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01.02.2014

Muslime wehren sich gegen Großbordell

Es ist unscheinbar: In diesem Haus im Lechhauser Industriegebiet befindet sich eine Moschee – nur gut 100 Meter weiter soll ein Großbordell entstehen.
Bild: Anne Wall

Im Lechhauser Industriegebiet soll ein sogenanntes Laufhaus für rund 50 Prostituierte entstehen. Nur zwei Häuser weiter gibt es aber seit Jahren ein Kulturzentrum mit Moschee. Der Stadt droht nun Ärger

Die Pläne für ein Großbordell sorgen im Lechhauser Industriegebiet für Aufregung – nicht nur bei benachbarten Firmen, sondern auch bei Muslimen, deren Moschee sich nur zwei Häuser weiter befindet. Die Verantwortlichen des Trägervereins wollen ein Bordell in ihrer Nachbarschaft nicht akzeptieren. Sie kündigen an, notfalls gegen das Etablissement klagen zu wollen.

Als vor zwei Wochen im Stadtrat über das geplante Bordell diskutiert wurde, da war die Moschee in der Nähe noch kein Thema. Offenbar wussten die meisten Räte nicht, dass das „Islamische Forum Augsburg“ dort vor fünf Jahren ein Gotteshaus eröffnet hat. Das Gebäude, das vor allem von Muslimen aus Bosnien besucht wird, ist ein zweistöckiger Zweckbau, der sich von außen nicht sofort als Moschee erkennen lässt. Das Grundstück liegt nur gut 100 Meter von der leer stehenden Firmenhalle entfernt, in welcher Huseyin Arkun, ein Geschäftsmann aus der Oberpfalz, das Bordell eröffnen will – es wäre das bislang größte Haus dieser Art in Augsburg. Am Freitag beschlossen die Mitglieder des islamischen Vereins, dass sie sich gegen die Bordellpläne wehren wollen. „Was denken unsere Kinder, wenn sie all die Freier in unmittelbarer Nachbarschaft zu unserer Moschee zu den Prostituierten gehen sehen?“, fragte ein Mann auf der Versammlung empört.

Der Rechtsanwalt der muslimischen Gemeinde, Simon Bulla, ist der Ansicht, dass ein Sex-Betrieb in der Nähe einer Moschee nicht genehmigt werden darf. „Würde eine Baugenehmigung für ein Bordell neben einer katholischen oder evangelischen Kirche beantragt, gäbe es keine Diskussion, sie würde versagt“, sagte der Verwaltungsrechtler unserer Zeitung. Der Vorstand der Gemeinde hoffe, so der Anwalt, dass es überhaupt nicht zur Genehmigung komme. Simon Bulla will in der kommenden Woche Gespräche mit den Verantwortlichen der Stadt und den Stadträten führen. „Wie jede andere Kirche und Religionsgemeinschaft auch steht die bosnische Gemeinde unter dem Schutz des Grundgesetzes“, argumentiert der Anwalt. Ein Bordell neben einem Gotteshaus sei mit der Freiheit des Glaubens und der ungestörten Religionsausübung nicht vereinbar.

Bislang hatte die Stadtverwaltung die Linie vertreten, dass das geplante Großbordell wohl nicht zu verhindern sei, da in einem Industriegebiet nichts dagegen spreche. So haben es zunächst auch die Fraktionen im Stadtrat gesehen. Die Augsburger Polizei sieht die Entwicklung dagegen mit Sorge – die Beamten fürchten, dass sich der Konkurrenzkampf im Milieu verstärkt, was zulasten der Frauen gehe. Auch mehrere Unternehmer in der Nachbarschaft laufen gegen das Rotlicht-Projekt Sturm – unter anderem Richard de Crignis, Chef der gleichnamigen Firma. Er fürchtet, dass sich eine Abwärtsspirale in Gang setzt. Schon jetzt gebe es Gerüchte, dass in der Nähe noch ein zweiter Investor aus dem Milieu ein Bordell plane.

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