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Augsburg

18.10.2013

Note 6 für Eltern: Schulweg-Aktion des Ministeriums sorgt für Kritik

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Die Rote Karte wird Eltern gezeigt, die mit dem Auto zur Schule fahren. Die Aktion läuft nach Schuljahresbeginn acht Wochen und dann einmal monatlich.

Eine Aktion des Bundesumweltministeriums sorgt in Hochzoll-Süd für Kritik unter Eltern. Wer sein Kind zur Schule fährt, erhält eine Karte mit der Note 6. Kinder sollen zu Fuß gehen.

Viel und vor allem zu schneller Verkehr vor Schulen bedeutet ein größeres Unfallrisiko für Schulkinder. Daher ist die Polizei immer zu Schuljahresbeginn verstärkt mit Überwachungsmaßnahmen vor Ort, sagt Polizei-Sprecher Ludwig Zausinger. Dies soll die Autofahrer bremsen. Je nach Lage der Einrichtung variieren die Probleme, häufig verursacht durch Eltern, die ihre Kinder bringen. An der Grundschule Hochzoll-Süd sorgen derzeit aber andere Maßnahmen für Kritik.

Rote Karte für Eltern mit Autos

Schüler der dritten und vierten Klassen drücken morgens Eltern, die ihre Kinder im Auto bringen, eine Rote Karte des Bundesumweltministeriums in die Hand. „Für Kurzstrecken mit dem Auto gibt es Note 6“ steht darauf. Die Schulkinder sollen zu Fuß gehen. Am Schuljahresbeginn läuft die Aktion acht Tage, danach einmal im Monat, so Lehrerin und Initiatorin Maria Dodel. Zudem erhalte die Klasse, in der die wenigsten Kinder mit dem Auto gebracht werden, einen kleinen Preis.

An einem frühen Morgen vor Unterrichtsbeginn ist weder von den Karten verteilenden Schülern noch von einem Verkehrschaos etwas zu sehen. In Zusammenarbeit von Stadt, Schulleitung und Eltern seien einige verkehrstechnische Umbauten und andere Beschilderungen erfolgt, erklärt Polizeisprecher Ludwig Zausinger. „Dort liegt kein Unfallschwerpunkt.“ Die Aktion der Schule sorgt eher hinter den Kulissen für Aufregung.

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"Es gibt keinen Grund, Schüler mit dem Auto zu bringen"

Im Mittelpunkt steht hier der Umweltaspekt, so Dodel. „Fast alle unserer Schüler wohnen im Viertel, es gibt keinen Grund, sie mit dem Auto zu bringen.“ Das Argument, die Schule liege auf dem Weg der Eltern zur Arbeit, zähle für sie nicht. Der Weg sei wichtig für die Kinder, um selbstständig zu werden, Bewegung zu haben und nach und nach anzukommen. Beschwerden von Eltern habe sie persönlich auch noch nie erhalten.

Tamara Grigorieva, deren Kind in Hochzoll zur Schule geht, findet die Aktion fragwürdig. „Es ist die Entscheidung der Eltern, wie sie ihr Kind zur Schule bringen“, sagt sie. Gründe gebe es genug, von einer Verletzung bis zum langen Schulweg, den die Eltern einem Schulanfänger noch nicht zutrauen. Sie kritisiert vor allem, dass auf die Schüler Druck ausgeübt werde und „Kindern ein schlechtes Gewissen eingeredet wird für Entscheidungen, die nicht in ihrer Hand liegen“. Mobbing sei durch den Wettbewerb Tür und Tor geöffnet, Umweltschutz müsse anders vermittelt werden.

Doch genau das sei schwierig, sagt Dodel. „Die Eltern können wir nicht mehr beeinflussen, aber die Kinder. Und um Ausnahmefälle oder einen besonders langen Schulweg geht es auch nicht.“ Andere Eltern sind ihrer Meinung – vor allem aber wegen der Verkehrssicherheit. „Die Aktion ist sinnvoll. Die meisten lassen ihr Kind auf der gegenüberliegenden Straßenseite aussteigen und einfach hinüberrennen – wie schnell ist da was passiert“, sagt Nicole Klein. Und dass Schüler hier Rote Karten verteilen, gefällt ihr sogar.

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