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Augsburg

07.06.2019

Naturschützer fordern Stopp für Glyphosat in Augsburg

Das Pflanzenschutzmittel Glyphosat bleibt umstritten.
Bild: Patrick Pleul, dpa

Das Unkrautvernichtungsmittel wird auf Bahntrassen gespritzt. Ist das wirklich notwendig? Aus vielen anderen Bereichen in der Stadt wurde das Herbizid bereits verbannt.

Wenn vom Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat die Rede ist, schrillen bei vielen Menschen die Alarmglocken. Und das nicht erst, seit US-Gerichte den Chemiekonzern Bayer wegen der möglichen Krebsrisiken des Pflanzengifts zu hohen Millionenzahlungen verurteilten. In Augsburg fordern Naturschützer nun, den Einsatz von Glyphosat im Stadtgebiet sofort und vollständig zu beenden. Aktueller Anlass: Auf Bahntrassen wird das Mittel gespritzt.

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Der Bund Naturschutz (BN) geht davon aus, dass Glyphosat erst vor kurzem auf dem Schienennetz der Augsburger Localbahn eingesetzt wurde. Christine Kamm von der BN-Ortsgruppe sagt, das abgestorbene Gras entlang der Trasse sei ein typisches Merkmal dafür, dass dieser Unkrautvernichter verwendet wurde. „Die Localbahn hat dieser Tage sogar in Augsburger Naherholungsgebieten und Schutzgebieten sehr großzügig Glyphosat auf ihren Trassen ausgebracht“, so Kamm, beispielsweise in unmittelbarer Nähe der Wertachauen. Auch die Deutsche Bahn wende das umstrittene Mittel in Augsburg an, kritisieren die Naturschützer. Dabei gebe es umweltverträgliche Alternativen, um die Trassen von unerwünschtem Bewuchs freizuhalten.

Localbahn macht Sicherheit geltend

Die Augsburger Localbahn betreibt ein Gleisnetz von etwa 40 Kilometern Länge im Stadtgebiet. Dort rollen vor allem schwere Güterwaggons. Geschäftsführer Michael Mayinger sagt, für das Unternehmen sei der Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln bislang unverzichtbar. „Um die Bahntrassen im Schienennetz der Augsburger Localbahn benutzen zu können und vor allem die Sicherheit der Transporte zu gewährleisten ist es notwendig, diese regelmäßig von Unkraut zu befreien.“ Einmal im Jahr komme ein Pflanzenschutzmittel zum Einsatz. Mayinger betont, dass handelsübliche Pestizide verwendet werden. Diese würden unter strenger Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften und behördlichen Genehmigungen auf den zugelassenen Gleisanlagen durch eine sachkundige Firma ausgebracht.

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Der Geschäftsführer bestätigt nicht explizit, dass Glyphosat zum Einsatz kommt. Doch auch bei der Localbahn verfolgt man die Schadenersatzklagen gegen Bayer in Amerika und die öffentliche Diskussion über dieses Thema. Mayinger sagt, „diese haben wir bereits zum Anlass genommen, um gemeinsam mit unserem Servicedienstleister eine ergebnisoffene Bewertung der Konzepte zur Unkrautvermeidung an den Bahntrassen zu führen.“

Ende März hatte ein Gerichtsurteil in den USA zu Glyphosat international für Schlagzeilen gesorgt. Am Bundesbezirksgericht in San Francisco entschied die Geschworenen-Jury, dass die Bayer-Tochter Monsanto für Krebsrisiken des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup haftbar ist und dem Kläger Edwin Hardeman Schadensersatz in Gesamthöhe von 80,3 Millionen Dollar zahlen muss. Bereits im vergangenen Jahr hatte eine Jury Monsanto in einem anderen Fall zu einer Millionenzahlung verpflichtet. In den USA und auch in Europa gibt es Hunderte weiterer Klagen gegen Monsanto wegen möglicher Gesundheitsschäden.

Stadtwerke setzen Heißdampfgerät ein

In Deutschland ist Glyphosat nach wie vor als Unkrautvernichtungsmittel zugelassen. Die Deutsche Bahn setzt das Mittel und andere zugelassene Herbizide auf ihren Trassen ebenfalls ein. Auch dort teilt ein Sprecher mit, die Vegetationskontrolle sei unverzichtbar für einen sicheren Bahnbetrieb. Wuchernde Pflanzen könnten beispielsweise Signale verdecken oder die Funktion des Schotterbetts beeinträchtigen. Fachfirmen würden die Mittel nach strengen Kriterien im Auftrag der Bahn ausbringen. Glyphosat werde aber nur punktuell und nicht in Schutzgebieten und über offenen Gewässern sowie auf Brücken eingesetzt. Weiter sagt der Bahnsprecher, weder thermische noch mechanische Verfahren seien derzeit eine Alternative zum begrenzten Einsatz von Herbiziden im Gleisbereich.

Ganz anders sieht man das bei den Augsburger Stadtwerken. Dort kommen weder Glyphosat noch sonstige Herbizide oder Spritzmittel zum Einsatz. „Bei der Pflege der Straßenbahntrassen arbeiten wir nachhaltig“, sagt Jürgen Fergg von der Pressestelle. Eine beauftragte Firma rücke unerwünschten Pflanzen im Schottergleis mit einem speziellen Heißdampfgerät zu Leibe. Diese umweltschonende Methode werde bis zu viermal im Jahr angewandt. Auch bei den Rasengleisen verzichten die Stadtwerke auf den Einsatz von Herbiziden oder sonstigen Spritzmitteln. Fergg: „Aus ökologischen Gründen mähen wir ein bis dreimal im Jahr unsere Rasengleisabschnitte, damit die Pflanzen insbesondere an den Rändern auch blühen können.“

Und wie geht man bei der Stadt mit dem Thema Unkrautvernichtung um? Nach Angaben des Umweltreferats ist der Einsatz von Glyphosat und anderen Herbiziden in Kleingartenanlagen und Grabelandflächen bereits seit mehreren Jahren verboten. Das steht in den jeweiligen Pachtverträgen. Hintergrund war damals, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Wirkstoff Glyphosat 2015 als „wahrscheinlich krebserzeugend bei Menschen“ einstufte.

Botanischer Garten verzichtet auf Glyphosat

Laut Umweltreferat werden auch die städtischen Grünanlagen ohne den Einsatz glyphosathaltiger Mittel gepflegt. Auf Herbizide aller Art werde soweit wie irgend möglich verzichtet – zum Schutz von Mitarbeitern, Bürgern und der Natur. Auch im Botanischen Garten werden seit 25 Jahren keine glyphosathaltigen Mittel mehr verwendet. Dort zupfen Mitarbeit das Unkraut von Hand. Wie Christian Hahn vom Umweltreferat erklärt, ist so allerdings der Arbeitsaufwand höher, die Pflanzungen im Botanischen Garten auf ihrem hohen Standard zu halten.

Die Naturschützer fordern nun, die die Augsburger Localbahn dürfe nicht auf ein Verbot von Glyphosat auf deutscher oder europäischer Ebene warten. Das Unternehmen müsse das Spritzen auf den Trassen umgehend beenden – auch um Insekten vor Schaden zu bewahren.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Pflanzengift kann man vermeiden

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Die Diskussion ist geschlossen.

13.06.2019

Typisch Deutsch, man spricht über das Unkraut am Bahndamm, wo das Gift sicher nicht in die Lebensmittel kpommt, das große Problem ist doch, das Getreide und Kartoffel kurz vor der Ernte Tod gespritz werden und damit ist das Gift in den Lebensmittel, da sollte man anfangen und nicht in den Kleingärten oder am Bahndamm. So ist es ja auch mit den Plastiktüten, die machen gerade mal 0,6 % vom Plastiverbrauch aus, oder Strohhalme und Wattestäbchen, das soll aber nicht heißen, das ich gegen das Verbot bin, ich geh mit Stoffbeutel einkaufen.

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11.06.2019

(edit/mod)

Die Localbahn befindet sich zu 25,10 % im Eigentum der Stadtwerke Augsburg und zu jeweils 1 % im Eigentum des Augsburger Verkehrsverbundes bzw. der Stadt Augsburg (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Augsburger_Localbahn)

Die Stadtwerke wiederum ist eine 100%ige Tochter der Stadt Augsburg (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Stadtwerke_Augsburg), womit die Verantwortung nicht unbedingt nur bei der Localbahn zu suchen ist, sondern auch in den Führungsetagen der Stadtwerke sowie bei der Stadt Augsburg.

Nebenbei bemerkt habe ich vor wenigen Jahren den Hasumeister der Wohnbaugruppe Augsburg (Auch eine 100%ige Tochter der Stadt Augsburg) angezeigt, weil er illegal Glyphosat auf versiegelten Flächen ausgebracht hat. Von dieser Anzeige habe ich leider nie wieder etwas gehört. Warum? Das können nur die verantwortlichen Stellen beantworten. #UmeltstadtisteinWitz

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