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Augsburg

20.03.2017

Mutter ärgert sich über Handy-Plakate des Landratsamtes

Lisa Figas will sich nicht vorschreiben lassen, wie oft und wann sie das Smartphone als Mutter benutzen soll.
Bild: Jakob Stadler

Eine Aktion aus dem Augsburger Landratsamt wird kontrovers diskutiert: Lenkt das Smartphone Mütter von ihren Kindern ab? Bloggerin und Mutter Lisa Figas macht ihrem Ärger Luft.

Wie Eltern in der Gegenwart ihrer Kinder mit dem Handy umgehen sollten, darauf macht seit Jahresbeginn eine Plakataktion des Landratsamtes Augsburg aufmerksam. „Sprechen Sie lieber mit ihrem Kind“, lautet das Motto. Darüber hat sich eine Mutter so geärgert, dass sie einen Blogbeitrag schrieb. Der löste eine Diskussion aus.

Wie berichtet, erhoffen sich die Initiatoren von Eltern einen bewussteren Umgang mit dem Smartphone. 5000 Postkarten und mehr als 1000 Plakate wurden in öffentlichen Gebäuden, wie Schulen, Kitas oder Büchereien verteilt. Sie zeigen eine Frau, die in ihr Handy schaut, nicht aber in den Kinderwagen. Unlängst thematisierte der Bayerische Rundfunk in dem Magazin „Quer“ ebenfalls die Plakate. Da reichte es Lisa Figas. Die Mutter von zwei kleinen Kindern hatte sich bereits nach unserer Berichterstattung über die Kampagne geärgert, jetzt platzte der 31-jährigen Augsburgerin endgültig der Kragen. „Stinkewütend habe die Aktion des Landkreises Augsburg sie gemacht“, beginnt Figas ihren Blog „HausHofKind“, in dem sie unter anderem über Erlebnisse aus dem Familienalltag schreibt.

Als Mutter fühlt sie sich verhöhnt

„Was mich besonders an den Augsburger Plakaten nervt, ist, dass sie ganz gezielt auf das schlechte Gewissen der Eltern abzielen, anstatt sinnvolle Vorschläge zu bringen“, kritisiert die Frau, die als Projektleiterin in Teilzeit arbeitet. Als Mutter fühle sie sich verhöhnt, weil die Aufforderung auf den Plakaten an der Lebensrealität von Eltern vorbeigehe. Für Figas ist das Smartphone ein wichtiges Instrument, um die Familie und den Alltag zu organisieren und mit anderen Müttern in Kontakt zu bleiben. Ohne Handy sei der Alltag kaum noch zu bewältigen. „Wären wir nicht ziemlich dämliche Eltern, wenn wir nicht die uns zur Verfügung stehende Technik nutzen, um uns und unsere Familien zu organisieren?“, fragt sich die 31-Jährige. Sie fühlt sich bevormundet. Annemarie Neher, Sprecherin des Augsburger Landratsamts, betont dagegen: „Wir wollen nicht gegen etwas sein, sondern auf die Thematik aufmerksam machen und Eltern sensibilisieren.“ Bislang habe man nur positives Feedback erhalten.

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Lisa Figas, die am Montag in einem Radiointerview auf Bayern2 zu dem Thema zu hören war, findet hingegen, dass die Aktion das Thema absurd reduziert. „Als Eltern kann man sich dabei nur schlecht fühlen.“ Natürlich gehe es nicht, wenn Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzten. Aber es sollte jedem selbst überlassen bleiben, wann und warum er in sein Smartphone schaue. Die aktuelle Kritik der Augsburger Mutter wurde vor allem auf Facebook diskutiert, aber auch unter ihrem Blogbeitrag. Eine Frau kommentierte etwa, dass es klar sein muss, dass Kinder Vorrang haben. Aber ab und zu müsse man eben auch aufs Smartphone schauen und dürfe deswegen nicht verurteilt werden. Eine andere fordert flexible Arbeitsmodelle, „die Raum lassen für ,E-mail-freie’ und ,Termin-organisier-freie’ Zeiten, in denen das Handy dann auch wirklich weggelegt werden kann.“ Das Smartphone sei ja auch oft wegen der Arbeit angeschaltet, wendet eine weitere Frau in der Facebook-Diskussionsrunde ein. Sie fügt dazu: „Hat früher jemanden Papas und Mamas geraten, mal vom Webstuhl aufzustehen und sich mehr dem Kind zu widmen? Die hätten was gehustet.“

Für Lisa Figas ist das Smartphone ein nützlicher Helfer

Die Kampagne „Sprechen Sie lieber mit ihrem Kind“ ist bislang einzigartig in Deutschland. „Sie wurde von uns initiiert“, sagt Landratsamt-Sprecherin Neher. Wie berichtet, war der Anlass ein Erlebnis, das Brigitte Maly-Motta bei einem Friseur hatte. Die Leiterin der Fachstelle frühe Hilfen im Landratsamt beobachtete, wie ein kleines Mädchen sich partout die langen, lockigen Haare nicht kürzer schneiden lassen wollte. Wenn die Friseurin ansetzte, brach die Kleine in Tränen aus. Die Mutter des Kindes schaute während des kleinen Dramas jedoch in ihr Handy. „Für mich war in dem Moment klar, wir müssen uns über das Simsen, Surfen und Telefonieren von Eltern Gedanken machen“, sagte Maly-Motta einst in einem Interview mit unserer Zeitung.

Natürlich sei es nicht nett, etwas anderes zu tun, während ein Schutzbefohlener in seelischen Nöten stecke. Das findet auch Lisa Figas. „Doch von all den Dingen, die in unserem Alltag das Leben von Kindern (negativ) beeinflussen, musste sich der Landkreis Augsburg genau das eine Thema heraussuchen“, schreibt sie in ihrem Blog. Viel sinnvoller hätte sie praktische Tipps für einen bewussten Umgang mit Smartphones gefunden. Figas gibt ein Beispiel: „Gewöhne deine Freunde daran, nicht innerhalb einer Minute zu antworten, sondern wenn du Zeit hast.“

Für Figas ist das Handy ein nützlicher Helfer. Die Mutter will es nicht missen. Auch, weil ihr das Smartphone Abwechslung bietet, wenn die Kinder spielen. „Dann lese ich darauf auch gerne mal Fachliteratur. Ich habe studiert und einen anspruchsvollen Beruf und plötzlich wechsle ich nur Windeln. Dann ist das meine Art Beschäftigung zu suchen.“ Sie findet, es sollte jedem selbst überlassen bleiben, wie er sich zwischendurch ablenkt. Und wenn es nur ein banales Spiel auf dem Handy ist. „Zu diskutieren, ob das unmoralisch ist, geht zu weit.“

Mehr über die Kampagne des Landratsamtes Augsburg lesen Sie hier:

Landkreis Augsburg gibt einen Handy-Knigge für Eltern heraus

Den Blog-Eintrag "Wir bösen, bösen Mütter" von Lisa Figas lesen Sie hier:

Blog von Lisa Figas

Einen Kommentar zu dieser Kampagne und zur Kritik der Mutter lesen Sie hier:

Kommentar: Der erhobene Zeigefinger ist schwierig  

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Die Diskussion ist geschlossen.

21.03.2017

Ich kann Frau Figas gut verstehen. Wenn man es nicht selbst erlebt glaubt man nicht, wie viele Ratschläge und Tipps man als Eltern bekommt - gerne auch von Leuten, die keine Kinder haben oder deren Kinder schon lange aus dem Haus sind. Irgendwann fangen dann die meisten an, sich ihren Teil zu denken und die allermeisten Ratschläge zu ignorieren.

Generell sollte jeder verantwortungsvoll mit dem Smartphone umgehen und auch seine Umgebung wahrnehmen - nicht nur Eltern. Deshalb solch eine Aktion ausschließlich auf Eltern abzuzielen wäre genauso, als würde man eine Plakataktion gegen Alkohol am Steuer ausschließlich auf Kombifahrer ausrichten. Das einem da der Kragen platzt, dass kann ich verstehen.

Zur Realsatire wird die ganze Aktion dadurch, dass man Menschen, die Ihre Umgebung durch den dauernden Blick in das Smartphone nicht mehr wahrnehmen, dadurch erreichen will, dass man in der von diesen ignorierten Umgebung Plakate aufhängt.

Vielleicht hätte Frau Maly-Motta mehr erreicht, wenn sie die Mutter beim Friseur direkt darauf angesprochen hätte. Das wäre in meinen Augen sinnvoller gewesen als eine unnütze und auf eine zu enge Zielgruppe geschnittene Plakataktion.

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21.03.2017

Verhöhnt, bevormundet, unmoralisch, stinkesauer!? Wenn man "studiert und einen anspruchsvollen Beruf" hat, sollte es einem möglich sein, mit einem Denkanstoß angemessen umzugehen. Aber nein, da müssen (bestimmt ganz wichtige!) Blogs produziert werden und in die Zeitung muß das auch noch (obwohl es Zeit bis zum Sommerloch hat).

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21.03.2017

Wieso fühlt man sich durch ein Plakat das auf die Masse gerichtet ist angegriffen frage ich mich, wenn man doch alles richtig macht?

Ohne Handy sei der Alltag nicht mehr zu bewältigen? Erschreckend wie hilflos und abhängig doch manche von Zeit zu Zeit durch die Technik werden. Ich habe gut und gern seit 1 Jahr kein Smartphone mehr, stattdessen wurde dieses kleine Technikwunder durch ein altes, robustes Tastenhandy getauscht.

Und nein ich bin nicht in dem Alter das ich nicht weiß damit umzugehen oder gar mit der Technik nicht zu recht komme… Genau genommen bin ich 23 Jahre alt und habe mich von diesen „Alltagserleichter und Helferchen“ mit gutem Gewissen getrennt. Denn genau genommen sind es kleine Sinnlose Zeitfresser!

Bewusster Umgang mit dem Smartphone, da man ohne den Alltag nicht mehr bewältigen kann. Darüber kann ich nur schmunzeln! Ich frag mich nur wie es meine Eltern geschafft haben, die Familie zu organisieren und uns Kinder großzuziehen und das alles ganz ohne Smartphone… anscheinend haben die Superkräfte! ;-)

Ach ja Eine Sache wäre da noch… Zitat:“ Ich habe studiert und einen anspruchsvollen Beruf und plötzlich wechsle ich nur Windeln“ Ich gehe mal davon aus, das man das im Normalfall so ziemlich 9 Monate vorher schon weiß und nicht von Plötzlich die Rede sein kann.

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21.03.2017

Hat das Landratsamt zu viel Geld oder sonst nichts zu tun?

Welche reaktionären Typen - vermutlich auch noch religiös überkompensiert - fällt so eine Schulmeister-Aktion gegen Mütter ein, die weiss Gott andere Sorgen haben?

Ich denke im Landratsamt sollte mal eine clevere Unternehmensberatung nachsehen, wo hier ordentlich Verwaltungsspeck abzubauen wäre und gutes Steuergeld gespart werden könnte?

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21.03.2017

Opa Rudolf D. hat wohl die Realität auch nicht mehr im Blick. Leider gibt es eine Vielzahl von Eltern, die eben in Anwesenheit der Kleinkinder oder sogar beim Essen permanent ins Smartphone oder auf das Tablet blicken. Und dies leider nicht nur zum zweckmäßigen Gebrauch um etwas zu organisieren verwenden, sondern um sich zu unterhalten. Diese Zeit könnte man durchaus sinnvoller für die Kinder einsetzen. Und genau auf diesen Personenkreis ist diese sinnvolle Aktion des Landratsamtes gerichtet. Selbstverständlich und glücklicherweise gibt es auch viele Eltern, die diesbezüglich alles richtig machen. Aber so ist das nun mit Informationsaktionen wie gegen Alkohol im Straßenverkehr, Drogenmissbrauch, Schulwegsicherheit, etc. Es betrifft nur eine bestimmte Zielgruppe und nur für die ist es auch bestimmt. Insofern sollte man froh sein, wenn eine Behörde eben nicht wegschaut und etwas zur Aufklärung beiträgt. Wenn eine Lisa Figas nichts besseres zu tun hat als sich darüber aufzuregen und ihre Zeit für Interviews und Protestkationen zu verwenden anstatt anderweitig sinnvoll zu nutzen, dann hat sie das Ziel der Aktion nicht erkannt oder wollte es bewusst falsch verstehen um auch einmal wichtig zu sein!!

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22.03.2017

Die geschilderte Problematik ist mir durchaus bewußt - zuwenig und zuviel ist stets der Narren Ziel.

Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die exzessive Handynutzung das größte Problem unserer jungen Mütter ist - ganz abgesehen davon, müssen wir uns die Frage stellen, warum so viele jungen Menschen nicht mehr den Mut zum Nachwuchs haben?

Und hier fängt m.E. die Arbeit unserer Ämter und der dahinter stehenden Politik an?

Es ist wenig hilfreich, dann ein subjektiv empfundenes Fehlverhalten von - vermutlich rel. wenigen jungen Müttern - einer öffentlichen Stigmatisierung mit einer "Plakataktion" auszusetzen. Die Gedanken- und Verhaltenskontrolle der DDR-Zeit liegt doch hoffentlich - wenigstens "amtlich" hinter uns?

Wie die Diskussion zeigt, fühlen sich dann wieder viele " perfekte" Zeitgenossen dazu aufgerufen, gegen eine "vermeintlich schlechte Angewohnheit" anzugehen - und das auch noch zum Wohle der kleinen Kinder, wie ermutigend?

Ich möchte nicht wissen, wie nun junge Mütter in der Öffentlichkeit angepöbelt werden, wenn sie mal das Handy benutzen?

Evtl. ist man nun auch noch stolz darauf, die bundesweit einzigartige Aktion des "veganen Handybenutzens" in Gang gesetzt zu haben? :-)

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20.03.2017

frage : wie sind wir ohne Handy und Smartfon aufgezogen worden ??? aber unsere Mütter waren auch nicht Dumm und wir haben auch ein Relativ erfolgreiches berufsleben hinter uns gebracht auch wenn wir schon in den 40zigern wahren wie es das erste Handy gab !!! es ist ein guter Gegenstand aber mit Kindern und enkelkindern spreche ich noch Persönlich wenn wir beim essen sitzen ist das ding aus !! basta !!

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21.03.2017

Ja - das sind die Basta-Typen!

Sind ja weltweit wieder im Kommen? "Wir sind ja auch was geworden .... äähhh..."

Die Welt wird sicher (noch) besser werden...

Ich bin auch Opa - aber so einer will ich nicht werden - Gott behüte!

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