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Augsburg

25.06.2018

Mutter kämpft sich mit 50 zurück in den Job

Der Blick aus Ulrike Förgs Büro im Riega-Küchenstudio in Lechhausen.
Bild: Bernd Hohlen

Ulrike Förg war 25 Jahre lang für ihre drei Kinder da. Vor sechs Jahren hat sie den Weg zurück ins Berufsleben geschafft – mit eiserner Disziplin.

Ulrike Förg begrüßt uns mit einem Lächeln in ihrem Büro in Lechhausen. An der Wand hängen Bilder moderner Einrichtungen Augsburger Unternehmen. Der Schreibtisch ist perfekt aufgeräumt, Stifte und Zeichenutensilien sind genau ausgerichtet, alles hat seinen Platz – auch Ulrike Förg selbst. Sie ist angekommen. Angekommen in ihrem Traumjob als Innenarchitektin.

Ein Wiedereinstieg in den Beruf war lange nicht möglich

Daran war vor etwa sieben Jahren nicht zu denken. Bis dahin war die studierte Innenarchitektin und gelernte Technische Zeichnerin ganz für ihre drei, mittlerweile erwachsenen Kinder da. Weil zwei von ihnen aus gesundheitlichen Gründen intensiver betreut werden mussten, war ein Wiedereinstieg in den Beruf lange nicht möglich. „Die Kinder haben mich gebraucht und ich war gerne für sie da. Dennoch hat mich meine Leidenschaft für die Innenarchitektur nie losgelassen“, erzählt sie.

Deshalb hat sie immer wieder Freunde und Bekannte beim Hausbau oder in Einrichtungsfragen unterstützt. Ihre kreative Ader hat sie bei der Seidenmalerei ausgelebt. Als die Kinder dann aber selbstständig genug waren, um ohne sie auszukommen, war der Wunsch nach dem Wiedereinstieg in den Beruf so groß, dass Ulrike Förg Wege suchte, um diesen Wunsch zu realisieren – mit über 50.

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„Ich habe mir einen Coach genommen, um herauszufinden, ob ich den Schritt wirklich wagen soll. Als er mir sagte, dass meine Augen immer so glänzen würden, wenn ich von meinem Beruf spreche, war mir klar: Ich will das durchziehen.“ Also besuchte Förg verschiedene Kurse, ließ sich in die modernen Zeichen- und Gestaltungsprogramme einweisen, besuchte Messen, um die neuesten Trends kennenzulernen, und erinnerte sich an ihr Basiswissen über Raumgestaltung und Farbgebung.

Auf die erste Euphorie folgte Ernüchterung

Offenbar gut gerüstet bewarb sie sich schließlich bei verschiedenen Unternehmen. Doch es folgte Ernüchterung. „Ich merkte schnell, dass ich als reifere Frau mit einer so langen Berufspause nicht gefragt war. Zwischendurch kam schon der Moment, wo ich dachte, dass ich mich mit einem Leben ohne Berufstätigkeit abfinden muss“, erzählt die heute 59-Jährige.

Doch die Leidenschaft war größer als der erste Dämpfer. „Mir war auch bewusst, dass ich immer das Gefühl haben würde, einem Traum hinterherzulaufen, wenn ich es nicht nachdrücklich versuche.“

Ulrike Förg kämpfte weiter, suchte schließlich auf selbstständiger Basis ihr Glück und fand es auch. Vor etwa sechs Jahren kam der erste Auftrag einer Steuerkanzlei aus dem Sheridan-Park. Über einen Freund kam sie schließlich zum Unternehmernetzwerk BNI (Business Network International), das sich in 71 Ländern weltweit mit der Vernetzung von Unternehmern befasst und auch in Augsburg Teams hat.

Hier hat Ulrike Förg schnell viele neue Kontakte geknüpft, die ihr Schritt für Schritt weiter geholfen haben. „BNI war für mich eine Art Sprungbrett in einen neuen Lebensabschnitt“, erzählt sie. Immer mehr Aufträge konnte sie über die vielen Kontakte und Empfehlungen an Land ziehen und kam so auch mit den Betreibern des Riega Küchenstudios im Lechhauser Industriegebiet zusammen. Hier hat Förg mittlerweile ihr Büro und arbeitet auch für die Riega-Kunden.

„Meine Kinder haben mich in dem, was ich tue, bestätigt und erkannt, dass der Beruf ein Teil meiner Persönlichkeit ist“, sagt Förg; und dass sie stolz darauf ist, sich durchgebissen zu haben. Anderen Frauen rät sie, nicht frühzeitig aufzugeben, offen für Neues zu sein und neben dem klassischen Wiedereinstieg als Angestellte auch über die Option der Selbstständigkeit nachzudenken.

Hat man sich zu diesem Schritt entschlossen, sei eines ganz wichtig: „Man muss vollen Einsatz bringen und absolut hinter seiner Entscheidung stehen. Wer nur halbherzig an die Sache rangeht, wird es schwer haben“, ist Förg überzeugt. Auf die Frage, wie lange sie selbst noch berufstätig sein will, hat sie eine klare Antwort: „So lange es mir Spaß macht.“

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