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Augsburg

25.10.2018

Nach Übergriff: Wie gut sollen Schulen gesichert werden?

Ein Mann hat laut Polizei auf der Toilette der Wittelsbacher Grundschule ein Mädchen missbraucht.
Bild: Silvio Wyszengrad

Muss nach dem Missbrauch einer Schülerin in Augsburg die Sicherheit erhöht werden? Der Lehrerverband hält es für falsch, Schulgebäude zu Festungen auszubauen.

Bei der Polizei ist man froh, dass der Tatverdächtige sofort gefasst wurde. Dass es einem körperlich fitten Lehrer aus dem Kollegium gelang, den Mann zu überwältigen und festzuhalten. Nur deshalb wurde der 21-Jährige nach Ansicht der Ermittler daran gehindert, die neunjährige Schülerin auf einer Toilette der Wittelsbacher Grundschule zu vergewaltigen. Und nur deshalb muss nun auch niemand Angst haben, dass ein möglicherweise gefährlicher Täter, der Kindern in der Schule auflauert, auf freiem Fuß ist.

In München war das so im Jahr 2001. Damals wurde ein siebenjähriges Mädchen an einer katholischen Mädchenschule auf einer Toilette vergewaltigt und beinahe vom Täter erwürgt. Der Mann konnte flüchten. Eine Sonderkommission wurde eingesetzt. Überführt wurde der damals 19-jährige Täter allerdings erst rund zweieinhalb Monate später. Er vergewaltigte in einer Gaststätten-Toilette eine Frau. Das Opfer konnte den Mann anhand eines Fotos identifizieren. DNA-Spuren belegten dann, dass er auch für die Tat in der Schule verantwortlich war.

Missbrauch in Augsburg: In München gab es intensive Debatte nach einer Tat

Damals gab es eine intensive Debatte um die Sicherheit an den Schulen. Die Debatte wird nach dem Augsburger Fall auch geführt, aber angesichts der sofortigen Festnahme des Tatverdächtigen ist sie weniger brisant. Nicht nur unter Eltern, sondern auch unter Lehrern wird über die Frage gesprochen, ob der Zugang zu Schulen besser kontrolliert werden muss. Gabriele Schneid ist die Augsburger Kreisvorsitzende des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands (BLLV).

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Sie sagt: „Es ist in den vergangenen Jahren schon viel umgesetzt worden.“ Sie hält es für richtig, dass jede Schule ihr eigenes Sicherheitskonzept erarbeitet und die Regeln nicht einfach von oben übergestülpt werden. An vielen Schulen sei es üblich, die Eingänge nach Unterrichtsbeginn zu verschließen. Schüler seien angehalten, vor allem in den Pausen auf die Toilette zu gehen, wenn ohnehin mehr los ist. Lehrer und Schüler sollten fremde Personen ansprechen oder melden.

Die Schulen dagegen zu kleinen Festungen auszubauen, mit Sicherheitsleuten und Videoüberwachung, davon hält Gabriele Schneid nicht viel. „Wir müssen uns fragen, ob wir das wirklich wollen“, sagt sie. Gerade in den Zeiten vor und nach dem Schulbeginn, wenn die Schüler kommen und gehen, sei eine solch strenge Kontrolle auch eher „realitätsfremd“. Jeder einzelner Fall sei furchtbar, sagt die BLLV-Kreisvorsitzende. Sie könne aber keine Entwicklung wahrnehmen, dass es für die Schüler generell gefährlicher geworden sei und man an den Schulen deshalb dringend reagieren müsse.

Die Polizei sagt: Schüler können sich sicher fühlen

So sieht es auch die Polizei. Einen ähnlichen Fall wie der vom Dienstagmittag an der Wittelsbacher Grundschule habe es in Augsburg seit vielen Jahren nicht gegeben. Die Kinder könnten sich an den Schulen sicher fühlen, so ein Polizeisprecher. Der 21-jährige Verdächtige – ein aus Polen stammender Mann, der im Kreis Augsburg wohnte – bleibt wohl bis zu einem Prozessbeginn in Untersuchungshaft.

Mit den Polizisten hat er nach der Tat noch gesprochen, beim Termin vor dem Haftrichter machte er dann nach Informationen unserer Redaktion keine Angaben mehr. Im Haftbefehl wird ihm Kindesmissbrauch, versuchter schwerer sexueller Missbrauch und versuchte Vergewaltigung vorgeworfen. Das Gesetz lässt den Richtern einen großen Spielraum bei den Strafen dafür. Er muss aber, sollte sich die Vorwürfe im Prozess so bestätigen, mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen.

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