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Augsburg

20.01.2015

Nachbar mit Axt angegriffen: 57-Jähriger muss ins Gefängnis

Für einen Angriff mit einer Axt musste sich ein Mann in Augsburg vor Gericht verantworten.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Es war ein brutaler und verstörender Angriff: Mit einer Axt geht ein 57-Jähriger auf seinen Nachbar los. Der bleibt wie durch ein Wunder am Leben. Nun war der Fall vor Gericht.

Es war ein dramatisches Geschehen, das sich am 31. März vorigen Jahres, kurz vor Mitternacht, in einem Haus in der Altstadt abgespielt hat. Ein 45-jähriger Mieter lag bereits im Bett, als jemand gegen seine Tür hämmerte und schrie: „Komm raus, du fette Sau.“ Als der 45-Jährige öffnete, stand sein Nachbar, 57, im dunklen Treppenhaus, rief: „Jetzt bring ich dich um“, hob seinen Arm und schlug zu – mit einem Beil, wie sich herausstellte.

Das Opfer riss reflexartig seine Hände hoch, wehrte ab. Die Axt schrammte zum Glück am Hals entlang, hinterließ nur eine großflächige Schürfwunde. Danach begann ein Kampf um Leben und Tod im Flur. Erst als ein anderer Nachbar zu Hilfe eilte und den Täter in den Würgegriff nahm, konnte das Opfer sich in eine Wohnung flüchten. Am Montag wurde der 57-jährige Täter vom Schwurgericht nach einem mehrtägigen Prozess wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt.

Ein Leben zwischen Drogen und Medikamenten

Täter und Opfer sind beide langjährige Drogenkonsumenten mit Hafterfahrung. Das Leben des Angeklagten war seit 25 Jahren ein ständiges Auf und Ab. Ein Leben zwischen Alkohol, Medikamenten, Haschisch, Kokain, Heroin und zuletzt „Badesalz“, die tückische und gefährliche Designerdroge. Ein Leben zwischen Entzug, Aufenthalten im Bezirkskrankenhaus, Jobs und auch drogenfreien Phasen. Gerüchte, die im Haus die Runde machten, das spätere Opfer mache sich an die Verlobte des Angeklagten heran, wolle sie gar auf den Strich schicken, war schließlich Auslöser der Attacke in jener Nacht.

„Er wollte ihm nur einen Denkzettel verpassen, die Angelegenheit regeln“, verneinte Verteidigerin Alexandra Gutmeyr in ihrem Plädoyer eine Tötungsabsicht ihres Mandanten. Dieser habe sich, enthemmt von Alkohol und Drogen, lediglich deshalb mit einem Beil bewaffnet, weil er sich seinem Nachbarn körperlich unterlegen sah. Die Verletzungen des Opfers seien erst durch das Gerangel am Boden entstanden, nicht durch einen Schlag mit dem Beil. Sie sah eine zweijährige Strafe als ausreichend an – ganz im Gegensatz zu Ankläger Hans-Peter Dischinger und Nebenklageanwalt Marco Müller.

„Der Angeklagte wollte ihn töten"

Der Staatsanwalt hatte am gestrigen letzten Verhandlungstag genau die Strafe gefordert, die das Schwurgericht dann auch verkündete. Dessen Vorsitzender Christoph Wiesner sprach in der Urteilsbegründung zweifelsfrei von einem versuchten Mord: „Der Angeklagte wollte ihn töten, und es war Heimtücke im Spiel.“ Das Gericht zeigte dem Verurteilten allerdings einen Weg auf, eine „letzte Chance“, wie er sein Leben ändern könnte.

Wenn das Urteil rechtskräftig wird, könnte der Angeklagte nach neunmonatiger Untersuchungshaft sofort zur Therapie in ein geschlossenes Bezirkskrankenhaus. Schließt er die Therapie nach etwa zwei Jahren erfolgreich ab, könne er auf Bewährung wieder entlassen werden. Der Angeklagte hat nun eine Woche Zeit, sich dieses Angebot zu überlegen. Er könnte allerdings auch in Revision gehen.

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