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Augsburg-Bärenkeller

17.10.2020

Nach 25 Jahren: Pfarrer Bernd Fischer nimmt Abschied vom Bärenkeller

Pfarrer Bernd Fischer und seine Frau Elisabeth Krauß-Fischer stehen am vom Sohn gepflanzten Apfelbaum vor der Erlöserkirche im Bärenkeller.
Bild: Annette Zoepf

Plus In fast 25 Jahren im Bärenkeller hat der evangelische Pfarrer Bernd Fischer für die Kirche und den Stadtteil Impulse gesetzt. Warum er Corona nicht nur negativ sieht.

Der kleine Apfelbaum auf der Wiese vor der Erlöserkirche – gepflanzt vom Pfarrerssohn Martin Fischer – hat in diesem Jahr ein paar Früchte getragen. Die frühherbstliche Ernte wird nicht das Einzige bleiben, was im Bärenkeller an Bernd Fischer und seine Familie erinnern wird. Fast ein Vierteljahrhundert war der gebürtige Oberfranke für die evangelische Gemeinde im Augsburger Nordwesten verantwortlich und hat dort mit seiner unaufgeregten Art Akzente gesetzt. Am 25. Oktober wird er von Dekan Frank Kreiselmeier in den Ruhestand verabschiedet.

Lob von der Aktionsgemeinschaft Pro Bärenkeller

So bescheiden, wie die nach dem Krieg erbaute kleine Erlöserkirche anmutet, so bescheiden wirkt der knapp 64-jährige Geistliche im Gespräch auf sein Gegenüber. "Ich bin nicht so der Showman", sagt Fischer und lächelt. Seine besonnene Art sei im Stadtteil gut angekommen und habe so manche hitzige Diskussion wieder beruhigt, sagt etwa Christine Deschler von der Aktionsgemeinschaft Pro Bärenkeller. Bei den Sitzungen habe er Impulse in seelsorgerischer und praktischer Art gesetzt. Auch Fischers Gastfreundschaft, wenn er den kleinen Pfarrsaal für Veranstaltungen zur Verfügung stellte, sei sehr geschätzt worden.

Vor 24 Jahren fing Bernd Fischer als Pfarrer in der evangelischen Erlöserkirche im Bärenkeller an. Rechts neben ihm steht seine Frau Elisabeth Krauß-Fischer.
Bild: Fischer

Sich selbst bezeichnet der Beinahe-Ruheständler als "Mensch mit eigenem Kopf", der manchmal sogar widerständig sei. Ein Beispiel: Weil er nicht vor der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) einknicken wollte, fragte er die Gemeindemitglieder einzeln ab, ob ihnen beispielsweise weiterhin im Pfarrbrief zum Geburtstag gratuliert werden dürfe. Auch die Corona-Pandemie brachte den Protestanten nicht dazu, das kirchliche Leben völlig lahmzulegen. "Wir haben all das gemacht, was möglich war."

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Durch Corona kann Fischer leichter loslassen

Dass die Zeit des Abschiednehmens in eine Zeit der Beschränkungen fällt, sieht Bernd Fischer für sich persönlich nicht negativ. "Ich hatte mehr Zeit, loszulassen und zu räumen", sagt er. Vieles hat sich angesammelt seit 1996, als der Pfarrer mit seiner Frau und den drei noch kleinen Söhnen in den Bärenkeller kam. Die Stellenausschreibung habe ihm damals zugesagt, erinnert sich der Geistliche, der vor der Theologie ein paar Semester Jura studiert hatte. Seinem Gefühl konnte er offenbar trauen, denn er ist dem Bärenkeller lange über das für einen evangelischen Pfarrer sonst übliche Maß hinaus treu geblieben - bei Protestanten ist es die Regel, nach etwa zehn Jahren den Einsatzort zu wechseln.

Noch heute bezeichnet Fischer den Siedler-Stadtteil als "Dorf am Rand der Großstadt", auch wenn er sich aktuell stark wandle. "Es wird viel neu- und umgebaut sowie auf den Grundstücken nachverdichtet, junge Familien ziehen zu und auch die Nähe zur Uniklinik wird die Struktur des Bärenkellers weiter verändern", sagt der Pfarrer.

Den Großteil seiner Bärenkeller-Ära hat er an der Seite von Karl Mair gewirkt. Besonders gerne erinnert sich Fischer neben den gemeinsamen Pfarrfesten an die regelmäßigen Treffen zum Frühstück, bei denen auch gebetet wurde. Seit einigen Jahren ist der katholische Kollege Mair im Ruhestand, die ökumenische Verbundenheit ist aber noch lebendig, was sich auch beim Abschiedsgottesdienst von Fischer zeigen wird. Um bei allen Abstandsregeln ein paar mehr Menschen die Teilnahme zu ermöglichen, wurde die Feier kurzerhand in die wesentlich größere Nachbarkirche St. Konrad verlegt.

Jetzt folgt der Umzug vom Bärenkeller nach Neusäß

Der Gottesdienst ist dem scheidenden Pfarrer wichtig, liegt ihm das Gebet doch sehr am Herzen. "Kirche muss sich auf ihre Kernaufgabe konzentrieren. Das ist für mich die Weitergabe des Glaubens", betont Bernd Fischer. Kirche lebe nur dann, "wenn Menschen vom Herrn begeistert sind."

In seiner Freizeit möchte Pfarrer Bernd Fischer unter anderem seine Schachfähigkeiten verbessern.
Bild: Ralf Hirschberger, dpa (Symbolfoto)

So verwundert es nicht, dass der Protestant in seinem Ruhestand als Pfarrer aushelfen, in der evangelischen Allianz aktiv und mit seinen Kollegen in Kontakt bleiben will. Darüber hinaus möchte Fischer sein Norwegisch und seine Schachfertigkeiten auffrischen. Zunächst einmal steht mit seiner Frau Elisabeth Krauß-Fischer der Umzug nach Neusäß-Ottmarshausen an – mit Blick auf die Schmutterwiesen. "Wir wollen hier bleiben, schon wegen unserer Kinder."

Die Erlösergemeinde im Bärenkeller bekommt wieder einen Pfarrer oder eine Pfarrerin. Laut Dekan Frank Kreiselmeier wird die Stelle ausgeschrieben. Der künftige Amtsinhaber betreut darüber hinaus wie Bernd Fischer die Gläubigen in Täfertingen sowie die Senioren in Neusäß.

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