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Augsburg

23.05.2019

Nach Strafprozess: Wie halten es Wirte mit dem Trinkgeld?

In Augsburger Lokalen gibt es unterschiedliche Methoden, ob und wie das Trinkgeld verteilt wird.
Bild: Sebastian Gollnow, dpa (Symbol)

Plus Die Verteilung der Trinkgelder führt manchmal zu Konflikten. Wenn sich Chefs einmischen, kann es noch problematischer werden. Wie sieht das in Augsburg aus?

Eigentlich ist die Sache einfach. Man geht in ein Restaurant, wird nett bedient, isst gut, und gibt der Bedienung oder dem Kellner am Ende des Abends etwas Trinkgeld in die Hand. Fertig. Zumindest als Gast ist das Thema damit erledigt. Aus Sicht des Kellners kann die Lage komplizierter sein, denn möglicherweise behält er nicht alles, was er an einem Arbeitstag an Trinkgeld erhält.

Vielleicht gibt er, wie alle anderen Kellner des Restaurants auch, das komplette Trinkgeld in einen Topf, dessen Inhalt schließlich möglichst gerecht an die Mitarbeiter verteilt wird, also etwa auch an das Küchenpersonal, das keinen direkten Kundenkontakt hat. Vielleicht gibt es im Betrieb auch eine offizielle Umlage, sodass der Kellner zumindest einen kleinen Teil des Trinkgeldes abgeben muss, damit seine Kollegen in der Küche daran beteiligt werden können. All diese Trinkgeld-Systeme soll es in Augsburg in verschiedenen Gastronomie-Betrieben geben. Wer sich aktuell allerdings in der Stadt umhört, wie es jeweils geregelt wird, bekommt oftmals eher zurückhaltende Antworten von Wirten. Das hat einen Grund.

Prozess in Augsburg: Gastronomen wegen Unterschlagung verurteilt

Zuletzt sind zwei bekannte Gastronomen verurteilt worden, weil sie Trinkgelder ihres Personals einbehalten hatten. In den Betrieben der Seferi-Brüder hatte es ein kompliziertes Umlagesystem gegeben: Bedienungen waren angewiesen worden, ein Prozent ihres erwirtschafteten Umsatzes abzugeben, und zwar aus ihrem Trinkgeld. Auf diesem Wege sollte unter anderem das Personal in der Küche am Trinkgeld beteiligt werden – wo es allerdings oft nicht landete. Es war ein Strafprozess, der auch offenbarte, wie heikel es für Wirte sein kann, sich ins Thema Trinkgeld überhaupt nur einzumischen. Dementsprechend gibt es durchaus Augsburger Gastronomen, die sich aktuell lieber nicht namentlich äußern wollen, um „keine schlafenden Hunde zu wecken“, wie ein Wirt sagt. Gemeint sind: Finanzamt oder Zoll. Denn mit dem Finanzamt, sagt der Wirt, das sei immer schwierig.

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Wie auch immer. Viele Wirte haben auch kein Problem damit, etwas zu sagen. Gastronom Leo Dietz etwa betont, im Klub „Peaches“ in der Maximilianstraße halte er sich einfach raus, wenn es um das Thema geht. Der Ablauf dort sei allerdings auch nicht mit dem von Restaurants zu vergleichen, da es keine größere Küche gibt und damit auch kein entsprechendes Personal dort.

Ähnlich hält es aber auch Andreas Kahn im „Feinkost Kahn“ in der Annastraße. Das Trinkgeld, sagt er, werde von den Angestellten selber verwaltet, er selbst halte sich komplett raus, eine Vorgabe gebe es nicht – nur den Hinweis, die Küche mitzuberücksichtigen, da die Kellner nicht glänzen könnten, wenn die Küche es nicht zulasse. „Aber das machen die Angestellten untereinander aus“, sagt Kahn.

Wirte halten es unterschiedlich mit dem Trinkgeld

Etwas anders sehe es im Parkgarten im Wittelsbacher Park aus, wo Gäste nicht an den Tischen bedient werden. Dort gebe es an der Kasse einen Maßkrug mit der Aufschrift „Trinkgeld“, in den Gäste beim Zahlen etwas werfen können. Auch dieses Geld werde von den Angestellten selber verwaltet, er habe da null Zugriff drauf. Gastronom Stefan Meitinger, der in Augsburg, München und Fürth mittlerweile elf Betriebe mit gut 300 Mitarbeitern hat, sagt, in seinen „Bob’s“-Lokalen werde das Trinkgeld noch am Abend unter den Mitarbeitern aufgeteilt; er selbst nehme keinerlei Einfluss dadrauf. „Das Geld gehört mir ja nicht.“

In vielen Gastro-Betrieben kommt es wegen des Themas immer wieder zu Problemen unter den Mitarbeitern, wie Tim Lubecki von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, kurz NGG, berichtet. Wenn die Chefs mitmischten, werde es nicht besser. Sie hätten nämlich eigentlich überhaupt nicht mitzureden, wie das Geld verteilt wird, kein Arbeitgeber sei berechtigt, darauf einseitig Zugriff zu nehmen. Kernproblem sei aber, dass die Arbeitsverträge in der Gastronomie oft „legendär schlecht“ seien. Es stünden etwa die abenteuerlichsten Klauseln drin, was angeblich alles abgegolten sei. Viele Mitarbeiter seien aufgrund der schlechten Bezahlung aufs Trinkgeld angewiesen. Und wenn einige dann so gut wie nichts davon abbekämen, sorge das dementsprechend für Konflikte.

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