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Augsburg

29.05.2015

Nach Messerstecherei: Anwohner beklagen "unmögliche Zustände"

Lokaltermin vor dem Oberhauser Bahnhof: Ordnungsreferent Dirk Wurm diskutierte gestern mit Bürgern über die Verhältnisse auf dem Platz.
Bild: Anne Wall

Ordnungsreferent Dirk Wurm (SPD) spricht vor dem Oberhauser Bahnhof mit Bürgern und Behördenvertretern über die Probleme mit der Suchtszene. Anwohner fordern mehr Kontrollen.

Nach rund einer Stunde Diskussion wird ein Anwohner sauer. Er spricht von „unmöglichen Zuständen“ und beklagt, dass er seine neunjährige Tochter vormittags nicht mit gutem Gewissen alleine zum Bäcker schicken könne. Der Anwohner spricht einige Männer aus der Süchtigenszene direkt an: „Mir reicht es. Warum sollen wir immer Verständnis für Eure Probleme haben?“

Es ist kurz nach 17 Uhr am Donnerstag. Ordnungsreferent Dirk Wurm ( SPD) hat zum Ortstermin auf dem Helmut-Haller-Platz geladen. Der Platz vor dem Oberhauser Bahnhof ist seit rund einem Jahrzehnt ein Treffpunkt der Süchtigenszene. Seit Langem gibt es darüber Diskussionen. Doch nach der Messerstecherei unter Drogenkonsumenten in der vorigen Woche hat sich die Debatte um die Zustände auf dem Platz verschärft. Für Dirk Wurm steht fest, dass die Drogensüchtigen nicht vom Platz vertrieben werden sollen. Er wünscht sich eine „vernünftige und praktikable Lösung“, damit alle Beteiligten miteinander klar kommen.

Schulkinder gehen Umweg, um Oberhauser Bahnhofsvorplatz zu meiden

Doch einfach wird diese Lösung nicht, das zeigt der gut einstündige Meinungsaustausch. Auch unter den Anwohnern gibt es ganz unterschiedliche Meinungen. Während einige die Szene am liebsten los werden wollen, sagt ein anderer: „Auch diese Menschen haben ein Recht, hier zu sein. Aber es darf nicht sein, dass andere Bürger den Platz deshalb meiden.“ Eine Frau berichtet, dass Eltern ihren Kindern für den Schulweg einen Umweg auferlegen, damit sie nicht am Bahnhofsvorplatz vorbei kommen.

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Werner Hartmann hat in den vergangenen Jahren mehrere Kulturveranstaltungen auf dem Platz mitorganisiert – unter anderem, zusammen mit dem Lokal „Bob’s“, den „Kultursommer“. Das will er vorerst nicht mehr tun. Er kritisiert, dass die Stadt im Frühjahr an der Vorderseite des Platzes Bänke aufstellen ließ. Dadurch sei die Szene vom Rand des Platzes zu einem zentralen Punkt gewandert – das schüre Konflikte. Durch neue Drogen seien einzelne aus der Szene auch aggressiver geworden, so sein Eindruck. Auch den Biergarten direkt daneben könne man so nicht mehr betreiben, sagt „Bob’s“-Chef Stefan Meitinger. Er hat die Genehmigung für den Biergarten zurückgegeben. Dieses Jahr werde er ihn nicht mehr aufmachen. Im nächsten Jahr könne man „über alles reden“, sagt er, sofern sich die Situation ändere. Beim Ortstermin wird auch über die Pläne diskutiert, den wenig genutzten Spielplatz im hinteren Bereich des Platzes abzubauen und dort Bänke für die Szene aufzustellen. Die meisten Wortmeldungen dazu sind positiv. Thomas Lidel, CSU-Ortschef von Oberhausen, mahnt aber: „Wir brauchen verstärkte Kontrollen.“

Andreas Köjer, Streetworker der Drogenhilfe, warnt, die Süchtigen, die sich am Bahnhof treffen, über einen Kamm zu scheren und zu verurteilen. Die meisten seien friedlich und wollten sich nur treffen. Neue Drogen wie Badesalz seien ein Problem, weil sie zu Aggressivität führen können. Er sagt aber auch: „Nicht jeder nimmt Badesalz und natürlich ist nicht jeder gemeingefährlich.“

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