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Medizin

17.04.2018

Nach der Diagnose hilft sie nun Leidensgenossen

Catharine Dryden

Catharine Dryden hat eine chronische Schmerzerkrankung. Jahrzehntelang wusste sie nicht, woran sie litt. Erst suchte sie selber Unterstützung bei einer Selbsthilfegruppe. Jetzt leitet sie selber zwei

Schon als Schülerin hat Catharine Dryden immer wieder gemerkt, dass die Arme schmerzen. Mal war es nach dem Turnen oder aber dem Seilklettern. „Das ging gar nicht. Da hat mein rechter Arm zu sehr weh getan“, erinnert sie sich. Eine Diagnose gab es damals nicht. Darauf musste die heute 69-jährige Augsburgerin lange warten. 2003 hörte sie ein Gespräch im Wartezimmer eines Arztes mit. „Zwei Damen unterhielten sich über Fibromyalgie. Sie sprachen über Schmerzen, die wanderten, über Lustlosigkeit, über das Gefühl, dass das Leben eine große Anstrengung sei. Da dachte ich, dass das doch meine Krankheit ist“, sagt sie. Daraufhin sprach sie ihren Hausarzt an, ob diese Krankheit bei ihr in Frage kommen würde, doch wieder gab es für Catharina Dryden, die damals noch in Rheinland-Pfalz lebte, keine Diagnose. Sie lebte viele Jahre ein Leben, in dem sie sich von Ärzten missverstanden fühlte.

Das änderte sich 2009. Inzwischen war sie nach Augsburg gezogen und wurde von ihrem Orthopäden in die Waldhausklinik nach Deuringen überwiesen. Dort wurde schließlich Fibromyalgie bei ihr festgestellt, eine chronische Schmerzerkrankung. Die Symptome äußern sich in starken Schmerzen in der Muskulatur und an den Sehnenansätzen, die länger als drei Monate anhalten. Oft ist auch der Rumpf betroffen. Daneben leiden an Fibromyalgie erkrankte Personen an Schlafstörungen, Migräne, Reizmagen und Reizdarm, Müdigkeit, Erschöpfungszuständen und auch depressiven Verstimmungen. Catharine Dryden war froh, dass sie nun wusste, an was für einer Krankheit sie seit Jahren litt, doch ihr Leiden hatte durch die Diagnose kein Ende. „Es wurden mir Medikamente, Antidepressiva und Schmerzmittel verschrieben, die nicht halfen, sondern meinen gesundheitlichen Zustand eher verschlechterten“, sagt sie. Im Jahr zuvor hatte sie aus betrieblichen Gründen ihren Arbeitsplatz verloren. „Da fühlte ich mich nicht mehr als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft“, erzählt sie. Vieles kam bei ihr zusammen. Sie suchte sich Unterstützung.

Weil es in Augsburg damals keine Selbsthilfegruppe für an Fibromyalgie erkrankte Menschen gab, schloss sie sich 2011 der Gersthofer Gruppe an, die sie heute leitet. Die Treffen und der Austausch mit den Leidensgenossen macht ihr sichtlich Spaß. Bei den monatlichen Gruppentreffen berichten neue Mitglieder von ihrem Krankheitsverlauf und können Fragen stellen, ältere Mitglieder erzählen von verschiedenen Therapiemöglichkeiten und ihre Erfahrungen, die sie damit gemacht haben.

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Ablenkung und Bewegung würde Kranken helfen, so Catharine Dryden, aber auch meditative Bewegungstherapie wie Qi-Gong, Tai Chi, Yoga oder auch Wassergymnastik. „Diese Krankheit hat 1000 Gesichter. Bei jedem verläuft sie anders.“

Sie lädt mal einen Heilpraktiker mal oder eine Kräuterkundlerin zu den Treffen ein, die den Teilnehmern Anregungen geben. Aber mit den Treffen hört das Engagement der 69-Jährigen nicht auf. „Wir treffen uns auch zwischendurch mal zum Frühstücken, mal abends oder zu einem Eiskaffee. Da kommt ein kleiner Kreis zusammen, wer eben Zeit hat.“ Die Gersthofer Gruppe besuchen Menschen aus Augsburg und den angrenzenden Landkreisen, ein Teilnehmer kommt sogar bis aus Lauingen an der Donau.

In den kommenden Tagen wird sie Gründungsmitglied einer Augsburger Selbsthilfegruppe sein. „Es haben sich in den vergangenen Jahren immer wieder Augsburger bei mir gemeldet und ich haben sie nach Gersthofen eingeladen, weil es einfach keine Gruppe in Augsburg gab.“ Eine Lücke, die nun der Fibromyalgie Verein Bayern schließen will. Catharine Dryden hilft aus Überzeugung: „Ich haben zu lange selber unter den Schmerzen und dem Nichtverständnis von Ärzten gelitten.“

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