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Augsburg

28.01.2020

Neue App: Augsburger Studenten sagen der Kassenzettelflut den Kampf an

Die neue Kassenbonpflicht hat zur Folge, dass Berge von Papierzetteln im Abfall landen. Studenten aus Augsburg und München wollen das mit einer App ändern.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Berge von Kassenbons sorgen unter anderem in Bäckereien für Ärger. Ein Team von Augsburger und Münchner Studenten tüftelt an einer Lösung, die Papier überflüssig macht.

Es war im Mai vergangenen Jahres, als Student Enis Caliskan eine Kommilitonin an der Uni beobachtete, wie sie einen langen Kassenzettel studierte. Ihm kam die Idee, dass es viel einfacher wäre, alle Kassenzettel auf dem Handy zu haben. Dann könnte man darauf zugreifen, ohne lästige Zettel aufzubewahren. Und nachhaltiger wäre es auch. Nun tüftelt Caliskan zusammen mit einem Studententeam an einer technischen Lösung, die Bergen von Kassenzetteln den Kampf ansagt. Mit der neuen bundesweiten Kassenbonpflicht für Geschäfte hoffen die Studenten auf eine entsprechende Nachfrage.

Der 22-Jährige studiert Software-Engineering, ein kooperativer Masterstudiengang der Universität Augsburg, der Technischen Universität München (TUM) und der Ludwig-Maximilian-Universität München (LMU). Er stellte seine Idee Kommilitonen vor. Alice Rey, Maximilian Kuschewski, Dominik Neu und Daniela Neupert waren schnell überzeugt. Seit Oktober tüfteln die fünf gemeinsam an einer App, die den Kassenzettelbergen ein Ende setzen soll. Dass sie damit durch die neue Kassenbonausgabepflicht ein sehr aktuelles Thema bearbeiten würden, ahnten die Studenten aus Augsburg und München nicht, als sie anfingen, das Projekt „Bill-Beam“ umzusetzen.

Enis Caliskan, Max Kuschewski, Daniela Neupert, Alice Rey und Dominik Neu (von links) wollen Bergen von Kassenzetteln ein Ende setzen.
Bild: Elena Winterhalter


Das neue Kassenbongesetz verpflichtet Händler mit elektronischer Kasse seit Anfang des Jahres dazu, jeden Kassenbon an den Kunden auszuhändigen. Laut Bundesfinanzamt ist es damit „leichter nachprüfbar, ob der Geschäftsvorfall einzeln festgehalten, aufgezeichnet und aufbewahrt wurde“. Nach Schätzungen der Finanzämter verliert der Staat jährlich mehrere Milliarden Euro, weil Unternehmen teilweise durch manipulierte Kassen ihre Umsätze nicht oder falsch erfassen. Aufseiten der Händler entstehen durch die neue Kassenbonpflicht höhere Kosten und vor allem viel Müll. Da Kassenzettel mit sogenannten chemischen Farbentwicklern beschichtet sind, darf das Thermopapier nicht mit dem Altpapier entsorgt werden. Das heißt, seit Januar füllen unzählige Kassenbelege die gelben Säcke.

Uni Augsburg: Studenten wollen Kassenzettel mit einer App digitalisieren

Im Gesetzestext heißt es aber auch, dass der Kassenbon auch digital an den Kunden geschickt werden könne, beispielsweise per E-Mail. „Dieser Zusatz spornte uns noch mal an, unsere App zu verwirklichen“, sagt Enis Caliskan. „Damit könnte man vor allem den Müll reduzieren.“

Das System der fünf Studenten sieht vor, sich mit NFC-Technik, die auch beim kontaktlosen Bezahlen zum Einsatz kommt, zwischen Kassensystem und Drucker zu schalten. Die Daten der Kasse werden umgewandelt. Sobald das Handy eines Kunden in den Bereich des Sensors gehalten wird, landet der Kassenzettel digital in der App.

„Uns war es wichtig, mit unserer Technik so wenig wie möglich in bestehende Systeme einzugreifen“, sagt Maxmilian Kuschewski. Der Schwerpunkt 22-Jährigen liegt auf der NFC-Technik und der Hardware-Entwicklung. „Wir haben die Einzelteile zusammen, sprich die App, die Box, die zwischen Kasse und Drucker geschaltet wird, und die Software. Jetzt müssen wir die Einzelteile nur noch zusammensetzen.“

Das Kassenbon-Projekt der Uni soll im Februar in die Testphase gehen

Im Februar wollen die fünf mit ihrem Projekt in die Testphase gehen – und sie suchen noch Partner, bei denen sie testen können. „Wir dachten zum Beispiel an die Mensa. Da liegen nach der Mittagspause auch massenhaft Zettel auf dem Boden“, sagt Alice Rey. Die Studenten hoffen, dass sich auch noch Unternehmen finden, die Interesse haben, ihre technische Lösung zu testen und so Druck- und Papierkosten zu sparen.

Wenn der Test gut läuft, haben die Studierenden noch viele Ideen, wie sie die App nutzen und weiterentwickeln können – dann auch außerhalb des Uniprojekts. Nach ihren Vorstellungen soll es Statistiken geben, die einem sagen, wovon man wie viel gekauft hat oder wie sich die Preise von Produkten entwickeln. „Natürlich handelt es sich dabei um sehr wertvolle Daten“, sagt Dominik Neu. „Privatsphäre steht für uns aktuell im Fokus, deshalb bleiben die digitalen Einkaufszettel in der App und werden nicht auf Server hochgeladen.“

Auch über die Konkurrenz hat sich die Gruppe informiert. „Es gibt aktuell mehrere Start-ups, die an einer digitalen Variante der Kassenzettel arbeiten“, sagt Neu. „Wir wissen natürlich nicht, was genau die planen. Aber unsere Pluspunkte sind der geringe Installationsaufwand und der Fokus auf der Privatsphäre.“

Lesen Sie dazu auch: Bäcker reagiert mit Kassenbon-Krapfen auf Bonpflicht

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