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11.03.2009

Nadelstiche oder kompletter Ausstand

Die Anzeichen verdichten sich: Wahrscheinlich ab Donnerstag in einer Woche werden die 400 Bus- und Tramfahrer der Stadtwerke streiken. Doch ansonsten ist vieles unklar: Setzt die Gewerkschaft Verdi, die von einer sehr hohen Streikbereitschaft spricht, auf einen unbefristeten Ausstand oder zunächst auf eine Taktik der Nadelstiche mit wechselnden und zeitlich begrenzten Arbeitsniederlegungen in Städten wie München, Nürnberg und Augsburg? Letzteres würde nicht nur die Streikkasse schonen und die Nachteile für Kunden in Grenzen halten. Auch den öffentlichen Nahverkehrsunternehmen fiele es schwer, sich darauf einzustellen und Notangebote zu organisieren.

Die Führungskräfte der Augsburger Stadtwerke jedenfalls rätseln derzeit noch über die Taktik der Gewerkschaft - und die eigene Antwort darauf. Zunächst einmal sind die Juristen am Zug. Sie sollen klären, was das Unternehmen überhaupt darf. Der momentane Erkenntnisstand in der Konzernzentrale am Hohen Weg: "Uns sind leider die Hände gebunden."

Klar ist jedenfalls: Die Augsburger sind in einer schlechteren Lage als die Kollegen in München. Die können für einen Notverkehr auf private Unternehmen zurückgreifen, die ohnehin in München fahren und nicht vom Streik betroffen sind. Die Augsburger aber haben keine privaten Subunternehmer.

Ob sie auf die Schnelle auf verpflichtete Aushilfsfahrer zurückgreifen könnten, ist rechtlich äußerst umstritten. Außerdem gibt es ein handfestes praktisches Hindernis: Während eines Ausstands, von dem auch die Werkstatt und der Gleisbau betroffen sind, stehen Busse und Trams der Stadtwerke im Depot und können nicht raus.

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Umstritten ist ebenfalls, ob die Stadtwerke private Firmen mit ihren Bussen als Streikbrecher verpflichten dürfen. Das darf möglicherweise nur die Stadt - will die es sich mit den Gewerkschaften verscherzen? Bei einem längeren Streik scheint sie dazu entschlossen. Bürgermeister Hermann Weber (CSU): "Einen Dauerstreik können wir nicht ignorieren, da müssen wir reagieren."

Weber sorgt sich vor allem um die Tausenden Schüler, die auf den öffentlichen Nahverkehr besonders angewiesen sind. Als Mitglied im kommunalen Arbeitgeberverband betrachtet der städtische Finanzchef den Streik ohnehin mit gemischten Gefühlen. Schon jetzt sei die Finanzlage der Verkehrsbetriebe "Oberkante Unterlippe". Die von den Arbeitnehmern geforderten 9,5 Prozent mehr würden schon im Sommer zu einer Fahrpreiserhöhung führen, prophezeit Weber. (cf)

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