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Augsburg

24.01.2012

Mysteriöser Fund: 60 Jahre alte Kriegswaffen in der Annakirche

Opferstock / Annakirche
3 Bilder
Ein Restaurator entdeckt zufällig Gewehre, die über 60 Jahre in der Augsburger Annakirche versteckt waren. Die evangelische Hauptkirche der Stadt wird seit einigen Jahren restauriert.
Bild: Ulrich Wagner

Ein Restaurator entdeckt zufällig Gewehre, die über 60 Jahre in der Augsburger Annakirche versteckt waren.

Unter den Holzdielen einer alten Treppe waren sie versteckt. In einem Nebenraum der St.-Anna-Kirche. Sechs Pakete, gut verschnürt und eingewickelt in Papier. Der Restaurator erschrak. Denn als er den Fund untersuchte und vorsichtig auspacken wollte, stieß er als Erstes auf den Lauf eines Gewehres. Er wollte es erst nicht glauben: Ausgerechnet hier, in der Kirche, sollen gefährliche Waffen gelagert sein?

Die Szene spielte sich am vergangenen Freitag ab. Die evangelische Hauptkirche der Stadt wird seit einigen Jahren restauriert. Derzeit sind Räume an der Reihe, die aus der Zeit stammen, als der Bettelorden der Karmeliten hier ein Kloster gründete. An der Schwelle zu einer Stiege, die ins Dachgeschoss führt, lockerte der Restaurator einige Dielen und stieß auf das Versteck. Die Kirche verständige nach dem Fund die Polizei. Die Beamten räumten das Lager aus und nahmen die Waffen mit. Inzwischen sind einige Rätsel gelöst. Die Waffen wurden wohl kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs an der Stelle deponiert. Doch es gibt noch viele Fragen.

Ein Karabiner, eine Pistole und eine Flinte für die Hasenjagd

Irmgard Hoffmann, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit beim evangelischen Dekanat, stellt sich die Fragen seit Tagen immer wieder. „Es ist so vieles unklar“, sagt sie. „Wem haben die Waffen gehört? Warum legte er sie ausgerechnet in der Kirche ab? Warum wurden sie nicht mehr aus dem Versteck geholt?“ Die Waffentypen lassen zumindest erste Rückschlüsse zu. In dem Hohlraum kam unter anderem ein Karabiner K 98 zum Vorschein, eine Standardwaffe der deutschen Wehrmacht im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Außerdem eine Mauser C96, eine bei Offizieren verbreitete Pistole, und eine Flinte für die Hasenjagd.

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„Es könnte sein, dass sich jemand dieser Waffen entledigen wollte“, glaubt Irmgard Hoffmann. Vermutlich geschah das kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs. Darauf deutet eine Ausgabe der „Augsburger Nationalzeitung“ vom 20. April 1945 hin, die zum Einwickeln benutzt wurde. In der Zeitung wird zu diesem Zeitpunkt noch dem „Führer“ Adolf Hitler gehuldigt. Acht Tage später nehmen die Amerikaner die Stadt ein. Wer eine Waffe zu Hause hatte, musste mit Strafen rechnen. Angedroht wurde dafür sogar die Todesstrafe, vollzogen wurde sie von den Amerikanern aber nicht.

„Viele haben sich damals schnell von ihren Waffen getrennt“, sagt Franz Häußler, Buchautor und profunder Kenner der Stadtgeschichte. Die meisten hätten die Waffen in Toilettengruben oder auch in Flüsse und Seen geworfen. Doch manch einer hing an den Waffen – und vergrub sie im Garten oder versteckte sie auf Dachböden. „Von einem Versteck in einer Kirche habe ich bisher noch nichts gehört“.

Angesichts der Waffen vermutet Franz Häußler, dass es womöglich Erinnerungsstücke eines Soldaten an den Ersten Weltkrieg waren.

Derzeit lagern die Waffen bei der Polizei. Das Dekanat will nun versuchen, etwas über den Besitzer zu erfahren. „Wir arbeiten gerade an einem wissenschaftlichen Buch über die Geschichte der Kirche, darin wird auch die Kriegszeit behandelt“, sagt Irmgard Hoffmann. Auf den gefundenen alten Zeitungen gibt es einige handschriftliche Notizen. Zudem lag eine Karte mit slawisch klingenden Ortschaften dabei.

Es sind nur vage Hinweise. Aber vielleicht, so hofft Irmgard Hoffmann, lässt sich das Rätsel um die Waffen doch noch lösen.

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