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Augsburg

30.05.2019

Nach dem Großeinsatz: Was mit der Lechhauser Fliegerbombe geschah

An dieser Stelle im Lechhauser Industriegebiet befand sich die Bombe.
Bild: Silvio Wyszengrad

Der Fundort der Fliegerbombe im Industriegebiet in Augsburg erleichterte den Einsatzkräften die Arbeit. Polizei und Sprengmeister ziehen Bilanz.

Mit 500 Kilogramm ist es eine „recht große Bombe“ gewesen, die ein Bagger am Dienstagabend in Lechhausen bei Bauarbeiten freigelegt hatte. Das sagt Polizeisprecher Michael Jakob am Tag nach dem Einsatz und erklärt, dass man gemessen daran Glück gehabt habe: Die amerikanische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg lag am Rande eines Industriegebietes. Es sei alles nach Plan gelaufen, von der Evakuierung und Entschärfung bis zum Abtransport.

Sprengmeister entschärfen Bombe in Augsburg noch am Abend

Nachmittags um 15.45 Uhr wurde der Blindgänger entdeckt, von dem zunächst nur ein Teilbereich zu erkennen war. Ein verdächtiger Gegenstand, angerostet und verdreckt, sagt Jakob. In so einem Fall schauten sich Spezialisten das dann genauer an und erst, wenn der Sprengmeister entscheidet, die Bombe zu entschärfen, werde damit an die Öffentlichkeit gegangen. Da laut Polizei nicht auszuschließen war, dass einer der beiden Zünder bei den Bauarbeiten beschädigt worden war, entschieden sich die beiden Sprengmeister Roger Flakowski und Torsten Thienert für eine Entschärfung noch am Abend.

Sprengmeister Roger Flakowski und Torsten Thienert entschärften die Augsburger Fliegerbombe.
Bild: Berufsfeuerwehr Augsburg

Daraufhin wurden alle Gebäude in einem Radius von 500 Metern um den Fundort an der Pöttmeser Straße geräumt. Gemeldet sind dort lediglich 130 Anwohner, sodass sich auch nur wenige in der kurzfristig eingerichteten Sammelstelle bei der DJK Lechhausen einfanden. Gegen 22.15 Uhr war die Evakuierung abgeschlossen, gegen 22.45 Uhr die Bombe entschärft.

Großeinsatz in Augsburg: Bombe wurde mit einer Säge zerlegt

Die Zünder seien entfernt und die Bombe abtransportiert worden, sagt Polizeisprecher Jakob. Das übernahm der Kampfmittelräumdienst Tauber, der Stützpunkte in ganz Deutschland hat. Die Bombe sei an einem sicheren Ort mit einer speziellen Säge zerlegt worden, informiert Andreas Heil, Betriebsleiter der Firma Tauber in Bayern. Wo genau, sagt er nicht, damit keine „Touristen“ kommen. Der Sprengstoff werde herausgenommen und in Brennöfen vernichtet, der Stahl als Altmaterial wieder dem Wertstoffkreislauf zugeführt.

Fliegerbombe in Augsburg: Oberbürgermeister dankt Einsatzkräften

Im Einsatz waren nach Angaben der Stadt Augsburg etwa 60 Polizeikräfte, 60 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr Augsburg und der Freiwilligen Feuerwehren sowie circa 20 Mitarbeiter des Rettungsdienstes. Oberbürgermeister Kurt Gribl dankt ihnen am Tag nach dem Großeinsatz, die Einsatzkräfte leisteten ihm zufolge eine „super Arbeit“. „Immer wieder haben wir nun Einsätze nach dem Fund von Fliegerbomben und man könnte fast meinen, dass diese mittlerweile Routine sind“, äußert er sich. Doch jeder Einsatz habe seine Besonderheiten, ob 100 Menschen in Sicherheit zu bringen seien oder 50.000 bei der Weihnachtsbombe.

Das Industriegebiet sei als Fundort ideal, sagt Polizeisprecher Jakob. „Mitten in der Stadt hätten wir mehr zu tun gehabt.“ Dort lebten in einem Radius von 500 Metern deutlich mehr Menschen.

Lesen Sie dazu auch: Die Bombe schweißte diese beiden Männer zusammen

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29.05.2019

Danke für den interessanten Artikel.

Die Aussage in dem Infokasten darunter, daß das Ziel von Sprengbomben "vor allem die Zerstörung von Gebäuden und Infrastruktur" gewesen sei, ist grundsätzlich für die Munitionsart zwar richtig, das Ziel deren Einsatzes zumindest von britischer Seite aus jedoch falsch.

Das britische Luftfahrtministerium erließ am 14. Februar 1942 die "Area Bombing Directive", in der das britische Bomber Command angewiesen wurde, " ...dass sich das Hauptziel Ihrer Operationen auf die Moral der feindlichen Zivilbevölkerung und insbesondere der Industriearbeiter konzentrieren sollte".

Der Stabschef der Royal Air Force präzisierte einen Tag später: „Ich nehme an, dass klar ist, dass die Ziele bebaute Gebiete und nicht z. B. Schiffswerften oder Flugzeugwerke laut Anhang A sein werden."

Das Ziel der Angriffe war also ganz klar die Bevölkerung, und nicht etwa "Infrastruktur".

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