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20.03.2010

Musikalischer Botschafter der Uni

Der zuständige ZDF-Redakteur war einfach begeistert: "Seit zwölf Jahren gab es keine so tolle Musik bei einer Eröffnungsfeier der Woche der Brüderlichkeit", teilte Ingo Witt dem Augsburger Jazzpianisten und Unidozenten Daniel Mark Eberhard nach der Feier im Theater Augsburg mit. Ein ganzer Chor hingerissener Fernsehzuschauer schloss sich diesem Urteil in Zuschriften an.

Eberhards Erfolgsrezept bestand darin, das Veranstaltungsmotto "Verlorene Maßstäbe" ernst zu nehmen. Nichts an seinen musikalischen Arrangements entsprach den üblichen Erwartungen. Es klang zuerst nach Klezmer, wurde aber vom Schlagwerk ins Moderne überführt. Es hörte sich nach Gospel an, schlug aber in frei improvisierten, extrovertierten Jazzgesang um. In den Swing von Benny Goodman mischte sich Kurt Weills "Mackie Messer"- Melodie - natürlich eine Verbeugung vor Brechts Genius loci.

Monatelang hatte Daniel Eberhard an dieser Musik gefeilt. Die gesamte Bandbreite jüdischer Musik von der Klassik bis zur Folklore sollte anklingen, aber immer eben mit einem hintersinnigen Widerhaken. Indem er Gesang einbezog, konnte auch die Textbotschaft auf hebräisch, jiddisch und englisch anklingen. Eine besondere Beziehung zur jüdischen Kultur hat Eberhard dank seiner israelischen Ehefrau.

Ebenfalls eigenwillig stellte er die Musiker für diesen Auftritt zusammen. Sein Ensemble bildete er einerseits aus Profis mit Bühnenerfahrungen und andererseits aus Studenten und Dozenten des Leopold-Mozart-Zentrums der Uni. So spielten Stephan Holstein (Klarinette, Saxofon), Walter Bittner (Schlagzeug) und Uli Fiedler (Kontrabass) zusammen mit den Schlagwerkern Stefan Blum, Adrian Schmidt und Thomas Sporrer, mit Geigerin Senta Kraemer und der Sängerin Alexandrina Simeon. Durch die Kombination von klassisch-interpretierend und jazzig-improvisatorischen Musikern stützten sie sich gegenseitig und beflügelten einander.

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Zum Greifen nahe herangezoomt

Das Fernsehen stellt ja ganz andere Bedingungen als ein normaler Bühnenauftritt. Die Musik muss minutiös auf ein Zeichen hin einsetzen und aufhören, starke Scheinwerfer leuchten ihren Auftritt aus, Tausende schauen hin, wenn die Kamera einen Interpreten zum Greifen nahe heranzoomt. Das kann einen Musiker ziemlich nervös machen.

Empfindlich darf man in der Zusammenarbeit mit dem Fernsehen auch nicht sein. Das klassische Musikstück, eine Komposition von Ernest Bloch, ist von der ZDF-Redaktion wieder gestrichen worden, weil ein Redner mehr Zeit für sich beansprucht hatte. Senta Kraemer wäre dabei besonders herausgekommen.

"Ich finde es eine ganz fruchtbare Aktion, die studentische Szene in die professionelle Kultur zu integrieren", meint Daniel Eberhard. Er hat mit Crossover-Projekten bereits Erfahrung. Er begleitete die Augsburger Band "Anajo" und das Uni-Poporchester im November/Dezember 2008 auf ihrer sehr erfolgreichen Tournee durch Deutschland.

Jetzt hatte Eberhard erneut zu Recht darauf gehofft, dass sich Augsburg, ihre Universität und ihre Musiker sympathisch darstellen. Außerdem sei es gelungen, musikalische und menschliche Brücken zu schlagen im Grenzbereich zwischen jüdischer Musik, Jazz und Klassik im Interesse einer Verständigung jenseits bestehender Konventionen.

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