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17.03.2009

Neue Anlaufstelle für Demenzkranke

"Wenn wir das gewusst hätten!" Zwei Jahre lang ist es Jens Schneider so gegangen wie vielen Angehörigen. Er hat nicht erkannt, dass viele Verhaltensweisen seiner Schwiegermutter auf eine Demenzerkrankung hinweisen. Er hätte vielleicht früher auf Unterstützungsangebote zurückgreifen können. Diese Erfahrung hat Schneider veranlasst, die Initiative zur Gründung einer Alzheimer-Gesellschaft für Augsburg zu ergreifen. Unterstützt vom Bezirkskrankenhaus soll diese eine zentrale Anlaufstelle für Demenzkranke und deren Angehörige sein.

"Es gibt sehr viele Angebote in der Stadt und der Region im gerontopsychiatrischen Bereich", so Anne Hiedl vom Bezirkskrankenhaus, "aber es fehlen noch die Wegweiser". Die künftige Alzheimer-Gesellschaft wird unter dem Dach der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft stehen, einer Selbsthilfeorganisation, die sich bundesweit für die Verbesserung der Situation von Demenzkranken und ihren Familien einsetzt. Die Idee der regionalen Gesellschaft ist es, so Hiedl, "die Betroffenen durch dieses Unterstützungssystem zu lotsen". Dazu soll ab Mitte des Jahres ein "Alzheimer-Telefon" eingerichtet werden, wo geschulte Ehrenamtliche über Hilfsangebote in der Region informieren.

Frühzeitige Diagnostik wichtig

Deutlich wiesen die Initiatoren vor der Presse darauf hin, dass die Alzheimer-Gesellschaft Augsburg nicht am Aufbau von Parallelstrukturen interessiert ist, sondern sich dafür einsetzen will, "dass die bereits bestehenden Hilfeeinrichtungen schneller und intensiver genutzt werden". Bisher, so hieß es, greifen nur 20 Prozent der Angehörigen auf Hilfe durch ambulante Pflegedienste zurück, weniger als ein Prozent besuchen eine Angehörigengruppe. Die Alzheimer-Gesellschaft tritt für eine frühzeitige Diagnostik und Therapie ein. Nur so können die Erkrankten möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung bleiben.

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"Da waren so viele offene Fragen", berichtet Evelyn Landherr über die Situation, als ihre Mutter vor acht Jahren an Demenz erkrankte. "Gibt es eine Betreuung, wenn ich mal weggehen will? Was zahlt die Pflegeversicherung?" Fragen, auf die sie gerne frühzeitiger Antwort gehabt hätte. Bei der lokalen Alzheimer-Gesellschaft wird auch Jörg Fröhlich, Leiter des Alten- und Pflegeheims St. Afra mitwirken. Er wies darauf hin, dass 60 Prozent der Bewohner eines Altenheims in der Regel an einer Form der Demenz leiden. "Das ist heute der Hauptaufnahmegrund für ein Heim." Oft erlebe er Hilflosigkeit bei den Angehörigen.

Info Im April soll die regionale Alzheimer-Gesellschaft gegründet werden. Im Vorfeld sind Betroffene, Angehörige und Interessierte zu einem Infoabend am Montag, 23. März, um 19 Uhr in den Räumen von PIKASSO Augsburg, Heilig-Kreuz-Straße 22, eingeladen. Neben Vorträgen zum Thema "Alzheimer-Krankheit, Umgang mit Demenzkranken und Versorgungsstrukturen in der Region", ist auch eine Diskussion geplant zu Aufgaben und Zielen der Alzheimer-Gesellschaft.

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