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Augsburg

26.11.2020

Noch keine Entscheidung: Zukunft der Tramlinie 5 bleibt ungeklärt

Es dauert noch, bis auf der geplanten Linie 5 in Augsburg Straßenbahnen fahren.
Foto: Silvio Wyszengrad

Plus Die Opposition sieht noch viele offene Fragen zur Planung der Stadtwerke für die Tramlinien 3 und 5 in Augsburg. Im Dezember soll erneut diskutiert werden.

Der Stadtrat hat am Donnerstag noch keine Entscheidung getroffen, mit welchem Trassenvorschlag die Stadtwerke für die Straßenbahnlinien 3 und 5 ins Genehmigungsverfahren bei der Regierung von Schwaben gehen werden. Hintergrund ist, dass aus den Reihen der Opposition noch Beratungsbedarf gesehen wird. Der Sozialfraktion und der Bürgerlichen Mitte geht es besonders darum, tieferen Einblick in die Trassenalternativen zur von der Stadt favorisierten Variante über Pferseer Straße/Hörbrotstraße zu bekommen. Dabei geht es speziell um eine Trassierung durch die nördliche Rosenaustraße für die Linie 5. Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) will das Thema im Dezember wieder in den Stadtrat bringen. Trotzdem gab es am Donnerstag eine etwa dreistündige Debatte.

Stadtwerke-Geschäftsführer Walter Casazza sagte am Donnerstag, in die Entscheidung für die Vorzugsvariante seien viele Faktoren eingeflossen. Die Rosenautrasse schneidet bei Fahrzeit (1,5 Minuten schneller) und Kosten besser ab. Trotzdem sei diese Varianten nur die zweitbeste, so Casazza. Unter anderem spiele die Verkehrsbelastung an der Kreuzung Rosenau-/Pferseer Straße eine Rolle. "Die kürzere Strecke bringt nichts, wenn wir wissentlich in den Stau fahren. Wir müssen die Gesamtsituation beachten: Verkehr, Anlieger, Städtebau", so Casazza. Führe man alle Facetten zusammen, komme man zur geflügelten Variante. Allerdings gilt die Verkehrssituation an der Kreuzung bei beiden Varianten als kritisch, weil laut Prognose im Jahr 2030 kaum noch Reserven vorhanden sein werden. Im Fall der Rosenau-Variante gäbe es abends sogar deutlich mehr Reserven, morgens hingegen geringfügig weniger.

Linie 5: Warum die Stadt Augsburg ihre Variante für die beste hält

Oberbürgermeisterin Weber sagte, sie verstehe, wenn man bei der Gegenüberstellung beider Varianten die Rosenaustraße für naheliegender halte. "Es sind aber viele Faktoren, die hier mit einfließen, und wenn wir uns immer auf das Laienbauchgefühl verlassen würden, hätte es auch keine Neugestaltung des Königsplatzes mit der Kaiserhofkreuzung gegeben", so Weber. Die Experten, die gesagt hätten, dass die Verkehrsführung dort funktioniert, hätten trotz Zweifeln aus der Bürgerschaft recht behalten, so Weber. Dass die Stadt die Teiltrassierung über die Hörbrotstraße befürworte, sei eine Herleitung aus vergangenen Entscheidungen.

Baureferent Gerd Merkle (CSU) sagte, die Rosenautrasse sei unter anderem ausgeschieden, weil die Kastanienallee wegfallen würde. "Die Kronen wachsen oben zusammen, und das Wurzelwerk im Erdreich verhält sich in ähnlicher Form", so Merkle. Berücksichtige man, dass zum Schutz des darunterliegenden Abwasserkanals eine Betonplatte eingezogen werden müsse und die Gleise aus Gründen des Lärmschutz speziell gelagert würden, sei der Erhalt der Bäume unmöglich. Dies gelte auch für den Fall, dass die Tram dort keinen eigenen Gleiskörper bekommt, sondern platzsparender im Autoverkehr mitschwimmt.

Diese Idee hatte zuletzt der frühere Chef der Münchner Verkehrsbetriebe, Herbert König, aufgebracht. Er berät die Sozialfraktion bei dem Thema. In der Tat gäbe es die Möglichkeit, Gleise in die Straße zu legen, ohne dass Zuschüsse verloren gehen. Das steht in der Neufassung des entsprechenden Gesetzes. Merkle und Casazza weisen darauf hin, dass es aber noch keine Anwendungsbestimmungen zu dem Gesetz gebe. Insofern könne man momentan den Inhalt zur Kenntnis nehmen, mit dem Gesetz faktisch aber nichts anfangen.

Gerd Merkle sagte: "Das ist keine Willkürentscheidung"

Für die geflügelte Lösung, so Merkle, spreche unter anderem, dass sich so die Hörbrotstraße verkehrsberuhigen ließe. In Spitzenstunden fahren laut Merkle 400 Autos mitten durch das Thelottviertel, darunter auch Lkw. Die Verkehrsberuhigung sei auch ein klarer Wunsch aus der 2014 abgeschlossenen Bürgerbeteiligung gewesen. Zwei Gleise von der Rosenau- in die Pferseer Straße abbiegen zu lassen, mache zudem einen Radweg dort unmöglich, weil die Gleise wegen der Radien nah an den nördlichen Straßenrand rücken würden. "Das ist keine Willkürentscheidung. Es hat keiner ein Interesse daran, eine Straßenbahn zweimal abbiegen zu lassen, aber das ist die beste Kompromissvariante", so Merkle. Die jetzt von König forcierte Variante habe man im Übrigen geprüft und verworfen.

König hielt Merkle am Donnerstag entgegen, dennoch klar sei, was das Gesetz wolle. Deswegen sei die Rosenaustraße überhaupt wieder aktuell geworden. Sozialfraktionsstadtrat Dirk Wurm (SPD) fügte hinzu, dass die Aussagen aus der Bürgerbeteiligung so womöglich nicht mehr aktuell seien. Inzwischen hätten sich Rahmenbedingungen geändert. Was die von der Stadt angeführte zwingende Fällung der Bäume betrifft, wolle man ein Gutachten vorgelegt bekommen. "Wir sollten nicht aufhören, zu denken, sobald das Wort 'Bäume' fällt", so Stefan Kiefer (SPD). Zudem seien die 1,5 Minuten längere Fahrzeit bei der von der Stadt gewünschten Variante nicht zu vernachlässigen. "Die Fahrzeit entscheidet über die Attraktivität der Linie", so Wurm. Werde diese Linie nicht angenommen, werde sich an der Verkehrsbelastung der Bgm.-Ackermann-Straße nichts ändern. Beate Schabert-Zeidler (Bürgerliche Fraktion; Pro Augsburg) merkte an, dass es in der Bürgerschaft durchaus unterschiedliche Sichtweisen gebe. Wenn die Stadt ihre Variante nun als "Bürgervariante" bezeichne, stimme dies nicht.

Nun ist eine Abstimmung im Dezember geplant

Die Entscheidung über den Streckenabschnitt soll im Dezember im Stadtrat fallen. Hintergrund ist, dass die Stadtwerke noch in diesem Jahr das Genehmigungsverfahren bei der Regierung von Schwaben starten wollen. CSU und Grüne signalisierten bereits Zustimmung zum Vorgehen der Stadt. Beim aktuell debattierten Abschnitt geht es um die Strecke zwischen westlichem Bahnhofstunnel-Ausgang und der Ackermannbrücke für die geplante Linie 5 (davon ist auch die Führung der bestehenden Linie 3 in Bahnhofsnähe abhängig). Für den Großteil der Trasse der Linie 5 entlang der Bgm.-Ackermann-Straße sind noch Fragen offen, weil die Kreuzungen mit der B17 und der Kriegshaberstraße neu gestaltet werden müssen. Laut Stadtwerken will man kommendes Jahr für diesen Abschnitt in die Genehmigung gehen. Wann die Linie 5 wie geplant zur Uniklinik fahren kann, ist noch offen.

Lesen Sie auch unser großes Frage-Antwort-Stück zur Linie 5: Wie soll die Tramlinie 5 verlaufen? Diese Varianten gibt es

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Die Diskussion ist geschlossen.

27.11.2020

Bei der Verteuerung individueller Mobilität und großen Worten der Verkehrswende ist die Politik immer ganz schnell; bei der Schaffung von umweltfreundlichen Alternativen versagt die Politik selbst im engsten Innenstadtbereich. Da sind schwarz und grün auch ganz nah zusammen.

Und es geht hier nicht um ein paar Wochen; seit dem Bürgerentscheid 2007 sind nun 13 Jahre vergangen. Der Königsplatz ist seit 7 Jahren fertig. Aber eine bevorzugte Tramtrasse nach Westen aus diesem 250-Mio Loch unter dem HBF heraus gibt es noch immer nicht.

Dafür Taktausdünnungen bei der Tram, eine unfaire Tarifreform und völlige Untätigkeit beim Ausbau weiterer Tramlinien in Augsburg.

Dieser Bahnhofsumbau war der falsche Weg; seit gestern ist klar, dass es nicht um Fahrgäste oder eine Verkehrswende geht. Es geht nur noch um eine politische Gesichtswahrung durch einen Weg des geringsten Widerstands. Eine Stunde Autostau ist schon mal ein Grund die Tram die übrigen 20 Stunden einen Umweg fahren zu lassen.

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27.11.2020

Sehe ich anders.
Dass die ganze Mobi-Dresch ein Riesenprojekt ist, das viel Zeit, Kosten und politisches Kapital verschlingt, war klar. Die bessere Verknüpfung am autofreien Kö hat sich jedoch als Erfolg herausgestellt und ich denke, so wird es am Ende auch mit dem Bahnhof sein. Der Status-Quo (von vor 10 Jahren) ist einfach zu ÖV-unfreundlich und hält vom Umstieg auf die Öffentlichen ab. (Das gilt leider auch für die von Ihnen zu recht kritisierten Taktausdünnungen und Tarifreformen)
Was die konkret anstehende Entscheidung angeht: Es ist schade, dass diese nicht bereits länger feststeht. Aus dem Artikel geht hervor, dass es sich eher um ein Kommunikationsproblem (welche Faktoren führten tatsächlich zu der Vorzugstrasse) handelt, als um ein grundsätzlichen Dissens. Da gibt es anscheinend einige Versäumnisse und auch Misstrauen.
Was ich der Stadt aber zu Gute halte: Wenn man bei einem solch großen Projekt mit dem Beginn warten würde, bis tatsächlich auch die letzten offenen Fragen geklärt sind, wird alles zeredet und man beginnt nie. Man muss im Rahmen der Vernunft auch mal Tatsachen schaffen um die letzten Entscheidungen zu erzwingen. Ich finde, das ist im vorliegenden Fall halbwegs gelungen, z.B. indem die Straßenbahn unter dem Hbf wenden und damit ein wichtiger Baustein (Verknüpfung DB-ÖPNV) umgesetzt werden kann.
Das es bei der weiteren Trassenplanung auch eher um politische Machtspiele (Stadtbergen) geht, ist schade aber unvermeidlich. Zur Entscheidung Hörbrotstraße vs. Rosenaustraße: Wenn man sich nur den Stadtplan anschaut spricht viel für die Rosenaustraße. Wenn man sich die Argumente der Stadtwerke und der Verwaltung anschaut, merkt man, dass es sehr gute Argumente (vielleicht die besseren) für die Hörbrotstraße gibt. Ich finde es gut, dass der Stadtrat sich hier noch den Monat nimmt um eine gute Entscheidung zu treffen. Dann muss aber gut sein.

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