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Augsburg/Königsbrunn

03.04.2019

Mutter und Sohn zocken während der Liebesnacht den Liebhaber ab

Im Kleiderschrank hatte ein Königsbrunner sein Erspartes von 57500 Euro versteckt, bis es ihm der Sohn seiner neuen Geliebten gestohlen hat. Jetzt wurde der Diebstahl vor Gericht verhandelt.
Bild: Jens Wolf, dpa (Symbolbild)

Das war dreist: Als ein 48-jähriger Königsbrunner mit seiner Geliebten im Bett lag, hat deren Sohn 57.500 Euro aus dessen Wohnung gestohlen. Wo das Geld landete.

Liebe macht blind – diese alte Weisheit bewahrheitet sich immer wieder. Wenn Gefühle in Wallung geraten, setzt das Hirn oft aus. Ein 48-Jähriger aus Königsbrunn musste gewaltig Lehrgeld zahlen, weil ihn eine gleichaltrige Frau, die ihm die große Liebe vorgespielt hatte, abzockte. Als der Mann im März 2018 mit der Geliebten im Bett lag, stahl der von ihr angestiftete Sohn heimlich aus dem Kleiderschrank des Königsbrunners eine Geldtasche mit 57.500 Euro. Ein Spürhund der Polizei entdeckte später den Großteil der Beute – 44.000 Euro – in der Augsburger Wohnung von Mutter und Sohn. Beide standen am Mittwoch wegen Diebstahls vor einem Schöffengericht unter Vorsitz von Dominik Wagner.

Sie lernten sich auf einer Internet-Plattform kennen

Das Opfer des ungewöhnlichen Coups hatte die geschiedene Frau im Februar 2018 über eine Partnerplattform im Internet kennengelernt. Man kam sich rasch näher, besuchte sich gegenseitig. Es entwickelte sich eine Liebesbeziehung. Schon bald plante man eine gemeinsame Zukunft. Daher erzählte der Mann seiner Geliebten auch, dass er viel Geld in seinem Kleiderschrank aufbewahrt. Es waren genau 57.500 Euro – die Ersparnisse von vier Jahren. „Ich habe den Banken nicht getraut und deshalb das Geld bei mir zu Hause aufbewahrt“, erzählte der 48-Jährige in einer Verhandlungspause gegenüber unserer Redaktion. Als Zeuge sagte er im Gerichtssaal, er habe den Verdacht, dass die Angeklagte ihm schon eine Woche vor dem großen Diebstahl 1000 Euro aus dem Geldbeutel gestohlen habe.

Mutter und Sohn (Verteidiger: Moritz Bode und Rainer Denzinger) legten nach längeren Verhandlungspausen ein Geständnis ab. Die 48-Jährige erklärte, sie habe sich eines Tages über ihren neuen Freund „sehr geärgert“ und zu ihrem Sohn gesagt: „Das Geld will ich jetzt haben.“ Als der Mann bei ihr in Augsburg übernachtete, habe sie dessen Wohnungsschlüssel aus der Jacke genommen und dem Sohn gegeben. Der schlich sich nachts aus der Wohnung, fuhr mit dem Taxi nach Königsbrunn und stahl die Geldtasche aus dem Kleiderschrank des Opfers.

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„Das war ziemlich dreist“, empörte sich der Bestohlene gegenüber der AZ. „Am Morgen danach hatte sie noch zu mir gesagt: ,Ich liebe Dich‘“. Drei Tage später hatte der 48-Jährige den Diebstahl bemerkt. „Ich wollte das Geld nachzählen“, gab er im Zeugenstand zu Protokoll. Inzwischen hat der geleimte Liebhaber seine Finanzen wieder auf andere Beine gestellt. „Jetzt liegt das Geld auf der Bank. Da ist es doch sicherer.“

Der Geldspürhund fand den größten Teil der Beute

Die Kripo hatte schließlich die Wohnung von Mutter und Sohn durchsucht – mit einem Geldspürhund. Der erschnupperte tatsächlich etliche Geldverstecke. In einem Papierkorb im Zimmer des Sohnes lagen in einer Dose deponiert 18.000 Euro, 25.000 Euro waren im Heizungskeller versteckt, kleinere Beträge lagen noch offen in der Wohnung. Insgesamt konnte die Kripo dem Opfer 44.000 Euro wieder zurückgeben.

Fast 7000 Euro aus der Beute hatte die Angeklagte ihrer Schwester geschenkt. „Ich habe mit einem Rubbellos 25.000 Euro gewonnen“, hatte sie ihr vorgeschwindelt. Die Schwester, die sich ein Auto kaufte, muss das Geld, das aus der Diebesbeute stammt, wieder zurückgeben. Mutter und Sohn entschuldigten sich persönlich bei dem Königsbrunner: „Du bekommst alles Geld zurück“, versprachen sie ihm. Am späten Nachmittag das Urteil: Mutter und Sohn kamen mit einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren davon. Sie müssen Wertersatz von 13.500 Euro an die Justiz leisten – also den Rest der Beute, den das Gericht dann an den Königsbrunner zurückgibt. Der Schuldspruch ist noch nicht rechtskräftig.

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