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Augsburg

05.02.2015

Nach Schlägerei: Brechtfestival verteidigt Auftritt linksextremer Band

In der Augsburger "Kantine" ist es während des Brechtfestivals zu einer Schlägerei gekommen.
Bild: Bettina Leppert

Nach der Schlägerei beim Brechtfestival betonen die Veranstalter, dass "Feine Sahne Fischfilet" nicht zur Gewalt aufruft. Fans gerieten mit Anhängern von "Freiwild" aneinander.

Ein Schönheitsfleck wird bleiben: Bei der Brechtnacht kam es in der Kantine zu einer Schlägerei. 20 bis 30 Fans der Punkband „Feine Sahne Fischfilet“, die im Rahmen des Festivals im Erdgeschoss des Klubs im Reese-Areal auftrat, gingen in den Veranstaltungsraum im 1. Stock und prügelten auf Besucher ein, die T-Shirts der Südtiroler Deutschrock-Band „Freiwild“ trugen.

„Freiwild“ wird von Kritikern eine Nähe zu rechtem und nationalsozialistischem Gedankengut unterstellt, während die Punkband vom Verfassungsschutz ihres Heimatlandes Mecklenburg-Vorpommern als „linksextrem“ eingestuft wird. „Unsere Security hat die Streithähne aber schnell voneinander getrennt und rausgeworfen“, betont Klub-Betreiber Sebastian Karner. Als die Polizei mit einem Großaufgebot von zehn Streifenwagen vorfuhr, war der Streit schon vorbei. Einige Beteiligten hatten leichte Verletzungen erlitten.

Die Veranstalter hatten "überhaupt keine Bedenken"

Warum diese Band zum Brechtfestival eingeladen wurde, dazu wollten gestern weder der künstlerische Leiter Joachim Lang noch der Kurator Girisha Fernando, die das Programm und die Auswahl der Künstler des Brechtfestivals verantworten, persönlich Stellung nehmen. Per Pressemitteilung teilte das Büro des Brechtfestivals aber mit, dass bei der Langen Brechtnacht seit vielen Jahren Musikgruppen unterschiedlicher Stilrichtungen auftreten.

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„Brecht nutzte die Macht der Musik immer wieder als dramaturgisches Mittel und zur Verdeutlichung seiner Themen und Botschaften: Systemkritik und politische Provokation“, hieß es. Das Brechtfestival widme sich dieser Tradition und habe deshalb auch „Feine Sahne Fischfilet“ eingeladen.

Die Veranstalter betonen, dass sich die Punkband mit ihren Songs gegen Rechtsradikalismus und Rassismus engagiere. „Natürlich ist Punk auch Rebellion und Provokation. Zur Gewalt wird bei den Konzerten von ,Feine Sahne Fischfilet‘ jedoch keineswegs aufgerufen.“

Brecht / Brechtfestival / Die lange Brechtnacht im Stadttheater Augsburg. Bild: Ulrich Wagner  Gruppe Lamuzgueule
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Die schönsten Bilder vom Brechtfestival 2015
Bild: Ulrich Wagner

„Bei ,Feine Sahne Fischfilet‘ hatten wir überhaupt keine Bedenken“, sagt auch Klubbetreiber Karner. Ebenso wenig, dass parallel Bands im Rahmen des Band-des-Jahres-Wettbewerbs der Neuen Szene auftraten. „Wir waren total schockiert, dass die Fans unsere Besucher angegriffen haben. Die Band ,Bremsspur‘ ist nicht rechts. Sie unterstützen ein Flüchtlingsprojekt und hatte 15 Asylbewerber zu ihrem Konzert eingeladen“, sagt Chefredakteur Walter Sianos.

Klub-Betreiber Sebastian Karner kann den Wirbel um „Feine Sahne Fischfilet“ nicht verstehen: „,Die Ärzte‘ waren früher auch oft auf dem Index. Einige Lieder von ihnen durften nicht gespielt werden. Heute sind sie gesellschaftsfähig.“

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