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Theater

30.04.2015

Nicht einmal zum kleinen Glück reicht es

Anne Lenk vor dem Bühnenbild mit herabhängenden Kleidungsstücken. Die Regisseurin inszeniert „Kleiner Mann – was nun?“ am Theater Augsburg.
Bild: Ulrich Wagner

Wie gehen Menschen mit ihrer Existenzangst um? Anne Lenk inszeniert Falladas „Kleiner Mann – was nun?“

Wie schnell ist es passiert: Der gut dotierte Job ist weg, das Auto noch nicht abbezahlt und die Wohnung auf einmal zu teuer. Selbst in wirtschaftlich gut bestellten Zeiten wie diesen (zumindest in Deutschland) hört man davon oft – auch in Augsburg. Es kann sehr schnell gehen, dass man den einmal erreichten Lebensstandard aufgeben muss, sich überlegt, ob der Friseurbesuch zu teuer kommt und man sich diese oder jene lieb gewordene Gewohnheit noch leisten kann. Johannes Pinneberg und Lämmchen sind in dieser Situation. Das Ehepaar bekommt Nachwuchs, aber er hat seine Arbeit verloren. Die Hoffnung auf ein kleines Glück, die Erfüllung ihrer Träume hat die Außenwelt zerstört.

Die beiden Hauptfiguren in Hans Falladas Roman „Kleiner Mann – was nun?“ sind für die Berliner Regisseurin Anne Lenk zwei Menschen, deren Schicksal erzählenswert und universell ist. Zwar stammt Falladas Roman aus dem Jahr 1932, doch dieser Kerngedanke der Existenzangst, der sei natürlich heute so aktuelle wie eh und je, sagt Lenk. Am Theater Augsburg hat am Sonntag ihre Inszenierung des Stückes, das Fallada als Roman schrieb und das vom Theatermacher Luk Perceval 2009 für die Bühne bearbeitet wurde, Premiere.

Hans Falladas Buch um ein Paar, das den wirtschaftlichen Turbulenzen trotzt, wurde sofort ein Welterfolg. So populär war die Geschichte, dass der Stoff schon bald nach Erscheinen auf die Bühne und die Leinwand gebracht wurde. Später widmete sich der Dramatiker Tankred Dorst dem Stoff und machte ihn zu einer Revue, die 1983 auch in Augsburg zu sehen war. Luk Percevals Fassung wählte Lenk für ihre Inszenierung aus, weil die Darsteller darin neben den Spiel- auch umfangreiche Erzähltexte sprechen, die über die Figuren mehr verraten, als in den Dialogen vermittelt wird. „Das sind keine Schlaumeier, die von oben herab moralisieren, sondern wiedererkennbare Menschen, die sich durchs Leben schlagen müssen“, beschreibt sie die Qualität der Geschichte.

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Im Fokus von Lenks Inszenierung steht auch die Liebesgeschichte, in der ein Mann und eine Frau trotz widriger Umstände versuchen, sich als Paar nicht zu verraten und anständig zu bleiben. „Sie kommen in eine soziale Abwärtsspirale, weil sie an ihren Werten festhalten und ihre Würde bewahren wollen.“

Zusammen mit der Bühnenbildnerin Halina Kratochwil hat die Regisseurin eine Bühne erarbeitet, die nicht nur Bezug darauf nimmt, dass Johannes Pinneberg Verkäufer in einem Kaufhaus ist, sondern auch darauf anspielt, dass Pinneberg und Lämmchen stellvertretend für viele Menschen stehen: Etwa 150 Kleidungsstücke hängen vom Schnürboden herab. Sie sind teils Kulisse, teils werden sie zu Kostümen der Schauspieler. Nicht zuletzt will Lenk auf diese Weise auch mit konsumkritischen Gedanken spielen und vermitteln, dass wir meinen, erst durch unsere Kleidung etwas darzustellen.

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