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Stadtgeschichte

10.09.2015

Napoleon hielt mehrmals Hof in Augsburg

Napoleon hielt mehrmals Hof in Augsburg
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Vor 210 Jahren kündigte der französische Kaiser das Ende der Reichsstadt an. Warum er zwischen 1805 und 1809 gleich vier Mal anreiste und wo er übernachtete

Noch bis zum 31. Oktober ist im Neuen Schloss zu Ingolstadt die Ausstellung „Napoleon und Bayern“ zu besuchen. Das Haus der Bayerischen Geschichte – es hat seinen Sitz in Augsburg – konzipierte diese aufwendige Landesausstellung. Mit einer Vielzahl von Exponaten und Publikationen wird die Epoche beleuchtet, in der das heutige Bayern entstand. Dazu zählte der Verlust der Reichsfreiheit von Augsburg. Napoleon war es, der die Reichsstadt zur Provinzstadt in dem von ihm geschaffenen Königreich Bayern degradierte.

Vor 210 Jahren, am 10. Oktober 1805, kam Napoleon I. erstmals nach Augsburg. Er bezog für eine Nacht die fürstbischöfliche Residenz. Am Tag zuvor hatten seine Truppen die sich als neutral erklärende Reichsstadt besetzt. Am Vormittag des 11. Oktober empfing Napoleon eine sechsköpfige Abordnung des Augsburger Senats, des Rates und der Kaufleute. Sie wollten den Kaiser dazu bewegen, Nachlass bei den ungeheuren Kriegslasten zu gewähren und die Neutralität der Stadt zu beachten.

Er habe die Delegation „äußerst gnädig“ empfangen und sie damit getröstet, dass die Besetzung nur wenige Tage dauern werde, berichteten die Herren. Nebenbei habe Napoleon das üble Augsburger Pflaster und die Straßenbeleuchtung gerügt. Damit war die Delegation entlassen. In der Nacht vom 12. auf den 13. Oktober folgte der selbst gekrönte Kaiser und Feldherr seiner Armee, die die Festung Ulm einschloss und 24000 Österreicher gefangen nahm.

Napoleon hielt mehrmals Hof in Augsburg

Bereits am 21. Oktober gegen 22 Uhr langte Napoleon abermals an der Augsburger Bischofsresidenz an. Anderntags gewährte er wiederum einer städtischen Abordnung eine Audienz. Eine Zeit lang hörte er die vom Ratskonsulenten Hoscher in Französisch vorgetragene Rede an. Dieser beweihräucherte den ungeliebten Gast als „größten Helden des Weltalls“ und wollte dann auf die Bedrückungen Augsburgs zu sprechen kommen. Da schnitt ihm der Kaiser das Wort ab und erklärte seine Vorstellungen über Krieg, Schulden, Handel und Bündnisse. Mit dem Satz „Voulez vous être de la Bavière?“ (Wollen Sie bayerisch werden?) deutete Napoleon seine Pläne in Bezug auf Augsburg an.

Am 24. Oktober reiste Napoleon weiter. Eine Augsburger Delegation suchte den Kaiser in seinem Hauptquartier in Mühldorf am Inn auf. Am 30. Oktober empfing er sie, um ihr zu eröffnen, dass Augsburg bayerisch werde. Im Frieden von Pressburg wurde am 26. Dezember 1805 die Aufhebung der Reichsfreiheit besiegelt. Bereits am 21. Dezember hatten 275 bayerische Soldaten überraschend Augsburg besetzt, am 17. Januar 1806 traf das bayerische 3. Infanterieregiment in der nun königlich-bayerischen Stadt ein.

Am selben Tag kam Napoleon zu seinem dritten Kurzbesuch nach Augsburg. Erst am 6. November 1808 wagte der neue bayerische Landesherr, König Max I. Joseph, einen offiziellen Besuch in „seiner“ Stadt am Lech. Die Augsburger zeigten sich royal gesinnt und freundlich gegenüber ihrem König. Dessen Familie suchte sogar Zuflucht in Augsburg, als am 10. April 1809 die Österreicher die bayerischen Grenzen überschritten und in Richtung München zogen.

Augsburg war zu diesem Zeitpunkt wiederum von Franzosen besetzt. Die militärische Situation spitzte sich zu. Napoleon eilte aus Paris herbei und erschien am 16. April in Dillingen. Es folgten die Schlachten bei Abensberg, Siegenburg und Eckmühl. Augsburg hatte Tausende Gefangene und Verwundete zu versorgen. Nach dem Friedensschluss von Schönbrunn am 14. Oktober 1809 kam Napoleon zum vierten und letzten Mal in die Stadt. Der Chronist Karl Jäger schildert diesen Aufenthalt. „Dies geschah am 22. Oktober 1809, ein Viertel nach 12 Uhr nachmittags, unter dem Donner der Kanonen und dem Schalle aller Glocken. Nach Verlauf einer starken Stunde und nach einem bei dem Churfürsten genommenen Gabelfrühstück reiste er ab.“ Der „Churfürst“ war der Augsburger Fürstbischof Clemens Wenzeslaus.

In den Augsburger Kunstsammlungen erinnern Bilder an Napoleon I. Ein Porträt hat einen besonderen Bezug zu Augsburg: Es ist mit „Hortense del. Augsbourg 1822“ signiert. Hortense Eugenie Beauharnais war Napoleons Stieftochter und Ex-Königin von Holland. Sie lebte mit ihrem Sohn, dem späteren Kaiser Napoleon III., von 1817 bis 1822 in Augsburg. Ein weiteres Bild zeigt Napoleon zu Pferd 1805 bei der Vereidigung von Soldaten vor Augsburg. Auch auf Wandtapeten in den Ausstellungsräumen im Schaezlerpalais ist Napoleon I. bildlich präsent.

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