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Pop

05.02.2015

Ob die Jungs das schaffen?

Mehr als nur das nette Gastspiel einer hochtalentierten, hochgelobten und groß beworbenen Band: Beim Konzert der Trümmer dröhnen all die Zweifel des Überlebens in einer immer härter werdenden Branche mit

Wie viele Bands werden Jahr für Jahr als große Hoffnungsträger in diesen immer heiß laufenderen und doch oft leerlaufenden Pop-Betrieb geschleust? Auf immer mehr zu bedienenden Aufmerksamkeitskanälen. Und wie viele davon bleiben? Eine typische Station des Durchsetzungskampfes sind erste Touren durch die Republik, meist mit Konzerten in langer Reihe und in kleinen Klubs. So wird aus der Verheißung des Durchbruchs allzu oft der Beginn einer ewigen Ochsentour: Wer von seiner Musik leben will und doch nie wirklich erfolgreich wird, muss einfach immer weiterspielen. Ein altes Gesetz, das sich in Zeiten rückgängiger Erlöse nur noch weiter verschärft hat…

Und damit willkommen in der Soho-Stage, einem dieser kleinen Klubs, wo am Dienstagabend eine dieser Bands eines dieser Konzerte spielte. Sie heißen Trümmer, kommen aus Hamburg – und sie kamen mit den denkbar besten Voraussetzungen. Nicht nur sensationell von der Deutschen Schallplattenkritik für ihr Debütalbum als die Pop-Entdeckung des Jahres 2014 gekürt, sondern auch über die bundesweiten Videokanäle dergrößtenFast-Food-Kette verbreitet, in Musikmagazinen inseriert, über Twitter gestreut. Und dann wurden für das Gastspiel in Augsburg im Vorverkauf an Karten abgesetzt: genau zwölf.

schwer es da wohl für die Hoffnungsträger selbst ist, nicht gleich all den großen Zweifeln klein beizugeben? Auf der Bühne jedenfalls gilt es zu überzeugen, also auch überzeugt zu wirken, also auch überzeugt zu sein. Es wurde an diesem Abend für Paul Pötsch, Tammo Kasper, Maximilian Fenski mit zusätzlichem Live-Gitarristen dann doch leichter als befürchtet. Die Soho-Stage war letztlich gut gefüllt, als sie auf die Bühne traten. Und sie vertraten ihre Sache über gut eine Stunde hinweg überzeugt und gut. Natürlich geraten live die intelligenten Texte etwas in den Hintergrund, drängen die knackigen Indie-Gitarren nach vorn – aber dass das anfangs eher wie Deutschrock wirkte als wie die in den Trümmern gern heraufbeschworene neue Generation der Hamburger Schule, als Nachfolger von Tocotronic und Blumfeld – das lag bloß an der Lederjacke von Sänger Pötsch. Erinnern könnte der 18-Jährige jedenfalls an einen jungen Jochen Distelmeyer und einen jungen Bryan Adams.

Pötsch aber gab alles, sang durchweg gut, auch den leicht punkigen Parolenrock, und in den Stücken am besten, die den guten Zeiten der Smashing Pumpkins sehr nahekommen („Wo ist die Euphorie?“). So wird aus dem Material des Albums samt dem einen oder anderen Mädchensong („Papillon“), angereichert mit einem neuen Song und einem Cover des Klassikers „Teenage Kicks“, ein runder Abend.

Aber Moment: Stand da „der 18-Jährige“? Tatsächlich. Und behaupten die drei Herren ja alle von sich. Was wohl nicht faktisch ernst gemeint sein kann – sondern mit dem Symbol von Jugend, ihrer Haltung, dem Anfang kokettiert. So heißt es im ersten Song des Albums, „Schutt und Asche“ auch: „Vor uns liegt immer noch mehr als hinter uns.“ Live spielen die Jungs ihn gegen Ende. Und es ist ihnen zu wünschen, dass sie gerade damit recht behalten. Es wird schwer werden. Denn da sind ja noch all die anderen. Etwa Wanda aus Wien. Und die haben auf ihrer ersten Tour gleich mal die Muffathalle in München ausverkauft. Alles Gute, ihr Trümmer.

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