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Newseum: Welche Chancen das Projekt Augsburg bietet

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Kommentar Von Jürgen Marks
31.08.2018

Eine Art Newseum im Glaspalast soll Extremisten im Internet entlarven. Für die Stadt ist noch mehr drin. Sie könnte zum Zentrum der politischen Bildung werden.

Manchmal entstehen aus Zufällen große Chancen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder versprach vergangene Woche, dass Augsburg der Sitz einer Außenstelle der Bayerischen Landeszentrale für Politische Bildung (BLZ) wird.

Eine Art Medien-Bildungszentrum soll entstehen. Vorbild ist das Newseum in Washington. Es geht um Journalismus in der digitalen Welt, um Aufklärung über politischen Extremismus im Internet, um den Kampf gegen Falschmeldungen, Hassprediger und andere Rattenfänger in den sozialen Netzwerken. Ziel ist es, in Augsburg eine national erstrangige, international beachtete Einrichtung für Demokratiefestigung, Pressefreiheit und digitale Bildung zu gründen.

Dann geschah der Mord in Chemnitz. Mutmaßlicher Täter: ein Flüchtling. Rechtsextremisten organisierten bei Facebook und Twitter den Aufruhr in den Straßen der ostdeutschen Stadt – mit Lügen und Halbwahrheiten. Die Polizei bekam die rechte Szene, die von der AfD aufgewiegelt wurde, zunächst nicht in den Griff.

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Augsburg wird Schlüssel-Standort für politische Bildung

Der Fall Chemnitz belegt die dringende Notwendigkeit, in politische Bildung zu investieren. Und Augsburg, die drittgrößte Stadt Bayerns, hat plötzlich mit dem Newseum-Konzept einen Schlüssel dafür in der Hand. Denn bundesweit gibt es keinen ähnlichen Ansatz, die extremistische Propaganda in den sozialen Netzwerken mit Bildung zu bekämpfen.

Und nun zu den Zufällen, die dem Projekt den Weg bereiteten. Seit vielen Jahren versucht der 75-jährige Stifter Martin Welke Förderer zu finden, um seine Zeitungssammlung in einem Museum zu platzieren. Nach einigen Enttäuschungen lagert sie derzeit im Ballenhaus neben dem Augsburger Textilmuseum. In Richard Goerlich, Referent von Oberbürgermeister Kurt Gribl, fand Welke einen Unterstützer.

Im Auftrag Gribls knüpfte Goerlich den Kontakt zu Harald Parigger, dem BLZ-Chef in München. Beide kamen überein, dass ein Zeitungsmuseum nur in Verbindung mit einem Bildungsangebot für Internet-Medien eine nachhaltige Erfolgschance hätte. Als dann bekannt wurde, dass die Staatsgalerie für Moderne Kunst im Augsburger Glaspalast 2019 geschlossen wird, standen plötzlich passende Räumlichkeiten parat.

Goerlich und Parigger organisierten eine Denkwerkstatt. Darin entstand das Grobkonzept für ein Newseum, das Zeitungsgeschichte reflektiert und den Umgang mit Neuen Medien lehren soll. Als Markus Söder das Augsburger Konzept im Sommer 2018 in die Hände bekam, erkannte er die Chance, die angestaubte BLZ zum Vorreiter für digitale Medienbildung zu machen. An der Eignung Augsburgs als Standort bestand kein Zweifel: Die Stadt hat eine bedeutende Tradition – von der Cotta’schen Zeitung im 19. Jahrhundert bis zur Augsburger Allgemeinen heute – und ist daher bestens geeignet für ein Newseum.

Mit dem Newseum kann Augsburg an Bedeutung zulegen

Für die aufstrebende Metropole wäre dies die nächste Chance, an Bedeutung zuzulegen. Auch Kultusminister Bernd Sibler ist von dem Ansatz begeistert: „Das passt in diese Stadt”, sagte er auf Anfrage. Offenbar will die Staatsregierung die Neu-Organisation der Landeszentrale für Politische Bildung noch im September beschließen.

Richtig Sinn macht eine Zweiteilung der Bildungseinrichtung in alte Medien (München) und neue Plattformen (Augsburg) allerdings nicht. Insgesamt 30 Mitarbeiter müssten über zwei Standorte hinweg zusammenarbeiten und organisiert werden. Es wäre also nur konsequent, wenn die gesamte Einrichtung über kurz oder lang von der Isar an den Lech wechselt.

Das Medien-Projekt hat zwar nicht die wirtschaftliche Dimension der neuen Uni-Klinik oder die kulturelle Bedeutung eines neuen Staatstheaters. Doch das Profil „Zentrum der politischen Bildung in Bayern“ stünde Augsburg bestens zu Gesicht und passt zu dem Aufschwung, den die Stadt erlebt.

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