durfte er an das Instrument und lernte schnell, mit vierzehn bereits sehnte er sich nach mehr Möglichkeiten: Im ehemaligen Circus Barum hörte er den Organisten und kaufte sich von seinem Ersparten eine eigene elektronische Orgel. Ein Jahr übte er autodidaktisch daran, ein weiteres Jahr erhielt er Unterricht. „Danach durfte ich offiziell Orgel spielen“, sagt Frank.

Vor 32 Jahren „bin ich Musiker im Zirkus geworden“. Sein Ziel war es, als Bandleader zu spielen. Dafür erarbeitete er sich jeden Tag ein komplettes Programm. Seinen Traum hat er erreicht – eine Zeit lang sogar im legendären Circus Althoff. Im Familienunternehmen „Circus Montana“ bedient er während der Vorstellung auf der Band-Empore neben seinem Sohn am Schlagzeug die elektronische Orgel und das Keyboard, hinter dem Vorhang spielt sein Onkel, ehemals ein berühmter Kunstreiter, die Trompete, dazu kommen Posaune und Saxofon.

Für ein Quintett ist die Band-Empore zu klein. Höher lässt sie sich nicht stellen, das würde zu heiß: Unter der Zirkuskuppel staut sich die Hitze, erklärt Frank. Die Musiker sehen sich nun zwar nicht, stimmen aber trotzdem zusammen. Man spüre die Musik miteinander und das gemeinsame Gefühl „gibt der Schlagzeuger“. Sein Beat hält die Musiker zusammen.

Rund 30 Nummern, schätzt Frank, werden in einer Vorstellung gespielt. Alle auswendig. Darunter sind auch Nummern, die Frank selbst für „The Montys“ geschrieben hat. Manchmal „überfällt es mich“, verrät er. Dann komponiert er leise an der Orgel im Zelt bis zum frühen Morgen. Aber auch wenn die Musik wie geschmiert läuft, geprobt wird trotzdem viel. „Das hält die Familie zusammen“, sagt Wolfgang Frank. Außerdem – wer aufhört, besser sein zu wollen, hat aufgehört, gut zu sein.

Der Circus Montana gastiert noch bis zum morgigen Sonntag auf dem Plärrer. Vorstellungsbeginn ist heute um 15 und 19 Uhr und morgen um 15 Uhr.

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