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Augsburg

14.06.2018

Traditionsstand nicht mehr auf der Dult: Gewürzstand erhält keine Genehmigung

Gertrud Kössler-Mayr und ihr Sohn Christoph Kössler waren jahrzehntelang mit einem Stand auf der Dult vertreten. Für Herbst haben sie nun eine Absage erhalten.
Bild: Jens Reitlinger

Der Stand des „Augsburger Gewürz-, Kräuter- und Teehauses“ hat vom Marktamt erstmals eine Absage für die Dult erhalten. Die Gründe empören nicht nur die Betreiber.

Gertrud Kössler-Mayr braucht eigentlich keinen Kräutertee zur Beruhigung. Aber in den vergangenen Wochen hat die Geschäftsinhaberin des Augsburger Gewürz-, Kräuter- und Teehauses immer wieder einen getrunken. Seit rund 50 Jahren ist das Gewürzhaus in der Altstadt auf der Augsburger Dult mit einem Stand vertreten. Jetzt hat Gertrud Kössler-Mayr erstmals vom städtischen Marktamt eine Absage für die nächste Herbstdult erhalten. Nicht nur die ältere Dame und ihr Sohn, mit dem sie den Laden im Lechviertel betreibt, haben sich geärgert. Auch viele Kunden verstehen den Vorgang nicht. Auf Facebook wird der Fall diskutiert. Kössler-Mayr ist darüber nicht glücklich.

In dem kleinen Geschäft am Mittleren Lech duftet es nach Kräutern. Die Warenauszeichnung ist noch von Hand geschrieben. Seit 1982 bekommen die Kunden hier alles an Gewürzen, Heilkräutern und Tees, was man sich vorstellen kann. Die ältere Dame und ihr 43-jähriger Sohn Christoph Kössler haben sich über viele Jahre hinweg einen festen Kundenstamm aufgebaut. Schon Gertrud Kössler-Mayrs Eltern hatten in den 60er Jahren auf der Augsburger Dult einen Stand mit Gewürzen. Sie selbst führt ihn bis heute weiter, neben dem Ladenbetrieb. Umso überraschender kam für die Geschäftsfrau die erste Absage für die Herbstdult, die sie mit einem Schreiben des Marktamtes Anfang April erhielt.

Für jede Dult erteilt das Marktamt aufs neue Zulassungen, die nach einem Punktesystem verteilt werden. Die Beschicker erhalten Punkte für die Erfüllung bestimmter Kriterien. In der Absage der Behörde an die Geschäftsinhaberin werden unter anderem die Vergabekriterien „bekannt und bewährt“, Attraktivität und Familienfreundlichkeit aufgeführt. Offenbar hat Kössler-Mayr diese aus Sicht des Marktamtes nicht mehr erfüllt. Die Geschäftsinhaberin verstand die Welt nicht mehr, fühlte sich verletzt. „Ich habe mich sehr geärgert und war traurig. Schließlich kümmern wir uns seit vielen Jahren um unsere Kunden.“ Auf der Dult kämen die Besucher gezielt zu ihnen. Sie und ihr Sohn beklagten sich in einem Brief an das Ordnungsamt.

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Einer Absage im Frühjahr folgte die Absage im Herbst

Die Antwort folgte bald. Darin wurden weitere Kriterien, die für eine Standvergabe auf der Dult entscheidend sind, aufgeführt – nämlich die Zuverlässigkeit und Vertragserfüllung der Beschicker. „Bedauerlicherweise haben Sie Ihren Standplatz auf der Osterdult zwei Wochen vor Beginn dieser Dult abgesagt“, wurde festgestellt. Die Stadt habe unter großem Verwaltungsaufwand für Ersatz sorgen müssen. Diese kurzfristige Absage sei nicht die erste gewesen, wird in dem Schreiben kritisiert. Kössler-Mayr, die ihr Alter nicht verraten will, findet das mehr als unfair. Schließlich habe sie nicht aus Spaß abgesagt.

„Ich war im Frühjahr wegen einer verschleppten Grippe schlecht beieinander und ging zum Arzt.“ Dieser habe ihr geraten, auf die Frühjahrsdult zu verzichten. Kössler-Mayr entschuldigte sich daraufhin schriftlich beim Marktamt, dass sie aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen kann. 2015 sei sie auch mal kurzfristig krank geworden, erzählt sie. Sonst sei sie immer verlässlich auf der Dult präsent gewesen. „Kein Selbstständiger macht freiwillig krank. Ich hatte ja auch schon die Ware für die Dult gekauft. Außerdem weiß ich, dass mich die Kunden dort vermissen.“ Die ältere Dame kann das Gebaren der städtischen Behörde nicht nachvollziehen – „zumal ich mich mit dem Marktamt immer gut verstanden habe.“

Kunden ärgern sich über Absage für Stand auf der Augsburger Dult

Viele ihrer Kunden regen sich über den Vorgang auf. Ein paar schrieben sogar aufgebracht an die Stadt – Kössler-Mayr zeigt die Kopien dieser Briefe. Kunden hätten außerdem eine Unterschriftenliste angeregt. Diese liegt seit rund vier Wochen im Laden aus. „Das Augsburger Gewürz-, Kräuter- und Teehaus von Gertrud Kössler-Mayr gehört zur Augsburger Dult“, steht darauf zu lesen. Rund 100 Bürger haben bislang unterschrieben. Wie etwa Jürgen Mittel, der am Mittwochvormittag nur wegen der Liste in den Laden kommt.

Seit zehn Jahren kauft er im Gewürzhaus ein, lässt sich gerne von Mutter und Sohn beraten. „Sie wissen viel und nehmen sich immer Zeit.“ Der Stand gehört zur Dult, findet der Kunde. „Schon meine Mutter hat dort eingekauft.“ Von der Unterschriftenaktion erfahren habe er über Facebook. Am Dienstag erst wurde ein Aufruf in dem sozialen Netzwerk gepostet. Der sorgt für viel Aufsehen, wurde bislang über 140 Mal geteilt und vielfach empört kommentiert. Trotz der Unterstützung ist Gertrud Kössler-Mayr über die Diskussion auf Facebook nicht glücklich, wie sie sagt. Sie habe sich dort eigentlich nur bei den Kunden für deren Unterstützung bedanken wollen.

Da die ältere Dame und ihr Sohn selber nicht im sozialen Netzwerk aktiv sind, überließen sie dies einem Bekannten. Der schreibt nun in Gertrud Kössler-Mayrs Namen, geht auf Kommentare ein, diskutiert mit dem ein oder anderen Stadtrat. Das ist nicht unproblematisch. Denn schnell ist eine Debatte über etwaiges Fehlverhalten auf beiden Seiten entbrannt. Die Diskussionsteilnehmer gehen dabei freilich davon aus, mit Gertrud Kössler-Mayr persönlich zu diskutieren. Zudem habe sich der zuständige Mann vom Marktamt bei ihr bereits entschuldigt, als sie sich zufällig in der Stadt trafen, erzählt sie. Ordnungsreferent Dirk Wurm (SPD), dessen Behörde dem Marktamt übergeordnet ist, beschwichtigt in dem Fall.

Kössler-Mayr wünscht sich wieder Ruhe um ihren Stand

Es sei völlig okay, dass Kössler-Mayr die Frühjahrsdult kurzfristig abgesagt habe, so etwas könne vorkommen. „Aber es musste ein Nachfolger gefunden werden und der hat seine Sache wohl gut gemacht.“ Dieser habe nun auch für die Herbstdult eine Zulassung erhalten. Das Gewürzhaus könne sich wieder für 2019 bewerben. Die Entscheidungen fallen oft knapp aus, sagt Wurm. Die Einschätzung des Marktamts im Absage-Schreiben an das Gewürzhaus teilt der Ordnungsreferent allerdings nicht. Er stellt aber auch fest, dass die Amtssprache oft härter und grausamer klinge, als es tatsächlich gemeint ist.

Gertrud Kössler-Mayr will sich für die Frühjahrsdult 2019 wieder bewerben. Derzeit überlegt sie, ob sie den Facebook-Eintrag löschen lassen soll. Sie will, dass wieder Ruhe einkehrt. Dann braucht sie auch keinen Kräutertee mehr zur Beruhigung.

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