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Augsburg

27.01.2020

Nicht nur Kaffeebecher: Mehrweg gibt es jetzt auch beim Metzger

Mehrweg ist immer mehr ein Thema: Bei Metzgermeister Maximilian Settele in Haunstetten gibt es jetzt Pfandboxen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Immer mehr Händler denken über Verpackungsmüll nach. Das "Recup"-Pfandsystem für Kaffeebecher hat sich in Augsburg etabliert, nun führt eine Metzgerei etwas Vergleichbares ein.

Schwimmende Müllinseln im Meer, Fische voller Mikroplastik und ein Pro-Kopf-Verbrauch von mehr als 220 Kilo Verpackungsmüll pro Jahr: Das bringt offensichtlich auch immer mehr Augsburger ins Nachdenken. Die Frage, ob man beim Einkauf auf Plastik so oft wie möglich verzichten sollte, ist kein Nischenthema mehr. Inzwischen befassen sich damit immer mehr Händler und auch größere Unternehmen und Supermarkt-Ketten.

Vor einigen Jahren schien das noch undenkbar. Die neue Edeka-Filiale in der Stettenstraße etwa bietet Waren wie Nudeln, Reis oder Gummibärchen auf Wunsch unverpackt an. Auf dem Stadtmarkt können sich Gäste ihr Mittagessen zum Mitnehmen in Mehrwegboxen abfüllen lassen und viele Bäckereien und Coffee-Shops in Augsburg nehmen seit 2018 am Mehrwegsystem für Kaffee-Becher des Unternehmens Recup teil. Mehrweg statt Einweg ist also im Kommen. Teils, weil Kunden das einfordern, teils aber werden die Händler auch aus eigenem Antrieb heraus aktiv. Metzgermeister Maximilian Settele aus Haunstetten erklärt, er habe sich schon länger über den vielen Verpackungsmüll geärgert, der in seiner Metzgerei entsteht. „Gerade im Sommer, in der Grillsaison, gehen dann die Kunden oft mit zwei Taschen voller Plastikschalen mit mariniertem Fleisch aus dem Laden. Da weiß man dann auch, was das für einen Müllberg neben dem Grill gibt“, sagt Settele.

Über Facebook erfuhr der Augsburger Metzger von den Pfand-Boxen

Mittlerweile hat der Metzgermeister eine Lösung: Über Facebook hat er im letzten Jahr von einer Metzgerei erfahren, die „Eco-Boxen“ verwendet und so Plastikmüll vermeiden will. Settele wurde neugierig und schrieb das Unternehmen an. Die „Eco-Box“ ist ein pfandbasiertes Mehrwegsystem einer Firma aus der Nähe von Darmstadt. Ihr System funktioniert ähnlich wie jenes des mehrfach verwendbaren Recup-Kaffeebechers: Kunden lassen sich ihre Wurstwaren in der teilnehmenden Metzgerei einpacken – und bezahlen ein einmaliges Pfand für die Box. Wenn sie diese zurückbringen, bekommen sie von der Metzgerei eine neue Box mit ihrem Einkauf. Die zurückgebrachten Boxen werden von der Metzgerei gereinigt und dann wieder in Umlauf gebracht. Selbst mitgebrachte Boxen nimmt Settele auch aus rechtlichen und hygienischen Gründen nicht an. Dafür nimmt er den Mehraufwand eines Waschservice in Kauf. „Wir verfolgen in unserer Metzgerei schon ein regionales Konzept, jetzt kommt der Nachhaltigkeitsaspekt dazu.“ Bei den Kunden der Metzgerei Settele komme die „Eco-Box“ gut an, erzählt Maximilian Settele. Er sei zunächst mit 120 Boxen gestartet, habe aber nach noch nicht einmal einer Woche schon nachbestellen müssen.

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Das Recup-Pfandsystem für Kaffeebecher wurde 2018 in Augsburg eingeführt.
Bild: Michael Hochgemuth

Dass Maximilian Settele nicht der einzige Metzger ist, der sich über dieses Thema Gedanken macht, weiß Nikolaus Wollmann, der Obermeister der Fleischerei-Innung Augsburg. Er erzählt, dass auch bei überregionalen Versammlungen verstärkt über Verpackungsmüll diskutiert werde. Alternative Verpackungslösungen, etwa anstelle der Aluminium-Schale beim Leberkäsaufbacken, seien aber oft noch zu teuer oder noch nicht ausgereift. Maximilian Settele denkt inzwischen schon weiter. Etwa, wie sich die Trennblätter zwischen verschiedenen Wurstarten, die aktuell noch aus einem Folien-Verbundstoff bestehen, ersetzen lassen. Denn ganz weglassen geht kaum. „Dem Kunden soll die Salami ja schließlich nach Salami schmecken und nicht nach Gelbwurst. Es ist eben oft auch eine Gratwanderung zwischen Nachhaltigkeit und Produktqualität.“ Beschichtetes Papier oder kompostierbare Materialien könnten aber Alternativen sein.

Recup-Becher gibt es in Augsburg an 75 Verkaufsstellen

Eine Alternative, die in der Stadt Fuß gefasst hat, ist der Recup-Kaffeebecher. In den vergangenen Jahren, so schätzt die Stadt, sind allein in Augsburg täglich 27.000 Einwegbecher im Müll gelandet. Um hier gegenzusteuern, ist auf Initiative der Stadt 2018 das Mehrwegsystem Recup eingeführt worden. Mittlerweile machen laut Stadt 28 Betriebe mit 75 Ausgabestellen mit. Umweltreferent Rainer Erben (Grüne) zieht eine positive Bilanz: „Das Umweltbewusstsein bei den Kunden ist erkennbar“. Er hofft zudem, dass sich weitere Betriebe an dem System beteiligen. Er kündigt an: „Ich werde in nächster Zeit zu einem weiteren runden Tisch einladen, um sich über die Erfahrungen auszutauschen“. Wie viele Einwegbecher seit Einführung des Mehrwegsystems in Augsburg eingespart wurden, kann Reiner Erben nicht sagen. Dazu würden keine Zahlen erhoben. Auch Recup führt nicht darüber Buch, wie viele Becher in Augsburg in Umlauf gegangen sind. Hier heißt es nur: Weil ein Becher bis zu 1000 Mal wiederverwendet werden kann, könne er bis zu 1000 Einwegbecher ersetzen.

Konkreter weiß man es bei der Bäckerei Wolf. Stefan Wolf sieht in Recup einen Schritt in die richtige Richtung, denn: „Wir haben 2019 circa 10.000 To-go-Becher durch das Recup-System eingespart und weitere 20.000 durch die Aktion ,Bring your own Cup‘“. Bei dieser Initiative bekommen die Kunden ihren Kaffee direkt in den eigenen Becher und erhalten dafür in einigen Geschäften sogar Rabatt. Die Initiative wurde vom „Forum Plastikfreies Augsburg“ angestoßen. Was Wolf sich noch wünschen würde ist, dass Recup seine Plastik-Einwegdeckel durch vollkompostierbare Deckel ersetzt. Dann wäre das System noch nachhaltiger.

Lesen Sie dazu den Kommentar: Müllvermeidung geht jeden etwas an

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