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Augsburg

21.01.2019

Nach Razzia: Was ist der Stand der Ermittlungen gegen Synlab?

Das Labor Synlab hat seinen deutschen Hauptsitz in Augsburg. Im Frühjahr 2017 rückte der Zoll zu einer Razzia an.
Bild: Peter Fastl (Symbolbild)

Plus Der Laborkonzern Synlab mit Sitz in Augsburg wächst. Derzeit interessieren sich gleich zwei Staatsanwaltschaften für die Vorgänge dort. Es geht um Betrug.

Der Labordiagnostik-Konzern Synlab ist alles andere als eine kleine Nummer – weder in Augsburg, noch weltweit. In Augsburg, wo die zentrale Holdinggesellschaft ihren Sitz hat, arbeiten 400 Menschen für Synlab, das vor allem für medizinische Analysen wie Blutuntersuchungen bekannt ist. Weltweit sind es mittlerweile mehr als 20.000 Mitarbeiter, wie es auf Anfrage heißt. Auf der Homepage sind alleine für Deutschland gut drei Dutzend Standorte auf einer Karte markiert.

Angeblich plant Synlab den Börsengang, wie das Handelsblatt zuletzt berichtete, wobei sich der Geschäftsführer zwar damit zitieren ließ, der Schritt sei zwar grundsätzlich „eine Option“, die Entscheidung aber liege beim Mehrheitseigner, einem britischen Beteiligungsunternehmen namens Cinven. Es läuft offenbar ganz gut bei Synlab. Weniger gut allerdings sind die Schlagzeilen, die eine Ermittlungsmaßnahme im März vergangenen Jahres machte.

Synlab-Razzia in Augsburg, München und Dachau

Wie wir damals exklusiv berichteten, durchsuchten Ermittler 31 Gebäude, etwa in Augsburg, München und Dachau, um dem Verdacht nachzugehen, dass bei Synlab Sozialabgaben hinterzogen worden sein könnten. Es geht in den Ermittlungen um „Veruntreuung und Vorenthalten von Arbeitsentgelt“, also um mögliche Schwarzarbeit. Konkret steht der Verdacht im Raum, dass Kurierfahrer als Scheinselbstständige beschäftigt worden sein könnten.

Die Kurierfahrer transportieren Laborproben und Befunde, sei es zu anderen Laboren, Krankenhäusern oder Arztpraxen. Um welche Schadenssumme es möglicherweise geht, ist noch nicht klar; die Ermittlungen, die seit 2016 bei der Staatsanwaltschaft Augsburg laufen, dauern an. Nach wie vor richten sie sich gegen neun Verantwortliche. Ein Abschluss ist offenbar noch nicht absehbar. Es ist allerdings auch nicht ungewöhnlich, dass derart umfangreiche Ermittlungsverfahren eine Weile dauern. Auch ein zweites Ermittlungsverfahren im Umfeld des Konzerns ist schon eine Weile anhängig. Zuständig in dem Fall ist die Staatsanwaltschaft München I, die seit März 2017 wegen eines Betrugsverdachts gegen Synlab ermittelt.

Synlab-Ermittlungen: Wird Anklage erhoben?

Es bestehe der Verdacht, dass an externe Fremdlabore weitergeleitete Aufträge zu Unrecht als Eigenleistungen abgerechnet wurden, heißt es von der Behörde auf Anfrage. Sechs Personen werden als Beschuldigte geführt – offenbar gibt es personelle Überschneidungen zu jenen neun Verantwortlichen, gegen die sich das Augsburger Verfahren richtet. Auch in dem Münchner Fall ist noch nicht absehbar, wann es einen Abschluss der Ermittlungen geben wird. Es müsse umfangreiches Datenmaterial gesichtet werden, heißt es weiter. Wann oder ob überhaupt Anklage erhoben wird, ist also in beiden Fällen noch offen. Äußern möchte man sich bei Synlab zu den Verfahren aktuell nicht.

Synlab ist zugleich nicht der einzige Laborkonzern, der im Fokus der Strafverfolger liegt. Das Labor Schottdorf, benannt nach seinem Gründer Bernd Schottdorf, war immer wieder Bestandteil von aufsehenerregenden Gerichtsprozessen. Der Laborarzt Schottdorf wurde aber immer wieder freigesprochen. Er starb im Mai vergangenen Jahres nach schwerer Krankheit. In einem weiteren Verfahren, in dem ursprünglich auch der Laborarzt selbst angeklagt war, soll sich die Ex-Frau des Unternehmensgründers in diesem Jahr vor dem Landgericht verantworten. Sie ist die Geschäftsführerin einer Schottdorf-Firma.

Die Vorwürfe sind ähnlich gelagert wie im Fall Synlab, dessen Augsburger Standort nicht weit von Schottdorf entfernt liegt: Das Unternehmen soll mehrere hundert Kurierfahrer scheinselbstständig beschäftigt und die Sozialkassen auf diese Weise um rund 14,5 Millionen Euro geprellt haben. Ermittelt wurde in dem Fall bereits seit 2014, Anfang 2015 hatte es in dem Zusammenhang eine bundesweite Razzia gegeben. Ursprünglich hätte der Prozess im Oktober vor der 10. Strafkammer starten sollen, das Landgericht allerdings setzte ihn kurzfristig ab und verschob ihn auf das neue Jahr.

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