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Augsburg

05.02.2015

Neue Regel in Augsburg: Rauchen erlaubt, aber nur im Stehen

In der Welserpassage wurde bislang vor den Cafés geraucht. Damit ist es nun vorbei, nur noch Passanten dürfen Rauchen. Die Gäste, die gerne auf eine Zigarette hierher kamen, haben dafür kein Verständnis.
Bild: Silvio Wyszengrad

In zwei Passagen an der Maximilianstraße gibt es neue Raucher-Regeln. Die Wirte fürchten nun Umsatzeinbußen. Und manche Gäste dachten zuerst an einen schlechten Faschingsscherz.

Irgendetwas ist anders. Margit Häuser, Brigitte Brich und Ursula Puritscher treffen sich oft im Café Sorrento in der Welserpassage. Bisher durften sie dabei auch rauchen. Das ist seit dieser Woche nicht mehr so. Sie müssen dazu jetzt aufstehen. Ausdrücken müssen sie ihre Zigaretten dann in einem Aschenbecher, den der Wirt auf einem Barhocker am Eingang des Durchgangs an der Maximilianstraße aufgestellt hat.

Hintergrund ist eine Anordnung das Ordnungsamtes. Denn Rauchen ist in der Passage zwar grundsätzlich weiterhin erlaubt. Doch das gilt nur für Passanten, die sich dort aufhalten oder durchgehen. An den Tischen von Lokalen, die in der Passage stehen, ist Qualmen jetzt verboten. Gerd Hüngerl, der selbst einmal zur Fraktion der Raucher zählte, die Fronten aber schon vor langer Zeit gewechselt hat, fällt zur neuen Regelung nur ein Wort ein: „Hirnrissig!“ Wie häufig am Vormittag kommt er zum Café Sorrento, um sich mit Freunden und Bekannten zu treffen, sich zu unterhalten und über die aktuelle Nachrichtenlage zu diskutieren.

Auch Markus Kremer ist da. Als Stammgast kann er über die neuesten Gegebenheiten in der Passage nur müde lächeln. „Ich darf zwar rauchen“, sagt er kopfschüttelnd, „aber bitte im Stehen.“ Das verstehe, wer will, meint er. Er weiß, dass viele Gäste gerade deshalb gerne hierher kamen, weil sie zu ihrem Café Latte noch rauchen durften.

Neue Regel in Augsburg: Rauchen erlaubt, aber nur im Stehen

Ein Faschingsscherz?

Einige fragen sich, ob es sich um einen Faschingsscherz handelt – einen schlechten noch dazu. Denn wo unter normalen Umständen alle Tische belegt waren, ist es jetzt nachmittags gähnend leer. Babsi, die die Bestellungen der Besucher aufnimmt, schwant Übles: Sie habe keine Lust, sich schon wieder einen neuen Job suchen zu müssen. Denn dass das Rauchverbot negative wirtschaftliche Folgen für ihren Arbeitgeber hat, ist offensichtlich.

Leidtragender des Rauchverbots an seinen Tischen im „Freien“ der Passage ist auch Jörg Hicker, Wirt der „Ansprechbar“. Wer seine Zigarettenschachtel auspacken wollte, nahm bislang auch bei ihm vor dem Lokal in der Passage Platz. Manfred Augustin, Inhaber des gleichnamigen Kaffee- und Tee-Fachgeschäfts in der ebenfalls betroffenen Maxpassage nebenan, spricht von einer „Farce“. Bei ihm habe sich noch niemand wegen des Rauchens beschwert. Jedoch ist er sich sicher, dass mancher Kunde wegbleibt, wenn es ihm nun untersagt wird. Und es könne doch nicht sein, dass jemand mit einer brennenden Zigarette durchmarschieren darf, beim Konsumieren eines Kaffees am Tisch aber daran gehindert wird.

Die Stadt musste auf eine Beschwerde reagieren

Obwohl selbst Raucher, muss sich nun der städtische Ordnungsreferent Dirk Wurm (SPD) mit der Angelegenheit befassen. Hintergrund ist eine Beschwerde, die kürzlich bei der Stadt einging. Die Crux: Ob man will oder nicht, müsse man als Ordnungsorgan auf die Beschwerde reagieren. Denn das Rauchverbot gehe auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2011 zurück. Richter haben festgelegt: Plätze von Cafés in Passagen gelten nicht als Außengastronomie, auch wenn die Passagen offene Ein- und Ausgänge haben. Damit gilt hier Rauchverbot. Wer aber als Passant durch die Passage geht, dem darf man die Zigarette nicht verbieten. Wie so oft galt aber bislang: „Wo kein Kläger, da kein Richter.“

Dass in den Lokalen schon seit einiger Zeit nicht mehr geraucht werden darf, das halten auch Margit Häuser und ihre Bekannten für angenehm. Mehr Toleranz würden sie sich hingegen in einer luftigen Passage wünschen.

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