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Augsburg

18.07.2019

Nahverkehr rund um Kö wird gratis - und es gibt weitere Änderungen

Ab nächstem Jahr kann man im Zentrum der Innenstadt gratis mit Bus und Tram fahren.
Bild: Wyszengrad (Archiv)

Plus Die Planungen für die "City-Zone" werden konkreter. Zudem greifen ab 1. August Nachbesserungen bei der Tarifreform. Auch über ein 365-Euro-Abo wird diskutiert.

Die vor einem Jahr vorgestellten Pläne für einen kostenlosen Nahverkehr in der Kern-Innenstadt werden konkreter: Voraussichtlich zum Jahreswechsel soll die Benutzung von Bussen und Straßenbahnen in der so genannten City-Zone gratis sein. Diese Zone erstreckt sich jeweils eine Tram-Haltestelle rund um die Haltestellen Königsplatz/Moritzplatz. Innerhalb der Zone zwischen Hauptbahnhof, Prinzregentenstraße, Staatstheater, Rathausplatz, Ulrichsplatz, Theodor-Heuss-Platz und Frohsinnstraße kann man gratis fahren. Ausnahme, so die für den Nahverkehr zuständige Wirtschaftsbürgermeisterin Eva Weber (CSU), könne die Linie 1 Richtung Göggingen sein, wo die Zone bis zur Kongresshalle ausgeweitet werden könnte. Diese Erweiterung wird aber wohl nicht zum Start des Angebots kommen.

Stadt und Stadtwerke hatten vor einem Jahr die Überlegungen damit begründet, dass sich die Luftqualität verbessere, wenn Parksuchverkehr wegfalle. Unumstritten war der Vorstoß nicht – „Pro Bahn“ etwa kritisierte, dass damit Autofahrer bis zum Innenstadtrand gelockt würden, statt gleich in den Nahverkehr.

Die Maßnahme ist eine Nachbesserung der Tarifreform in Augsburg

Allerdings spielte bei der Idee auch eine Rolle, dass damit der Unmut von Gelegenheitsfahrern nach der Tarifreform gedämpft werden sollte. Weil für sie der innere Zonenring 10 wegfiel und durch das Kurzstreckenticket ersetzt wurde, gab es für einen Teil der Nutzer Fahrpreisverdoppelungen. Die neue City-Zone stellt für Gelegenheitsfahrgäste mit dem Ziel Innenstadt, die durch die Reform Verteuerungen hinnehmen mussten, eine Verbesserung dar.

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Zum Teil wird damit der alte Stand erreicht: zum Beispiel bei den Linien 2 und 3 aus Richtung Haunstetten/Univiertel, wo man künftig Dank der City-Zone mit einem Kurzstreckenticket soweit in die Stadt kommt wie früher mit einem Farschein für die Zone 1. Zum Teil nähert man sich dem Zustand vor der Reform wieder an (z.B. Linie 3 aus Richtung Stadtbergen) und es gibt auch eine Verbesserung (Linie 1 aus Richtung Göggingen).

City-Zone: Wie hoch wird der Verlust für die Stadtwerke Augsburg?

„Wir stärken mit der City-Zone auch den Handel und führen Menschen an den Nahverkehr heran, die ihn bisher nie genutzt haben“, so Stadtwerke-Geschäftsführer Walter Casazza. Von SPD und Grünen kam im Wirtschaftsausschuss des Stadtrats die Forderung, die City-Zone auszudehnen. SPD-Rätin Margarete Heinrich erinnerte an ihre Forderung, die gesamte Zone 1 oder zumindest die Jakobervorstadt für die Gratis-Nutzung freizugeben. Grünen-Rat Matthias Lorentzen sagte, es wäre sinnvoll, über eine Ausweitung zu den Park-and-Ride-Plätzen nachzudenken. Casazza entgegnete, das bisher erreichte sei im bundesweiten Vergleich ein „Meilenstein“. Im Verkehrs- und Tarifverbund (AVV) sei die City-Zone schwierig durchzusetzen gewesen.

Die Stadtwerke kalkulieren mit jährlichen Einnahmeverlusten von 886.000 Euro. Aufkommen wird dafür die Stadt, die aber höhere Zuschüsse vom Land bekommt. Inzwischen stehen weitere Details fest: Wer sich nur in der Zone bewegt, zahlt nichts und muss kein Ticket lösen. Bei Fahrgästen, die in die Zone hineinfahren oder aus ihr herausfahren, zählen die Haltestellen innerhalb der Zone nicht zur Fahrstrecke (wichtig beim Kurzstreckenticket). Quert ein Fahrgast die City-Zone, fährt also hinein und wieder hinaus, werden die Haltestellen der Zone bei der Ermittlung der Fahrtlänge dazugezählt.

Voraussichtlich soll die Neuregelung zum Jahreswechsel kommen. Nötig ist, dass der Augsburger Tarif- und Verkehrsverbund AVV sie bis dahin in seine Tarifsystematik integriert. Insgesamt wird mit maximal 500.000 Euro Umstellungskosten gerechnet. Zudem müssen auch mit den Eisenbahnunternehmen im AVV (DB Regio und Bayerische Regiobahn) noch Abstimmungsgespräche geführt werden.

Nahverkehr in Augsburg: Schon zum 1. August stehen Änderungen an

Änderungen bei den Nahverkehrstarifen stehen in Augsburg schon zum 1. August auf dem Plan. Es treten drei Änderungen in Kraft, die als Nachbesserung der seit dem Jahreswechsel 2017/18 gültigen Tarifreform gedacht sind. Hier ein Überblick:

  • Zustempelregelung Wer ein Abo der Zonen 10 oder 20 hat und über die Grenze seiner Zone im Stadtgebiet hinausfährt, musste bisher zwei Preisstufen zustempeln. An dieser Regelung hatte es viel Kritik gegeben. Künftig wird als Aufpreis zum Abo nur eine Preisstufe fällig.
  • Wochenkarte Die mit der Tarifreform abgeschaffte Wochenkarte wird wieder eingeführt.
  • Kurzstreckenticket Das Kurzstreckenticket gilt über eine Strecke von vier Haltestellen (Einstiegshaltestelle nicht mit eingerechnet). Problem: In manchen Vierteln kommt die Bevölkerung mit der neuen Regelung nicht einmal mehr bis ins nächste Stadtteilzentrum mit Supermarkt, Bank und Apotheke. Für Bergheim, Inningen, Bärenkeller, Firnhaberau und Hochzoll-Süd (bis zur Eröffnung des Supermarkts am Zwölf-Apostel-Platz) wird diese Regel aufgeweicht, damit Bürger wieder weiter fahren können

Darüberhinaus plant Bürgermeisterin Weber mögliche weitreichendere Änderungen. Es gebe, so Weber kurz nachdem sie ihre Ambitionen für eine OB-Kandidatur im Frühjahr bekannt gegeben hatte, nach wie vor eine gewisse Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Darum solle die Tarifreform zügig unter die Lupe genommen werden, und zwar von einem von der Stadt beauftragten Sachverständigen. Wenn im Jahr 2020 die AVV-weite Bewertung stattfindet, will die Stadt mit Zahlen zu den Betroffenheiten der eigenen Bürger aufwarten können.

Diskussion über 365-Euro-Abo wird wieder losgehen

Als ein Vorschlag liegt schon länger die Einführung eines 365-Euro-Jahresabos auf dem Tisch. Vor allem die Grünen fordern dieses Angebot schon länger. In Wien habe es deutliche Fahrgastzuwächse gegeben. Der Nahverkehr werde nur genutzt, wenn er schneller und günstiger sei als das Auto. Auch die CSU-Fraktion will nun eine Prüfung. Diese, so Fraktionschef Bernd Kränzle, müsse aber realistisch sein. Mit Vertretern von AVV, Stadtwerken und den Bahnunternehmen soll das Thema diskutiert werden. Speziell von den Eisenbahnen war in der Vergangenheit immer der Einwand formuliert worden, dass mehr Fahrgäste in der Morgenspitze kaum zu befördern wären. Zudem, gibt die CSU zu bedenken, seien die Voraussetzungen in Wien, das oft als Vorbild für ein solches Angebot zitiert wird, andere gewesen.

Die Stadtwerke hatten im Zuge der Tarifreform das 9-Uhr-Abo eingeführt, das für 30 Euro im Monat ab dem Vormittag Mobilität im Stadtgebiet bietet. Mit der 9-Uhr-Sperrzeit soll verhindert werden, dass die morgens ohnehin vollen Fahrzeuge noch voller werden. Mit einem Wegfall der Sperrzeit würden AVV-weit laut Berechnungen rund zwölf Millionen Euro Mindereinnahmen pro Jahr anfallen.

Inzwischen hat der Freistaat angekündigt, Großstadt-Verkehrsverbünde fördern zu wollen. Der AVV kann mit jährlich rund vier Millionen Euro rechnen. Allerdings ist dieser Zuschuss auf fünf Jahre begrenzt – dauerhafte Mindereinnahmen lassen sich also nicht ausgleichen.

Lesen Sie auch den Kommentar: Die Tarifreform würde so nie mehr beschlossen

Hören Sie zum Verkehr in Augsburg auch unsere aktuelle Podcast-Folge.

 

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18.07.2019

>> Mit der 9-Uhr-Sperrzeit soll verhindert werden, dass die morgens ohnehin vollen Fahrzeuge noch voller werden. <<

Nein, das ist nur ein Vorwand.

Hintergrund ist hsl. die tarifliche Abschirmung der überteuerten Abos. Mit Ausnahme des Streckenastes zur Uni gibt es zwischen 8 und 9 Uhr keine wirklich vollen Fahrzeuge. Ein Sitzplatz ist da im Gesamtnetz eindeutig der Regelfall.

günstigstes Vollzeitabo: Schülerabo Zone 10+20 für 11 Monate zu je EUR 51,70 - (Erwachsenenabos natürlich aufwärts)

Mit einer Zeitgrenze 8.00 Uhr gäbe es vielfache Umstellungen aus den normalen Abos in das zeitbeschränkte Zone 10/20 Sparabo zu 30,- Euro.

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18.07.2019

Wem nützt denn eine solche , kostenfreie City- Zone? Wer fährt denn schon in der Fußgängerzone mit der Straßenbahn vom z.B. Königsplatz bis Moritzplatz? Besser wäre es gewesen man hätte an den Wochenenden und Feiertagen die Zonen 10 und 20 ganztägig kostenfrei gemacht. Es ändert sich doch gar nichts, wenn ich mit dem Auto in Zentrum fahre und dann rund um den KÖ/Moritzplatz 1 Station kostenlos fahren kann. Sowas mach ich doch zu Fuß. Um die Innenstadt vom Verkehr zu entlasten, hätte man min. die Zone 10 kostenfrei machen müssen. Aber da fehlen dann auch die nötigen Parkmöglichkeiten, sodass man wiederum bis zu den Parkhäusern in die Innenstadt weiterfährt. Der meiste Autoverkehr kommt doch nicht von den Bewohnern der Innenstadt, sondern aus den Randbezirken und umliegenden Gemeinden.

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18.07.2019

>> Wem nützt denn eine solche , kostenfreie City- Zone? <<

Allen, die nun mit der Kurzstreckenkarte ein bis zwei Haltestellen in der Innenstadt weiter kommen.

Vergessen Sie das Öko-blabla; damit wird die mißratene Tarifreform repariert und beim Verkehr von und zur Innenstadt die alte 10er Zone im Bartarif wieder notdürftig hergestellt.

Die so hochgelobten Abo-Kunden haben dadurch keinen Vorteil.

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18.07.2019

Das 365 Ticket soll kommen! Ich kann das gejammere der Bahn nicht verstehen, sie haben dann Probleme mit zu vielen Fahrgästen. Dieser Satz ist auch schon von den Stadtwerken gekommen. Lachhaft! Dann bestellt mehr Züge, Busse und Trams und stellt Personal ein!! Es kann doch nicht sein, dass ein klimafreundlicher Verkehr scheitert, weil Verkehrsunternehmen Angst vor zuviel Kunden haben.

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17.07.2019

Ich kenne es von Verwandten und Freunden: schon jetzt ist es eine knappe Kalkulation, ob man als Gelegenheitsfahrer mit dem Auto oder ÖPNV in die Stadt fährt. Denn pro Person werden mittlerweile 6€ für Hin- und Rückfahrt fällig. Da sind Sprit und Parkplatz ab 2 Personen definitiv günstiger. Einzig die nervige Parkplatzsucherei motiviert einige den Bus oder die Tram zu nutzen.

Doch jetzt wird die Entscheidung für einfacher: man fährt an den Rand der Innenstadt, parkt dort (idealer weise nimmt man einem Bewohner den Parkplatz weg) und fährt dann kostenfrei ins Zentrum. Halt! Kostenfrei? Natürlich nicht! Der ÖPNV wird im Zentrum weiter verstopft und auf kosten der treuen Abokunden werden Gelegenheitsfahrer motiviert weiter mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren.

Was für ein gigantischer, teurer, miserabel durchdachter Humbug das aber auch ist!
Wie wäre es stattdessen mit einem 1€/Tag Ticket wie in Wien, wo mehr als jeder zweite Bürger solch ein Abo hat - selbst für gelegenheitsfahrer ist dort ein Abo attraktiv.

Wien ist um einiges größer als Augsburg, die Bahnen fahren teils im 2 Minuten Takt und das opnv netzt ist deutlich leistungsfähiger. - ein Kostenfiasko sollte es also nicht geben.

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