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Augsburg

27.01.2019

Nach der FCA-Niederlage gibt es im "11er" eine Blutgrätsche

Entsetzen bei den Anhängern des FC Augsburg, Jubel bei den wenigen Gladbach-Fans.
Bild: Peter Fastl

In der Fußballkneipe "11er" wird bei jedem Spiel mitgefiebert. Die Situation des FCA schlägt aber manchen Fans auf die Stimmung, wie der Samstagnachmittag zeigte.

Zum Trost wird danach eine Blutgrätsche serviert: Eierlikör auf Eis mit einem Schuss Edelkirsch. Martin und seine Freunde sind nicht die Einzigen, die nach der erneuten Niederlage des FC Augsburg frustriert sind. Rund 60 Fußballfans haben am Samstag das Spiel im "11er" in der Innenstadt verfolgt. In der Fußballkneipe des einstigen FCA-Geschäftsführers Markus Krapf geht es an solchen Bundesliga-Nachmittagen hoch her. Aber momentan, sagt er, ist die Stimmung bei FCA-Spielen anders als noch am Anfang der Vorrunde.

"Blutgrätsche" nennt sich das Spezialgetränk aus Eierlikör auf Eis mit einem Schussel Edelkirsch.
Bild: Peter Fastl

FCA-Fan Taubert droht: "Wenn wir heute wieder eine Klatsche kriegen ..."

Stammgast Wolfgang Taubert hat sich im 11er einen Platz gesucht, von wo er zwei Bildschirme im Blick hat: Auf einem läuft die Bundesligakonferenz, auf dem anderen beginnt das FCA-Spiel gegen Mönchengladbach. "Wenn wir heute wieder eine Klatsche kriegen, werde ich künftig meine Samstage anders gestalten",  droht der 68-Jährige, als ob ihn Trainer und Spieler durch den Bildschirm hören könnten. Er bestellt sich ein Weizen. Taubert kommt seit sechs Jahren zu den Übertragungen ins 11er. In seiner Jugend spielte er selbst Fußball, in der Mannschaft beim TSV Haunstetten. „Ich ließ mir einen Hasen auf die Hose nähen, weil ich immer Haken geschlagen habe“, erzählt er. Ob er seine Drohung mit dem FCA-Boykott ernst meint?

Wolfgang Taubert zählt zu den Stammgästen der Fußballkneipe 11er.
Bild: Peter Fastl

Taubert winkt ab. „Nein, aber man leidet halt mit.“ Er ist nicht der Einzige. Fan Martin etwa beschreibt seine derzeitige FCA-Gemütslage als „destruktiv“. Gegen Borussia Mönchengladbach tippt er auf eine erneute Niederlage. Kneipenwirt Markus Krapf fasst die Stimmung seiner Gäste so zusammen: „Natürlich ist sie seit der Vorrunde gesunken. Aber die meisten meinen es gut mit dem FCA und wollen, dass er in der ersten Bundesliga bleibt.“ Fast mantraartig fügt der 47-Jährige, der von 2002 bis 2007 Geschäftsführer des FC Augsburg war, hinzu: „Und, wir werden es schaffen.“

"Der Baum ist halt ein Lehrer und kein Trainer"

Kurz vor Anpfiff ist die Kneipe in der Dominikanergasse voll, hier treffen sich fast nur Männer, die Frauen kann man an zwei Händen abzählen. Kneipenmitarbeiter Luca Christandl trägt ein Weizen und ein Helles nach dem anderen raus. „Bei einer Fußballübertragung“, sagt er, „wird zu 90 Prozent Bier getrunken.“ Er grinst. „So hoch wie der Bieranteil ist, ist halt auch der Männeranteil.“ Kneipengast Herbert, der sich einen Barhocker ergattert hat, ist der Einzige, der heute einen FCA-Fanschal trägt. Er witzelt: „Das zeigt die Stimmungslage hier.“

15 magere Punkte hat der FCA bislang und kratzt an den Abstiegsplätzen. Im 11er gibt es viele Meinungen, warum es beim Heimatverein nicht mehr rund läuft. „Der Baum ist halt ein Lehrer und kein Trainer“, „die Mannschaft braucht eine andere Ansprache“, „den Spielern fehlt komplett das Selbstvertrauen“ – um Erklärungen ist niemand verlegen. Auch wenn es um sonst so verlässliche Spieler wie Philipp Max, Michael Gregoritsch und Alfred Finnbogason geht, die unter ihrem Niveau spielen. „Wer weiß, welche Vereine an denen herumgraben“ bis zu „die haben einfach keine Lust mehr“ reichen die Einschätzungen.

Das 11er in der Dominikanergasse gibt es seit elfeinhalb Jahren.
Bild: Peter Fastl

Bei der Parade von Torwart Kobel brandet kurz Applaus auf

Nein, man ist hier ganz und gar nicht zufrieden, wie es beim FCA gerade läuft. „Was mich als Fan stresst, ist, dass beim FC Augsburg nicht offen über Dinge gesprochen wird“, kritisiert Kneipengast Bernd Müller. „Wenn der FCA mal die Einkaufspolitik erklären würde oder was jetzt mit Caiuby ist, das wäre mal geil.“

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Da nützt es auch nichts, dass Torwart Gregor Kobel den FCA über die erste Halbzeit rettet und sogar einen Elfmeter hält. Kurzzeitig kommt bei seiner Parade ein Hauch von Euphorie im 11er auf: „Kobel, Kobel“ rufen die Fans und klatschen.

Ansonsten bleiben die Kommentare kritisch. Sie reichen von „Wenigstens Khedira und Kobel haben eine gute Körpersprache“ von „der trabt so langsam zurück, das passiert den Bayern nicht“ bis zu „denen fehlt die Aggressivität“. Bei einem unnötigen Ballverlust haut ein Gast wütend mit der Faust auf die Theke: „Leck mich am A ... Das sind so einfache Sachen.“ Schimpferei gehört beim Fußballspielen dazu, weiß Wirt Markus Krapf.

11er-Wirt Markus Krapf glaubt daran, dass der FCA in der ersten Bundesliga bleibt.
Bild: Peter Fastl

„Jeder kann seinen Unmut kundtun.“ Aber ewige Nörgler, so der Wirt mit dem Bart, seien bei ihm nicht gerne gesehen. „Das 11er soll eine positive Kneipe sein. Wer sich anständig aufführt, der ist hier willkommen“, sagt Pächter Krapf, der seine Kneipe nun auch kaufen wird. In wenigen Tagen ist der Notartermin für „sein Baby“. Krapfs Gäste wissen dieses Ambiente am 11er zu schätzen. Wie auch die beiden Gladbach-Fans Rolf Köster und André Reekers.

Sie haben keine Scheu, sich am Samstag in Gladbach-Fantrikots unter die FCA-Anhänger zu mischen. „Hier ist eine super Atmosphäre mit einem tollen Wirt. So eine Fußballkneipe muss man in einer Stadt erst mal finden“, sagt Köster, der vor vier Jahren aus dem Rheinland nach Augsburg kam. Freilich sind sie die Einzigen, die bei den zwei Toren jubeln. Der FCA kassiert die beiden Gegentreffer – mal wieder – ganz am Schluss. „Immer in den letzten Minuten – das zieht sich wie ein roter Faden“, meint Fan Klaus beim Abpfiff der Partie kopfschüttelnd.

Manche Kneipengäste gehen raus auf die Gasse, eine rauchen. „Am Ende ist es nur Fußball“, findet einer. Überzeugt klingt er dabei allerdings nicht. Eher, als ob er sich selbst beruhigen muss. Andere gehen ganz heim, das 11er wird leerer. Martin und seine Freunde allerdings bleiben an der Theke sitzen. Sie brauchen jetzt erst mal eine Blutgrätsche.

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27.01.2019

Sonderbare Art von Journalismus. Geht es hier um Information oder um Stimmungsmache? Bild-Niveau.

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