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Augsburg

25.05.2018

Neuer Quartiersmanager: Er will auf die Menschen in Oberhausen zugehen

Mit dem Fahrrad ist Bernd Rebstein zu seinen Terminen unterwegs und erkundet den Stadtteil Oberhausen. Besonders gut gefällt es ihm in den Hettenbach-Anlagen.
Bild: Annette Zoepf

Bernd Rebstein ist der neue Quartiersmanager im Stadtteil. Er soll sich um Familien kümmern. Warum es den promovierten Soziologen auf die Straße zieht.

Im Büro von Bernd Rebstein fallen dem Besucher zwei Dinge auf: An der Wand hängt eine riesige Liste mit Kontaktadressen, auf seinem tipptopp aufgeräumten Schreibtisch stehen Fotos von seinen vier Kindern – das fünfte ist unterwegs. Als Familienmensch ist der 37-Jährige nah dran an der Gruppe, der sein besonderes Augenmerk gilt. Als Quartiersmanager für Oberhausen soll er – so Sozialreferent Stefan Kiefer – „die Strukturen im Stadtteil stärken und gute Rahmenbedingungen für Familien und Nachbarschaften schaffen.“ Anfang April hat er die neu geschaffene Stelle bei der Stadt angetreten.

Nicht hinter dem Schreibtisch verschanzen

Dass Rebstein mit einem vergleichsweise kleinen Büro in den Räumen des Sozialdienstes an der Donauwörther Straße auskommen muss, ist nicht schlimm. Der Soziologe will sich ohnehin nicht hinterm Schreibtisch verschanzen, sondern zu den Leuten gehen – „auch zu den Menschen auf der Straße“, wie er betont.

In den ersten Wochen hat er bereits Kontakte zu Oberhauser Einrichtungen, Vereinen und Gruppierungen geknüpft. Rebstein weiß, dass es im Stadtteil viele Angebote im sozialen Bereich gibt, die gute Arbeit leisten. Seine Aufgabe sei es daher nicht, das Rad neu zu erfinden, sondern „Feinjustierungen“ vorzunehmen, um Angebote beziehungsweise Menschen zueinander zu bringen.

Neuer Quartiersmanager: Er will auf die Menschen in Oberhausen zugehen

Was lockt einen promovierten Kultursoziologen, der sich fast zehn Jahre lang an der Uni Bayreuth mit Themen wie soziale Ungleichheit und Migration befasst hat, nach Oberhausen? Ganz einfach: „Ich möchte die Theorie in der Praxis anwenden.“ Speziell in Augsburg habe er sich nach entsprechenden Aufgaben umgeschaut, weil er die Stadt von seinem Studium in guter Erinnerung habe. „Die Stelle als Quartiersmanager kam da gerade zur rechten Zeit“, freut sich der 37-Jährige.

Dem Süchtigentreff Zeit lassen

Dass es im multikulturellen Oberhausen mehr soziale Probleme als in manch anderem Stadtteil gibt, ist dem Familienvater, der aus Friedrichshafen am Bodensee stammt, bewusst. „Wegen dieser Probleme bin ich ja auch hier.“ Trotzdem sei Oberhausen besser als sein Ruf und habe auch schöne Seiten wie etwa die Grünanlage am Hettenbach, die er auch gerne mit dem Fahrrad aufsucht, oder den Wertachuferweg. Der Helmut-Haller-Platz, für viele Oberhauser aufgrund der dortigen Drogen- und Alkoholikerszene der Inbegriff des sozialen Brennpunkts, ist Rebstein vertraut. Er ist überzeugt, dass der künftige Süchtigentreff in der Branderstraße dazu beitragen wird, die Situation zu verbessern. Man müsse dem Ganzen nur Zeit lassen.

Zeit will auch er sich nehmen, um seinen Stadtteil und die Akteure kennenzulernen. Hilfe erfährt er dabei von den bisherigen Quartiersmanagern Heike Skok und Jan Weber-Ebnet, die im Rahmen des Förderprogramms Soziale Stadt für Oberhausen zuständig waren und jetzt noch im Viertel Rechts der Wertach tätig sind. „Ich bin beeindruckt, was die beiden auf die Beine gestellt haben.“

Rebsteins Stelle ist nicht an ein befristetes Projekt geknüpft, das Quartiersmanagement wurde zudem vom Bau- ins Sozialreferat verlagert. Im Quartier soll sich der neue Mann nach den Vorstellungen Kiefers „mit den örtlichen Akteuren vernetzen und zunächst an die vorhandenen Projekte andocken, damit diese erhalten bleiben beziehungsweise weiter wachsen“.

Sprechstunden im Drei-Auen-Bildungshaus

Wichtig ist es dem Soziologen zudem, auf die Menschen zuzugehen. Die Ferien ausgenommen, bietet Rebstein jede Woche Sprechstunden für alle im Drei-Auen-Bildungshaus an, und zwar Dienstag von 16 bis 18 Uhr und Mittwoch von 7.30 bis 10 Uhr.

Freilich hat er auch die eine oder andere Idee für Oberhausen wie etwa „einen Stadtteilrat als bürgerschaftliches Entscheidungsgremium“ – vorausgesetzt, die Menschen wollen das überhaupt. „Ich kann nicht die Welt verändern“, sagt der neue Quartiersmanager. Er wolle jedoch dazu beitragen, dass möglichst viele Menschen ein gutes Leben führen können. Auch die, die sozial schwach seien.

Schwierige Wohnungssuche

Ein Problem, mit dem mittlerweile alle Schichten zu kämpfen haben, hat der Soziologe am eigenen Leib erlebt. Die Suche nach einer Wohnung sei extrem schwierig gewesen. Jetzt habe die Familie etwas Passendes gefunden. In Oberhausen? Rebstein schüttelt den Kopf. „Nein, das nicht. Ich könnte mir aber vorstellen, dort zu leben.“ Diese Aussage nimmt man dem 37-Jährigen gerne ab.

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