1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Nachhall durch die Zeit

09.09.2016

Nachhall durch die Zeit

Die Domsingknaben gemeinsam mit dem Armida Quartett

Einen Spagat vom 15. Jahrhundert bis zur Mozart-Zeit, von alter sakraler Tonkunst bis zur Klassik vollzog das Konzert „Ave Verum“. In St. Georg, der Taufkirche von Leopold Mozart, wurde das Festivalpublikum von Mozart@Augsburg Zeuge, wie der Abend mit zielstrebig ausgeklügelter Programmatik die vokalen Repräsentanten der Fuggerstadt, also die Domsingknaben, mit dem Armida Quartett zusammenführte, diesem Spitzen-Ensemble, das ja durch die Bratscherin Teresa Schwamm einen engen Augsburg-Bezug hat.

Reinhard Kammlers Gesamtchor der Domsingknaben faszinierte sofort mit der ausbalancierten Spät-Renaissance von William Byrds herb-goldenem „Miserere“, dem ein Hymnus von Johannes Mangon folgte. Hier waren nur die Männerstimmen aufgeboten, die mit der heikelsten Aufgabe betraut waren: „Kyrie“ und „Gloria“ des Flamen Johannes Ockeghem, der im 15. Jahrhundert die Vokalkunst prägte, wenn nicht revolutionierte, lebten von einer Fantastik, einem expressiven Gestus, worin sich Ton-Text-Konstruktionen mit frei ausrinnenden Vokalisen spannungsvoll verbanden. Getrennt doppelchörig aufgestellt waren alle Sänger wieder in einem Hymnus von Tiburtio Massaino sowie in Gregorio Allegris „Miserere“. Damit war man quasi bei Mozart angelangt. Allegris Kult-Komposition war lange Jahre vor Nachdruck geschützt – bis es der 14-jährige Mozart auf einer Italien-Reise aus dem Gedächtnis aufschrieb. Auch die geografisch entferntere Nachwelt begann es dadurch zu lieben.

Mendelssohn gehörte dazu. Mit seinem Streichquartett in f-Moll betrat man aber eine andere Welt. Das Armida Quartett, dessen Repertoire von der Klassik bis zur Avantgarde reicht, hatte die nicht leichte Aufgabe, den Zauber des hinreißenden Werks im langen Nachhall der Kirche unterzubringen. Die Kaskaden der schnellen Sätze ließen nicht das ganze Liniengeflecht erkennen, doch durch seine perfekte Konzeption faszinierte Armida trotzdem. Man genoss fast akustische Naturereignisse wie eine Meeresbrandung. Auch Mozarts Quartett D-Dur (KV 499) litt unter dem üppigen Nachhall; suggestiv herausgearbeitete Detail-Wunder blitzten durch. Vereint in zwei Mozart-Juwelen boten zum Abschluss Chor und Quartett ein Erlebnis fröhlicher Frömmigkeit: Das „Ave Verum“ (KV 618) konnte man kaum berührender erleben, wie die imponierende, hochartifizielle Wucht des „Misericordias Domini“. Die vier Streicher boten Kammlers Renommierchor ein Klangbett von intensiver Leuchtkraft.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Feature Augsburger Christkindlesmarkt
Christkindlesmarkt 2018

Augsburger Christkindlesmarkt 2018: Alle Infos im Überblick

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden