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Augsburg

04.06.2016

Neun Jahre Haft für Drogenhandel in Asylheim

Ein Hauptbelastungszeuge in dem Fall ist abgetaucht, weil ihm die Abschiebung droht.
Bild: Symbolfoto Alexander Kaya

Das Landgericht Augsburg verurteilt einen 39-Jährigen, weil er rund 35 Kilo Marihuana verkauft hat.  Warum er wohl trotzdem nicht abgeschoben wird.

Es ist ein Urteil, das abschreckt: Das Augsburger Landgericht hat in dieser Woche einen 39-jährigen Asylbewerber wegen Drogenhandels zu einer Gefängnisstrafe von neun Jahren verurteilt. Er soll, so das Urteil, insgesamt rund 35 Kilogramm Marihuana besorgt, nach Augsburg gebracht und hier in einer Unterkunft in der Proviantbachstraße an andere Asylbewerber weiterverkauft haben. Den Ermittlungen der Polizei zufolge kamen vor allem Jugendliche in das Asylheim, um sich dort mit der Droge einzudecken.

Der jetzt verurteilte 39-Jährige gehört zu einer Gruppe von überwiegend aus Nordafrika stammenden Asylbewerbern, die bereits im vergangenen Jahr ins Visier der Polizei geraten sind. Mehrere Beschuldigte wurden inzwischen zu Haftstrafen verurteilt. Das Urteil gegen den 39-Jährigen, der angibt aus Algerien zu stammen, ist bis jetzt das Härteste. Er soll eine Schlüsselfigur bei den Drogengeschäften gewesen sein. Das sagte ein Ermittler der Kriminalpolizei in dem Prozess vor der ersten Strafkammer aus.

Einkaufsfahrten bis nach Frankreich

Demnach fuhr der 39-Jährige regelmäßig nach Frankfurt und teils auch bis nach Frankreich, um Marihuana zu kaufen. Er nutzte dafür den Ermittlungen zufolge in der Regel einen Mietwagen. Das Marihuana gab er an Bewohner der Unterkunft in der Proviantbachstraße weiter. Die packten den Stoff in einem Zimmer des Heimes in kleine Portionen für den Verkauf um. Es gibt Fotos in den Ermittlungsakten, welche Plastiktüten mit der Droge und kleine Alupäckchen zeigen. Der Verkauf fand laut Polizei überwiegend abends und nachts statt. Zu Zeiten, in denen es in dem Heim keine Aufsicht gibt. Ein Junge, der sich die Droge besorgte, soll nach Angaben eines Zeugen gerade einmal 13 Jahre alt gewesen ein.

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Die Unterkunft in der Proviantbachstraße war den Ermittlungen zufolge nicht die einzige, in denen man Drogen kaufen konnte. Auch in einem Heim in der Calmbergstraße, direkt neben dem Polizeipräsidium, sollen Drogengeschäfte abgewickelt worden sein. Eltern des nahe gelegenen Anna-Gymnasiums hatten sich deswegen bei der Polizei gemeldet.

Der Belastungszeuge ist abgetaucht

Ein Problem für die Staatsanwaltschaft ist: Ein Hauptbelastungszeuge in dem Fall ist abgetaucht, weil ihm die Abschiebung droht. Der Mann aus Albanien hatte aber im vorigen Jahr gegenüber einer Ermittlungsrichterin des Amtsgerichts umfassend ausgesagt. In dem Fall, der jetzt vor dem Landgericht verhandelt wurde, gab es auch noch weitere Zeugenaussagen, die den Angeklagten belasteten. Die Vorwürfe aus der Anklageschrift hätten sich größtenteils bestätigt, sagte der Vorsitzende Richter Claus Pätzel. Das Urteil lag deshalb nur knapp unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die neun Jahre und acht Monate gefordert hatte. Der Angeklagte ist mit dem Urteil nicht einverstanden. Sein Anwalt Werner Ruisinger hält die Vorwürfe nicht für bewiesen und hatte deshalb einen Freispruch beantragt.

Abgeschoben wird der 39-Jährige vermutlich trotz des Urteils nicht. Der Grund: Es ist unklar, ob er tatsächlich Algerier ist. Ein erster Abschiebeversuch ist schon einmal gescheitert. Wie es heißt, ließen ihn die algerischen Behörden damals nicht in das Land einreisen.

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