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NS-Namen: Die Debatte ist in Ordnung

NS-Namen: Die Debatte ist in Ordnung
Kommentar Von Stefan Krog
05.12.2019

Warum eine Diskussion, die sich mit Argumenten für und wider eine Umbenennung befasst, völlig in Ordnung in ist.

Dass die etwa 900 Bewohner und die Gewerbetreibenden in der Langemarckstraße nicht alle begeistert sein würden über die geplante Umbenennung ihrer Straße war absehbar. Der Vorgang erinnert ein Stück weit an die Werner-Egk-Schule. Erst herrschte Ruhe, als Umbenennungspläne bekannt wurden, gab es Proteste. Spannend wird sein, wie die Stadt bei der Langemarckstraße weitermacht, nachdem bei der Egk-Schule am Ende alles so blieb, wie es war. Mit den Bürgern in den Dialog zu gehen ist richtig, doch wenn jetzt erneut Kritik an den Empfehlungen der Erinnerungskommission aufkommen sollte, muss man festhalten: Das von der Stadt eingesetzte Gremium aus Historikern und anderen Fachleuten ist auch mit gewählten Stadträten besetzt – die Empfehlungen haben somit auch eine demokratische Verankerung.

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Hinterfragen darf man die Empfehlungen inhaltlich aber natürlich trotzdem. Die Problematik des Straßennamens Langemarck erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Es geht nicht um den Ort einer Schlacht im Ersten Weltkrieg, sondern um dessen spätere Instrumentalisierung durch die Nazis zur Glorifizierung der Opferbereitschaft der deutschen Jugend.

Welches Argument ins Leere führt

Reicht das für eine Umbenennung? Im Fall der Dr.-Mack-Straße, benannt nach einem bekannten Augsburger Arzt, der aber in der NS-Zeit an Zwangssterilisationen beteiligt war, ist das eindeutig so. Doch die von Pro Augsburg aufgeworfene Frage, ob man nicht in Argumentationsschwierigkeiten gerate, wenn man die Langemarckstraße umbenenne, es bei der Prof.-Messerschmitt-Straße im Univiertel aber bei einem erklärenden Namensschild belässt, ist nachvollziehbar.

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Das ist zwar der Vorschlag der städtischen Erinnerungskommission, auch mit Verweis auf die enge Verflechtung Messerschmitts mit der Stadtgeschichte. Inwieweit Messerschmitt überzeugter Anhänger des NS-Regimes oder Mitläufer war, ist unter Historikern umstritten. Doch was bleibt, ist die massenweise Beschäftigung von KZ-Zwangsarbeitern unter unmenschlichen Bedingungen, die in seinem Rüstungskonzern stattfand.

Insofern ist eine Diskussion, die sich mit Argumenten für und wider eine Umbenennung befasst, völlig in Ordnung. Das häufig genannte Argument „Wenn es keine anderen Probleme gibt …“ führt aber ins Leere. Es gibt immer und überall andere Probleme. Das sollte aber kein Vorwand dafür sein, sich mit bestimmten Themen einfach nicht zu beschäftigen.

Lesen Sie dazu den Artikel: Neuer Name für die Langemarckstraße: Geschäftsleute wehren sich

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