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Schicksal

11.01.2016

Naturbrot vom Weltenbummler

Bild: Annette Zoepf

Der Augsburger Florian Domberger arbeitete als Logistiker in Asien und Amerika. Mit 49 Jahren eröffnet er eine mobile Bäckerei

Mehl, Wasser, Salz und Sauerteig – viel mehr wird für ein Brot eigentlich nicht gebraucht. In Backwaren stecken heutzutage jedoch meist zahlreiche Zusatzstoffe, die die Produkte besser aufgehen lassen und länger haltbar machen. Das ärgert Florian Domberger.

Der gebürtige Augsburger hat sich zum Ziel gesetzt, Teil einer „Brot-Renaissance“ zu sein, wie er sagt. Deshalb fährt der 49-Jährige von Augsburg aus „backend“ quer durch die Republik nach Berlin und bietet Waren basierend auf Natursauerteig an. Dafür nutzt er eine mobile Bäckerei, ein ehemaliges Schweizer Armeefahrzeug.

Ungewöhnlicher Lebenslauf

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Der 49-Jährige ist allerdings kein gelernter Bäcker. Vor zwei Jahren arbeitete Domberger noch im Logistikbereich. Insgesamt war er 18 Jahre lang im Ausland unterwegs. Die Liste seiner Stationen ist lang: Amerika, Hongkong, Indonesien, Australien und die Schweiz. 1966 geboren, wuchs er in Augsburg in einer Unternehmerfamilie auf. Früh fing er an, in der Josef Domberger Möbelspedition zu arbeiten: erst als Packer und Fahrer, dann als Verkäufer und später als leitender Angestellter für Projekte und Lagerlogistik.

Augsburg war ihm zu klein

 „Während eines Praktikums in Kalifornien lernte ich das Ausland kennen. Von da an wurde mir Augsburg zu klein.“ Daher entschied er sich 1995 dagegen, die Firma seines Vaters zu übernehmen. Vielmehr zog es ihn nach Hongkong, wo er für ein weltweit agierendes Logistik-Unternehmen arbeitete. 1999 heiratete er seine Frau Vanessa, eine Malaysierin.

Seine Tochter Charlotte wurde in Australien geboren, wo Domberger ein Management-Studium machte. Zu dieser Zeit entdeckte er allerdings, dass er beruflich etwas ändern wollte. Domberger beschäftigte sich immer leidenschaftlicher mit der Herstellung von naturbelassenem Bier und Brot. „In Melbourne entwickelte ich zum ersten Mal den Plan, eine Bäckerei zu eröffnen.“ Dann erkrankte aber seine Tochter. Aufgrund der besseren Absicherung im Gesundheitssystem beschlossen die Eheleute, wieder nach Deutschland zu gehen. „Wir mussten auf Nummer sicher gehen“, sagt Domberger.

Praktikum in der Bäckerei

Schließlich landete er über Zwischenstationen bei einem Unternehmen im schweizerischen Zug im Einkauf. Zehn Jahre lang arbeitete Domberger in dem Land. Den Plan, eine Bäckerei zu eröffnen, gab er nicht auf. „Zum Glück habe ich eine Frau, die solche Verrücktheiten unterstützt.“

2015 holte er sich bei der Bäckerei Wiese in Eberswalde nordöstlich von Berlin das nötige Fachwissen. Elf Monate dauerte sein Praktikum. Seinen Laden wird er kommenden Sonntag in Berlin Mitte eröffnen. „Wir wollten eine internationale Großstadt haben“, sagt er.

Von Augsburg nach Berlin

Vergangene Woche startete er die Tour mit der Mobilen Bäckerei von Augsburg aus. Für Freunde und Bekannte gab es in der Holzbachstraße Bier, Brot und Leberkäs. Am heutigen Montag bietet Domberger seine Waren auf einem Biomarkt in Wurzen bei Leipzig an. Unterstützt wird er bei der Tour durch Bäckermeister Björn Wiese. Dem gehört der Betrieb, in dem Domberger sein Praktikum gemacht hatte. Beide verbindet inzwischen eine Freundschaft.

Da er keine anerkannte Ausbildung hat, wird Domberger in Berlin Bäcker anstellen und selbst mit seiner Frau im Verkauf arbeiten. Er glaubt aber, durch seine eigene Fortbildung genug Fachwissen gesammelt zu haben. „Damit mir die Bäcker nicht auf der Nase herumtanzen“, sagt er und lacht.

Echte Leidenschaft

In Berlin hofft er, sich durch die Qualität seiner naturbelassenen Produkte von der Konkurrenz abzusetzen. Auch die mobile Bäckerei soll in der Hauptstadt weiterhin unterwegs sein. Bei Festivals und Großveranstaltungen möchte Domberger zeigen, wie Brot handwerklich hergestellt wird. Er sagt immer wieder, dass er sich auf ein Abenteuer einlasse. „Mit 49 vielleicht ein bisschen spät, aber ich will ein eigenes Unternehmen führen – und das macht man am besten mit einem Produkt, für das man eine echte Leidenschaft entwickelt hat.“

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