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Augsburg

14.09.2016

Neues Projekt in Augsburg: Gemeinsam günstig wohnen

Für dieses Gebäude in der Nähe des Eisstadions hat der Verein „Unser Haus“ das Vorkaufsrecht.
Foto: Unser Haus

Die Mieten steigen und steigen. Der Verein "Unser Haus" will das für seine Mitglieder ändern. Sie wollen ein Haus kaufen und sich selbst dort einmieten. Wie funktioniert das?

Der Traum von der eigenen Immobilie ist für eine Gruppe Augsburger zum Greifen nahe. Sie haben das Vorkaufsrecht für ein Gebäude in der Nähe des Bürgerbüros an der Blauen Kappe erhalten. Das wäre nicht weiter erwähnenswert, wollten nicht alle Beteiligten hinterher Mieter bleiben. Genau das ist die Idee des Vereins „Unser Haus“, den sie ins Leben gerufen haben. Es geht ihnen darum, dauerhaft günstigen Wohnraum zu sichern. „Der wird in Augsburg immer knapper“, sagt Peter; die Nachnamen wollen die Gruppenmitglieder außen vor lassen – niemand will im Mittelpunkt stehen. Das Ziel: Ihre Miete soll hingegen stabil bleiben, vielleicht auf lange Sicht sogar sinken.

Die Idee: Sie erwerben gemeinsam ein Haus, werden damit aber nicht zum Eigentümer. Das gehört dann zwei Gesellschaftern: ihrem Verein und dem Mietshäuser Syndikat. Dahinter verbirgt sich der Zusammenschluss von mehr als 100 solcher gemeinschaftlicher Wohnprojekte in Deutschland. Zehn bis 15 Personen sollen in dem Augsburger Wohnprojekt künftig leben. Es werden noch Mitbewohner gesucht. Weil die Immobilie, die ein Vorderhaus und ein Hinterhaus hat, saniert werden muss, veranschlagen sie die zu erwartenden Kosten mit einer Million Euro. Die sollen über die Jahre durch die Mieteinnahmen abgezahlt werden. Eine Bank, die bereit ist, das Projekt zu finanzieren, gibt es auch bereits. „Wir haben jetzt eine Kaltmiete von 8,35 Euro je Quadratmeter veranschlagt, vermutlich wird es aber billiger“, sagt Steffi. Allein, dass sie die Dämmung der Fassade erst einmal verschieben, sorge dafür, dass sich die Gesamtsumme verringere, ergänzt sie.

So sollen die Wohnungen aussehen

Die Augsburger wollen damit verhindern, dass es ihnen ergeht wie anderen Projekten, bei denen das Thema Eigenleistung zu optimistisch eingeschätzt wurde und die Beteiligten am Ende scheiterten. Sie haben zudem einen Bauantrag für das Hinterhaus gestellt, da nicht zweifelsfrei klar ist, ob Wohnnutzung dort wirklich zugelassen ist. Der hintere Teil ist zudem in einem Zustand, der eine Kernsanierung erfordert. „Wir werden auch die Raumstruktur in den Gebäuden verändern. Wir wollen keine Durchgangszimmer und trotz des Gemeinschaftsgedankens Wohnungen schaffen, in die sich Einzelpersonen oder Familien zurückziehen können“, sagt Steffi. Sie weist damit auch auf das Selbstverständnis des Vereins hin: Sie sehen sich als bunte Solidargemeinschaft, die Probleme einvernehmlich ausdiskutiert, auch wenn die Lösungsfindung länger dauert.

Die Augsburger wollen sich dem sogenannten „Mietshäuser Syndikat“ anschließen, von dessen Erfahrungen mit ähnlichen Projekten sie bereits profitierten. Um beim „Mietshäuser Syndikat“ aufgenommen zu werden, muss das Wohnprojekt neben einem überzeugenden Konzept auch 12 500 Euro Eigenkapital einbringen. Dieselbe Summe gibt das Syndikat noch einmal als Anschubfinanzierung dazu, um diese Form des gemeinschaftlichen Wohnens voranzutreiben. Es gibt unter den Projekten eine Umlage. Das Syndikat wird durch den Zuschuss zum Gesellschafter einer gegründeten GmbH, mischt sich in die Angelegenheiten von „Unser Haus“ nur ein, wenn grundlegende Fragen wie ein Verkauf des Hauses im Raum stehen. Soll die Immobilie wiederverkauft werden, müssen beide Gesellschafter zustimmen.

Sind niedrigere Zinsen möglich?

Auch wenn die Bank einen Zinssatz deutlich unter zwei Prozent angeboten hat, hoffen die Mitglieder des Vereins, dass sie noch bessere Konditionen aushandeln können. „Die Idee des Mietshäuser Syndikats ist es, möglichst viele Direktkredite einzusammeln und möglichst wenig von den Banken zu benötigen. Wir hoffen, dass sich mehr Menschen finden, die mitmachen. Bislang sind es vor allem Verwandte und Bekannte“, sagt Peter. Deswegen stellen sie heute im Zeughaus ihr Projekt genauer vor. Auch der bisherige Besitzer der Immobilie überlegt laut Steffi, ob er einen Direktkredit gibt. Die wertet die Bank wie Eigenkapital, weil sie im Falle von Zahlungsschwierigkeiten erst dann bedient werden, wenn die Forderungen der Bank beglichen sind.

Infos Wer mit der Gruppe ins Gespräch kommen will, hat dazu am Mittwoch, 14. September, um 19.30 Uhr im Hollsaal A (Zimmer 112a) Gelegenheit. Weitere Informationen im Internet unter: https://unserhausev.wordpress.com.

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Die Diskussion ist geschlossen.

15.09.2016

Hallo Peter P. ,

gerne versuch ich ein paar ihrer Fragen/Anmerkungen zu kommentieren bzw. zu beantworten:

Bzgl. Dämmung:

Selbstverständlich wäre eine Dämmung eine Angelegenheit die zum Einen in puncto Nachhaltigkeit und zum anderen ganz pragmatisch im Sinne einer Heizkostenersparnis erwünschenswert wäre! Wie beschrieben ist diese auch nicht ausgeschlossen, sondern muss aufgrund der eher schwierigen Anfangsfinanzierung zunächst auf Zeiten verschoben werden, in dem das Projekt wieder großeren Finanzierungsspielraum hat. Wir reden hier über ca. 100k € welche eben gerade am Anfang nicht leicht zu generieren sind! So gibt es eben bestimmte Arbeiten die problemlos im Nachhinein durchgeführt werden können und außerdem zum jetztigen Zeitpunkt nicht zwingend Notwendig sind und von daher ersteinmal außen vor bleiben müssen! (Außerdem handelt es sich hierbei um Altbauten, bei denen noch nicht gesagt ist das sich eine Außendämmung tatsächlich im gleichen Maße auszahlen würde wie in neueren Bauwerken...)

Die Frage nach der Miete:

Die angegebene Miete wäre wie gesagt das Maximum! Die Durschnitts-Mieten werden Quellübergreifend in Innenstadtlage, gerade bei den kleineren Wohneinheiten bei mitlerweile gut über 10 € den qm angegeben! Somit wäre die Miete im Projekt in jedem Falle von Anfang an günstiger als der Durschnitt! Viel wichtiger ist aber: Da das Projekt nach Etablierung komplett dem Markt entzogen ist, wird die Miete nicht durch die von Profitinteresse ausgelöste Preiserhöhungsspirale mitgezogen. Sprich es bleibt stabil und günstig während der Mietspiegel weiter steigen wird... Was den Verweis auf die WBG angeht: Es ist sehr gut möglich das die WBG mit ihren Möglichkeiten dauerhaft eine günstigere Durschnittsmiete im Gesamtverbund erreicht als dieses Projekt! Staatlicher sozialer Wohnungsbau ist wichtig und gut, geht aber leider vergleichsweise über die Jahre immer weiter zurück... schon jetzt stehen ca. 5000 Menschen auf den Wartelisten der WBG, sprich hier ist bei weitem kein Bedarf gedeckt! Weiter muss man bei der günstigen Durschnittsmiete der WGB bedenken das diese eine Menge Wohnanlagen in der "Peripherie" der Stadt besitzt, so kann diese Zahl auch schlecht mit einem einzigen Wohnprojekt in Innenstadtlage verglichen werden...

Selbstbestimmung trotz Mietvertrag:

Einen erheblichen Unterschied und Vorteil zur WBG oder ähnlichen Gesellschaften gibt es nun doch: Ergattert man eine günstige Wohnung in diesen bleibt man als Mieter*in absolut den Weisungen der Vermietung unterworfen. Selbstverständlich haben auch die Menschen die in einem Projekt nach dem Mietshäuser Syndikat wohnen einen ganz reguleren Mietvertrag. Zugleich fällt ihnen aber auch die Rolle der Vermietung zu: Der Hausverein in dem alle Bewohner*innen des Projekts partizipieren trifft im Konsensprinzip die Entscheidungen rund um das Haus... Es wird sich also eben nicht einem Mietvertrag "unterworfen"... Und ja "Eigenleistungen" bedeutet in diesem Zusammenhang das die Bewohner*innen auch an der Entscheidungsfindung das Haus betreffend und dessen Gestalltung beteiligt sind, ich denke das dürfte eine angenehme zu erbringende "Eigenleistung" sein ;) Das hat auch etwas mit dem Gedanken zu tun sich von unten selbst zu organisieren und an Lösungen und alternativen Ideen zu arbeiten...

Freundliche Grüße und danke für die Erfolgswünsche!

Ps: Warum das ganze jetzt eine "linksgrüne Wirklichkeit" und nicht einfach eine durch Zusammenarbeit mit Architekt*innen und erfahrenen anderen Projekten ganz pragmatische,nüchterne und professionelle Herangehensweise seien soll, erschließt sich mir am Ende überhaupt nicht!

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17.09.2016

Danke für die Erläuterungen!

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Meine Aussage "linksgrüne Wirklichkeit" leitet sich aus der Aussage einer "ökologischen" Geldanlage per Direktkredit

https://www.syndikat.org/de/direktkredite/

und dem ja eigentumsfernen/linken/sozialistischen (was nicht gefällt streichen) Grundansatz des Modells ab.

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Die Grundproblematik, dass sich gesetzlich und tlw. gesellschaftlich geforderte Energiesparmaßnahmen zusehens von einer wirtschaftlichen Rentabilität absetzen, führt halt zu solchen Entscheidungen. Mir gefällt es, wenn man dann Handeln und Prinzip in Übereinklang bringt und nicht von anderen etwas verlangt was man selbst nicht leistet. Insofern ist für mich auch jeder mit 0815 Russen-Gasheizung ohne Solardings akzeptiert.

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Die Entkopplung von der Preiserhöhungsspirale ist m.E. eine Illusion. Langfristig werden sich Unterhalt und Modernisierung nicht von der Preisentwicklung ankoppeln lassen. Dazu gibt es ja auch Regionen, wo es einfach keine Preiserhöhungen gibt. In DU-Marxloh will auch das Syndikat keinen Wohnraum dem Markt entziehen. Sonst ist die Anzahl der Projekte so gering, dass es schlicht keine Marktauswirkung gibt. Und beim Kauf ist dieses Konzept auch Marktteilnehmer wie jeder andere.

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Aber gut, ich will Sie nicht länger aufhalten, Sie haben zu tun...

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14.09.2016

„Wir haben jetzt eine Kaltmiete von 8,35 Euro je Quadratmeter veranschlagt, vermutlich wird es aber billiger“, sagt Steffi. Allein, dass sie die Dämmung der Fassade erst einmal verschieben, sorge dafür, dass sich die Gesamtsumme verringere, ergänzt sie.

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Willkommen in der linksgrünen Wirklichkeit; ohne Dämmung ist es billiger, das haben sich schon andere Bauherren so gedacht.

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Und 8,35 Euro ?

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http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Wo-es-in-Augsburg-bald-guenstige-Mietwohnungen-gibt-id38728062.html

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Die WBG ist auf dem Augsburger Mietmarkt ein gewichtiger Spieler: Mit mehr als 9900 Wohnungen besitzt sie mehr als zehn Prozent aller Mietwohnungen in Augsburg. Die durchschnittliche Miete liegt bei sehr günstigen 5,34 Euro pro Quadratmeter.

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Und dazu noch Eigenleistungen?

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(lt. AZ) Das wäre nicht weiter erwähnenswert, wollten nicht alle Beteiligten hinterher Mieter bleiben.

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https://unserhausev.wordpress.com/ueber-uns/

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Dabei ist uns im Allgemeinen vor allem wichtig: …Dass das Projekt seinen selbstverwalteten und hierarchiefreien Charakter behält, in welchem der potentiellen Mitwirkung aller keine Schranken auferlegt sind. Dabei entscheiden wir fair und gleichberechtigt im Konsensprinzip. Wir möchten selbstbestimmt leben und uns nicht Zwängen wie Eigentum oder Mietvertrag unterwerfen.

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Also doch nicht Mieter? Ich verstehe das nicht...

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Aber trotzdem viel Erfolg!

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14.09.2016

Ich möchte daran Erinnern, dass von unser Haus e.V. morgen einen Vortrag im Zeughaus hält. 19 Uhr Einlass und um 19:30 Uhr gehts los im Hollsaal.Sicherlich interresant für Menschen , Gruppen etc. die überlegen in Augsburg Genossenschaftliche Wohnmodelle oder ähnliches zu organisieren.

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14.09.2016

Das hat doch mit einer Genossenschaft nach deutschem Rechtsbegriff nichts gemeinsam.

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https://unserhausev.wordpress.com/mietshaussyndikat/

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Die Mietshäuser Syndikat GmbH ist ein Verbund von mittlerweile mehr als 100 Hausprojekten. Die Häuser gehören jedoch nicht dem Mietshäuser Syndikat: Jedes Haus gehört einer nur zu diesem Zweck gegründeten GmbH. Deren Gesellschafter sind der jeweilige Hausverein (in unserem Fall Unser Haus e. V.) und das Mietshäuser Syndikat.

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Damit werden doch alle Individualansprüche die ein klassischer Genossenschaftsanteil haben würde ausgeschlossen?!

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