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Uni Augsburg

13.12.2017

Naturschützer kritisieren den geplanten Medizin-Campus

So könnte einmal der Medizincampus am Klinikum aussehen. Für den Bereich südlich des Klinikums gibt es inzwischen einen Bebauungsplan.
Bild: Nickl & Partner

In Augsburg entsteht ein Medizin-Campus. Doch die Naturschutzallianz kritisiert die Pläne dafür: Der Flächenverbrauch für Gebäude und Parkplätze sei zu hoch.

Die Pläne des Freistaats für den neuen Medizincampus am Augsburger Klinikum machen der Naturschutzallianz Sorgen. Der Zusammenschluss heimischer Umweltorganisationen kritisiert einen zu großen Flächenverbrauch für Gebäude und Parkplätze. Innenminister Joachim Herrmann solle stattdessen in Augsburg ein Zeichen setzen, wie der Freistaat in Zukunft mit der Ressource Boden umgehen will.

"Flächenverbrauch zählt landesweit zu den brennenden Zukunftsproblemen, gerade auch in Augsburg", so der Sprecher der Naturschutzallianz, Günther Groß. Selbst für Wohnungen sei in Augsburg Grund längst Mangelware, weshalb die Stadt bei ihren Planungen bereits auf bislang von einer Bebauung in Ackerflächen im Außenbereich ausweiche. Die Naturschützer sehen bei diesem Thema auch den Freistaat gefordert, insbesondere bei der Planung des neuen Medizin-Campus am Klinikum.

Aus Ihrer Sicht ist es kaum zu vermitteln, dass Grünflächen, die für die Funktion einer großen Klinik eine wichtige Aufgabe erfüllen, zu Parkplätzen umfunktioniert werden sollen. Mit der bislang vorgesehenen Gestaltung werde Auto neben Auto stehen, soweit das Auge reicht, so Groß. Auch bei der Planung der neuen Gebäude sei eine Rücksicht auf den Flächenverbrauch nicht zu erkennen. Dabei biete sich aus Sicht der Naturschützer neben dem bestehenden Klinikumsgebäudes der Bau in die Höhe und nicht in die Fläche an.

Naturschützer kritisieren den geplanten Medizin-Campus

Medizin-Campus in Augsburg: Die Infrastruktur muss stimmen

Im Innenministerium sieht man die Sache anders. Dort verweist man auf die Notwendigkeit, einen funktionierenden Campus zu planen. Neben Forschungs- und Lehrgebäuden seien Flächen für Infrastruktur, Erschließung, Technische Ver- und Entsorgung sowie mögliche Erweiterungsflächen nötig. Für den Neubau der Medizinischen Fakultät bestehe ein Bedarf von etwa 150.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche, der in den kommenden Jahren verwirklicht werden soll. Die Stadt hat in einem Bebauungsplan bereits die Weichen für die mittelfristige Bebauung des Areals um den ehemaligen Hubschrauberlandeplatz und den südöstlichen Teil des Klinikums-Parks gestellt.

Im Bayerischen Innenministerium spricht man mit Blick auf die Pläne von einem ersten städtebaulichen Grobkonzept. Derzeit läuft ein Planungswettbewerb zur Realisierung der ersten beiden Neubauten der medizinischen Fakultät. Er beinhaltet auch einen städtebaulichem Ideenteil für den Gesamtcampus. Ziel sei, die funktional, städtebaulich und architektonisch beste Lösung für diese komplexe Bauaufgabe zu finden.

Bei der Frage der Parkplätze verweist die Sprecherin des Ministeriums auf den städtischen Stellplatzschlüssel, der beachtet werde. Neben oberirdischen Stellplätzen gebe es auch die Möglichkeit, ein Parkdeck an der Virchowstraße sowie Tiefgaragen auf dem gesamten Areal zu errichten. Das Mittel der Wahl hängt vom städtebaulichen Gesamtkonzept und dem jeweiligen Bedarf ab.

Die Stadt setzt in ihrem Bebauungsplan darauf, Autos auf zwei Parkplätzen auf dem Campus sowie auf der dann verkleinerten Fläche des momentanen Mitarbeiterparkplatzes an der Virchowstraße unterzubringen. Hier bestehe aber die Möglichkeit, ein Parkhaus zu bauen. Zudem könnten die Neubauten mit Tiefgaragen ausgestattet werden. Darüber entscheiden muss aber letztlich der Freistaat, der das Areal bebauen wird.

Rund 360 Stellplätze sind geplant

Auf dem Medizin-Campus selbst sollen nach jetziger Planung um die 360 Stellplätze entstehen. Zudem verweist die Stadt darauf, dass der momentan schon zeitweise übervolle Besucherparkplatz mit einem Parkdeck verstärkt werden könnte. Insgesamt baut das Mobilitätskonzept stark auf den öffentlichen Nahverkehr. Auswärtige Studierende sollen am Stadtrand liegende Park-and-ride-Anlagen nutzen und dort auf die Tram umsteigen. Wenn man ausreichend Grün und Freiflächen auf dem Campus haben wolle, könne man nicht massig Parkplätze ausweisen, so Baureferent Gerd Merkle.

Anders als die Umweltschützer argumentieren auch die Nachbarstädte Stadtbergen und Neusäß. Aus ihrer Sicht werden am Klinikum zu wenig Parkplätze für die künftig bis zu 1000 zusätzlichen Mitarbeiter und die im Endausbau 1500 Studenten eingeplant. Sie befürchten, dass Studenten und Mitarbeiter eher in die Straßen angrenzender Wohnviertel ausweichen.

Was den Flächenverbrauch für Gebäude angeht, verweist das Innenministerium auf eine abgestufte Bebauung zwischen dem hohen Klinikumskomplex und der südlich gelegenen Wohnbebauung. Die zulässige Geschossflächenzahl werde deutlich unterschritten. Damit werde eine hohe Freiraumqualität gesichert und die überbaubare Fläche begrenzt. Das Konzept sehe eine Campusanlage vor, die durch drei grüne zentrale Flächen gegliedert werden soll. Für bauliche Eingriffe in die Natur sei ein Ausgleich vorgesehen.

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