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Augsburg-Stadt

22.04.2015

Neugierige Ziegen sollen Augsburg abgrasen

Ziege bei der Arbeit: Die Tiere sind in artenreichen Grünflächen beim Abgrasen gefragt.
Bild: Nicolas Liebig

Das ist eine mobile Einsatzgruppe der anderen Art: Eine kleine Ziegenherde soll Augsburg abgrasen. Der erste Testlauf ist an dieser Stelle geplant.

Lucky und seine Kumpels sind schon da. Die vier Zwergziegen warten nur noch auf Verstärkung von weiteren Artgenossen. Dann steht der erste große Einsatz bevor: Die mobile Ziegenherde soll ab Sommer kleinere artenreiche Grünflächen in Augsburg abgrasen und sie von unerwünschtem Gestrüpp befreien.

Von einer „Ziegen-Task-Force“, also einer Einsatzgruppe für Biotope spricht Nicolas Liebig beim städtischen Landschaftspflegeverband. Er arbeitet bei diesem Projekt mit dem Augsburger Tierschutzverein zusammen. Die Tierschützer werden eine Herde von bis zu zehn Ziegen stellen, dazu weitere Schafe. Es sollen vorwiegend Tiere aus seltenen Rassen sein, die vom Aussterben bedroht sind. Angeschafft werden beispielsweise Thüringer Waldziegen und Pinzgauer, sagt Sabina Gaßner vom Tierschutzverein, außerdem Coburger Fuchsschafe. Die neue Herde wird auf Gut Morhard in Königsbrunn stationiert. Dort sind Tiere aus der Landwirtschaft ein Schwerpunkt. Die Ziegen sollen in Augsburg dann tageweise vor allem kleinere Biotope abgrasen, die verstreut im Stadtgebiet liegen.

Es sind Flächen, zu denen der Wanderschäfer mit seiner großen Herde nicht hinkommt. Ein weiterer Schäfer ist mit den Ziegen aber nicht unterwegs. Mobile Weidezäune sollen die Tiere zusammen halten, damit sie nicht ausreißen. Auf der Weide werden sie regelmäßig versorgt und überwacht.

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Die angeborene Neugier der Ziegen nutzen

Der Plan ist, bei der mobilen Beweidung die angeborene Neugier der Ziegen zu nutzen. Liebig zufolge, probieren sie aus, was ihnen schmeckt. Dabei fressen sie besonders gerne auch Büsche ab, die sich unerwünscht auf wertvollen Grünflächen ausbreiten.

Der erste Testlauf ist auf dem Magerrasen beim Landesamt für Umwelt in Haunstetten geplant. Dort gibt es besonders viele seltene Tier- und Pflanzenarten. Sie sollen von der natürlichen Beweidung profizieren. „Die große Herausforderung für uns ist, ob es klappt“, sagt Liebig.

Er ist überzeugt, dass die mobile Ziegenherde neben den Wildpferden im Stadtwald eine weitere große Attraktion wird. Als großes Ziel nennt er, unter dem Motto „Weidestadt Augsburg“ Fördermittel aus dem Bayerischen Naturschutzfonds zu beantragen.

Der Tierschutzverein möchte mit dem Projekt auch ein Zeichen gegen Massentierhaltung und deren Auswüchse setzen. „Wir können damit zeigen, was gute Tierhaltung für die Natur bedeutet,“ sagt Gaßner angesichts wachsender Probleme in der Landwirtschaft durch übermäßigen Medikamenteneinsatz oder durch die Gülleschwemme.

In anderen Regionen haben sich mobile Ziegenherden schon bewährt. Sie weiden beispielsweise in den Weinbergen im Würzburger Raum. Allerdings war manchen Weinbauern der Appetit der Tiere dann doch zu groß. Einige Ziegen hatten unerlaubt an jungen Weintrieben geknabbert.

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