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Augsburg

15.05.2020

Neuem Fuggerexpress-Betreiber Go Ahead fehlen die Lokführer

Mit solchen Triebwagen will der private Bahnbetreiber Go Ahead ab Ende des Jahres 2022 den Betrieb im Augsburger Fuggerexpress-Netz aufnehmen.
Bild: Go Ahead (Illustration)

Plus Der private Bahnbetreiber Go Ahead wird in zweieinhalb Jahren große Teile des Bahnverkehrs um Augsburg übernehmen. Nötig sind dafür 140 Lokführer, doch die sind rar.

Zweieinhalb Jahre vor dem Betriebsstart sucht das Bahn-Unternehmen Go Ahead, das Ende 2022 das Fuggerexpress-Netz der Deutschen Bahn übernehmen wird, weiter nach Lokführern. Im Augsburger Netz werden insgesamt rund 140 Lokführer benötigt, ebenso viele Zugbegleiter. Bastian Goßner, kaufmännischer Geschäftsleiter von Go Ahead Bayern, ist dennoch zuversichtlich: „Wir gehen davon aus, bis zum Betriebsstart genug Leute zu haben, suchen aber weiterhin.“

Die Personalfindung gilt bei der Übernahme von Bahnnetzen inzwischen als größter Knackpunkt. Als die Bayerische Regiobahn vor einem guten Jahr die Strecken Richtung Schwabmünchen und Landsberg übernahm, knirschte es anfangs erst einmal mächtig, weil die BRB mit Personalengpässen zu kämpfen hatte. Go Ahead hofft, das Personal zügig zusammenzubekommen.

Bastian Goßner.
Bild: Go Ahead/Winfried Karg

Lokführer fehlen in der gesamten Bahn-Branche

Einfach ist das allerdings nicht. „Lokführermangel ist in der ganzen Branche ein Problem. Bundesweit fehlen etwa 1000 Lokführer“, sagt Goßner, der zusammen mit etwa 15 Kollegen inzwischen ein Büro in der Ludwigstraße in Augsburg bezogen hat. Den Bedarf mit Übernahme von DB-Regio-Mitarbeitern decken zu können, sei nicht realistisch. Ein großer Teil der DB-Lokführer, das hatte sich bereits angedeutet, will wohl im Unternehmen bleiben und nicht wechseln. Wenn ein Eisenbahnunternehmen heute bei einer Ausschreibung ein Netz verliere, so sei das dadurch frei werdende Personal an anderer Stelle in der Firma meist willkommen, sagt Bastian Goßner.

Neuem Fuggerexpress-Betreiber Go Ahead fehlen die Lokführer

Go Ahead hat inzwischen mit der einjährigen Ausbildung von Lokführern begonnen. Aufgrund der Corona-Krise sei man etwas in Verzug, weil die Schulungen unterbrochen werden mussten. Inzwischen gehe es aber weiter. Im Juni soll der dritte Lehrgang mit 15 Teilnehmern starten. Unter anderem beim Computerhersteller Fujitsu, der sein Augsburger Werk im Herbst stilllegen will, werbe man um Mitarbeiter. „Wir nehmen auch gerne ältere Mitarbeiter Mitte 50. Unsere Arme sind offen“, sagt Goßner. Man biete sichere Arbeitsplätze, weil der Verkehrsvertrag mit dem Freistaat bis 2034 laufe.

Neuer Fuggerexpress: Go Ahead übernimmt Strecken rund um Augsburg

Auch bei der Fahrzeugbeschaffung ist Go Ahead den Angaben zufolge im Zeitplan. Das Unternehmen will mit Triebzügen von Siemens an den Start gehen. Man gehe davon aus, dass der Liefertermin eingehalten werden könne. Bei Zügen des Herstellers Stadler, die Go Ahead ab Ende 2021 im Allgäu in Betrieb nehmen möchte, gebe es aktuell coronabedingt Lieferschwierigkeiten mit Klimaanlagen aus Spanien. „Wir haben im Lieferplan aber genug Puffer eingebaut“, sagt Goßner. Neben dem Bahnhof in Gablingen im Kreis Augsburg will Go Ahead zudem ein Betriebswerk errichten. Im Sommer erwarte man die Baugenehmigung der Regierung von Oberbayern, das Unternehmen kalkuliert mit einem Dreivierteljahr Bauzeit. In der Werkstatt sollen 20 bis 30 Beschäftigte Arbeit finden.

Was an Änderungen für die Fahrgäste ab 2022 ansteht, ist noch offen. Eine Hoffnung ist, dass Züge pünktlicher fahren, weil der Freistaat in der Ausschreibung einige Änderungen gegenüber dem jetzigen Konzept wünschte. Für die Zugwenden in München muss mehr Zeit eingeplant werden, damit es einen Puffer gibt – und verspätete Züge nicht gleich mit Folgeverspätung zurückfahren. Zudem hat der Freistaat mehr Fahrzeuge bewilligt, sodass es eine größere Reserve gibt, als sie der DB momentan finanziert wird. Auch werden in Augsburg künftig weniger aus Donauwörth und Dinkelscherben ankommende Triebwagen zu einem Zug Richtung München zusammengefügt. Das sorgt für mehr Pünktlichkeit. Es kann für einen Teil der Fahrgäste, die schon vor Augsburg eingestiegen sind, aber bedeuten, dass aus einer kleinen Verspätung eine große wird, wenn sie den nächsten Zug nach München abwarten müssen.

Lässt sich die Pünktlichkeit der Züge verbessern?

Überstrahlt wird das alles aber davon, dass mit der Inbetriebnahme des Großprojekts Stuttgart 21 mehr Fernzüge auf der Strecke Richtung Ulm fahren werden. Der Nahverkehr wird dann in Bahnhöfen häufiger aufs Wartegleis gedrängt, weil Fernzüge Vorfahrt haben. Verspätungen im Fernverkehr werden dann auch den Nahverkehr durcheinanderwirbeln. Änderung ist auf die Schnelle nicht in Sicht – bis die Kapazitäten nach Ulm erweitert werden, wird es Jahre dauern. Noch ist nicht mal klar, ob die Bestandsstrecke erweitert wird („Drittes Gleis“) oder ob die Bahn eine neue Fernverkehrstrasse entlang der A8 baut, die Nahverkehrs-kapazitäten auf der bisherigen Strecke schafft. Zudem, sagt Goßner, bleibe der Augsburger Hauptbahnhof ein Nadelöhr. Wie berichtet will die DB nach Fertigstellung des Bahnhofstunnels durch die Stadtwerke den Bahnhof oberirdisch modernisieren, etwa was die Bahnsteigdächer betrifft.

Goßner, der Vorstandsmitglied des Tarifverbandes der Eisenbahnen ist und dort als Sprecher der privaten Bahnen fungiert, sagt, dass die Corona-Krise die ganze Branche hart treffe. Es drohten Liquiditätsengpässe für alle Unternehmen, die die Fahrpläne auch im Shutdown weitgehend aufrecht erhielten, gleichzeitig aber bis zu 90 Prozent weniger Einnahmen durch Fahrkartenverkäufe hatten. „Es ist auch ein Bahngipfel nötig, nicht nur ein Autogipfel“, ist Goßner überzeugt.

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