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Augsburg

11.06.2019

Nach Ärger um Rechnung: Wo Bestattungen preisgünstiger sind

Daniel Kettemer ist der Friedhofsverwalter des Protestantischen Friedhofs in Augsburg.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Auf dem Protestantischen Friedhof an der Haunstetter Straße zahlen Angehörige niedrigere Gebühren für Bestattungen als auf städtischen Friedhöfen. Ein Vergleich.

In Augsburg sind Bestattungen auf den städtischen Friedhöfen extrem teuer. Über die hohen Gebühren ärgern sich Bürger und Bestattungsunternehmer. Dass es deutlich preisgünstiger geht, zeigt das Beispiel des Protestantischen Friedhofs an der Haunstetter Straße. Dort können auch Verstorbene anderer Konfessionen und Religionen beigesetzt werden.

„Wir sind deutlich preisgünstiger als die Stadt, aber viele Leute wissen es nicht“, sagt Friedhofsverwalter Daniel Kettemer. Er hat die aktuelle Diskussion über die hohen Preise in den Medien verfolgt und deshalb einmal genau nachgerechnet. Sein Ergebnis: Die Kosten für eine Erdbestattung auf dem Protestantischen Friedhof liegen inklusive Grabkauf für zehn Jahre und Feierlichkeit in der Kirche in der preisgünstigsten Variante bei insgesamt 1870 Euro – das sind 611,50 Euro weniger als die Stadt für die gleichen Leistungen berechnet.

Einige Posten fallen weg, die bei der Stadt Augsburg extra kassiert werden

Deutlich billiger ist auch die Urnenbeisetzung. Am Protestantischen Friedhof müssen Angehörige zusammengerechnet 947 Euro Gebühren für die günstigste Variante bezahlen. Auf einem städtischen Friedhof sind dafür 575,50 Euro mehr fällig. Noch wesentlich größer ist der Unterschied bei Baumbestattungen. Angehörige zahlen auf dem Protestantischen Friedhof rund 1500 Euro weniger als auf einem städtischen Friedhof.

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Kettemer sagt, das große Ziel sei, Bestattungen günstiger zu machen und den Angehörigen gleichzeitig einen würdigen Abschied von den Verstorbenen zu ermöglichen. Deshalb seien am Protestantischen Friedhof einige Posten in der Gebührenordnung weggefallen, die bei der Stadt extra kassiert werden. Kettemer nennt Beispiele.

„Wir berechnen die Kerzen nicht extra.“ Auch für die Aufbahrung der Särge fallen keine Kosten mehr an. Und wenn Angehörige bei einer Trauerfeier Musik von einem bereitgestellten CD-Spieler haben wollen, zahlen sie auf dem Protestantischen Friedhof derzeit nur 15 Euro (eine Erhöhung auf 30 Euro ist geplant).

Gerade die hohen Gebühren der städtischen Friedhofsverwaltung für die CD-Musik hatten einen Augsburger kürzlich massiv verärgert. Manfred Saur war empört, weil er bei der Trauerfeier für seine Lebensgefährtin auf dem Westfriedhof zwei Lieder auf einer CD-Anlage abspielen ließ und die Stadt ihm allein dafür 100 Euro in Rechnung stellte – zuzüglich zu den Gebühren für die Nutzung der Aussegnungshalle. Saur hält die städtische Forderung für die Musikanlage für „völlig überzogen“. Er legte Widerspruch bei der Regierung von Schwaben ein, um den Streitfall klären zu lassen.

Bei Friedhofsgebühren liegt Augsburg offenbar an der Spitze

Sein Ärger scheint berechtigt zu sein. Die Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas hat die Friedhofsgebühren in größeren bayerischen Städten verglichen. Danach liegt Augsburg mit Abstand an der Spitze. Die Kosten für Hinterbliebene seien deutlich teurer als in München, Würzburg oder Regensburg. Bestattungsunternehmerin Anita Ponzio kritisierte, die Stadt Augsburg bürde Hinterbliebenen insgesamt zu hohe Gebühren auf.

Umweltreferent Reiner Erben, Grüne), der auch fürs städtische Friedhofswesen zuständig ist, verteidigte die teils rasanten Preissteigerungen in den vergangenen Jahren mit den geltenden Vorschriften, wonach sich das Friedhofswesen aus den Gebühren selbst finanzieren muss.

Erben zufolge wurde vor 2005 aus politischen Gründen nicht so stark an der Gebührenschraube gedreht. Deshalb hätten die Preise zuletzt deutlich erhöht werden müssen.

Doch wie kommt es, dass der Protestantische Friedhof Bestattungen deutlich preiswerter anbieten kann? Auch dort gibt es denkmalgeschützte Substanz, die aufwendig erhalten werden muss.

Der Protestantische Friedhof an der Haunstetter Straße.
Bild: Silvio Wyszengrad

Und auch dort findet sich ein ähnliches Problem wie auf den städtischen Friedhöfen: Etliche Gräber sind nicht mehr belegt, was sich bei den Unterhaltskosten für die Anlage bemerkbar macht. Friedhofsverwalter Kettemer sagt, „auch wenn es Leerstände gibt, haben wir keine Finanzierungsprobleme.“

Das liege daran, dass die Gebühren in den vergangenen Jahren vorausschauend kalkuliert worden seien. Auf dem Protestantischen Friedhof würden alle Leistungen „aus einer Hand“ angeboten, was Preisvorteile verschaffe. Der Friedhofsverwalter erklärt aber auch, wie sehr man sich darum bemüht, den historischen Gottesacker attraktiv zu halten.

So können sich Angehörige auf Wunsch einen denkmalgeschützten Grabstein an einem aufgelassenen Grab aussuchen und auf Zeit übernehmen. Für die wunderschönen historischen Grabmäler fällt eine relativ niedrige Einmalzahlung ab 300 Euro als „Patenschaftszahlung“ an. Von diesem Angebot werde reger Gebrauch gemacht, sagt Kettemer. Er betont darüber hinaus, dass der Friedhof nicht nur für Protestanten offensteht.

Auch Verstorbene anderer Konfessionen und Religionen können auf dem Protestantischen Friedhof mit rund 9500 Gräbern ihre letzte Ruhe finden – etwa Muslime oder Buddhisten.

Lesen Sie dazu den Kommentar: Ein Angebot für Bestattungen ohne Gebührenfalle

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