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Augsburg

29.06.2016

Obi schließt Filiale im Fabrikschloss

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Der Obi-Markt beim Fabrikschloss im Proviantbachquartier hat am heutigen Donnerstag zum letzten Mal geöffnet. Die Filiale wird von der Baumarktkette, die sich selbst als Nummer eins in Deutschland und führend in Europa bezeichnet, überstürzt geschlossen.
Bild: Rene Lauer

Vom überraschenden Aus für den Baumarkt im Fabrikschloss sind 60 Mitarbeiter betroffen. Verdi wirft dem Unternehmen vor, damit den Gesamtbetriebsrat zerschlagen zu wollen.

Völlig überrascht wurden Mitarbeiter und Kunden von der Nachricht, dass der Obi-Baumarkt an der Proviantbachstraße am heutigen Donnerstag zum letzten Mal geöffnet hat. Wie die Gewerkschaft Verdi mitteilt, wurde der Betriebsrat auf einer von der Unternehmensführung einberufenen Sondersitzung am vergangenen Donnerstag informiert, dass der Augsburger Markt zum 30. Juni geschlossen und die Beschäftigten mit sofortiger Wirkung von der Arbeit freigestellt werden. 60 Mitarbeiter sind davon betroffen.

Warum das Unternehmen so überstürzt schließt, war auch auf mehrfache Nachfrage weder aus Augsburg noch aus der Unternehmenszentrale in Wermelskirchen In Nordrhein-Westfalen zu erfahren. Wie man hört, will sich die Unternehmensleitung heute bei einer Mitarbeiterversammlung erklären.

Verdi vermutet hinter dem Schritt einen Trick

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„Das ist ein völlig schräge Nummer“, sagt der Augsburger Verdi-Gewerkschaftssekretär Thomas Gürlebeck. Wie hier mit Mitarbeitern und deren Angehörigen umgegangen werde, sei ziemlich einmalig und „menschenverachtend“. Die Mitarbeiter seien nicht entlassen worden, sondern dürften nicht mehr zur Arbeit kommen, während ihr Lohn zunächst weiter ausbezahlt werde – dies sei eine abstruse Situation. „Die Angst und Unsicherheit der Menschen ist natürlich riesig“, so Gürlebeck.

Die Gewerkschaft vermutet hinter dem Schritt einen Trick, um den unbequemen Gesamtbetriebsrat der zur Tengelmann-Gruppe gehörenden Baumarktkette quasi „zu enthaupten“. Denn zeitgleich wurde der Obi-Markt im thüringischen Sömmerda zum 1. Juli verkauft, was die Mitarbeiter ebenfalls erst am 23. Juni erfahren hätten. In Sömmerda arbeitet der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats von Obi Deutschland, Bernhard Groening, seine Stellvertreterin ist bei Obi in Augsburg beschäftigt. Bei Obi wird seit Jahren um Mitbestimmungsrechte und die Bezahlung der Mitarbeiter nach den Einzelhandelstarifvertrag gestritten. Immer wieder streikten Mitarbeiter dafür in den Märkten, so auch in Augsburg.

Betriebsrat stritt sich mit dem Unternehmen vor Gericht

Um die Mitarbeiterrechte durchzusetzen, hat der Gesamtbetriebsrat eine Reihe von Verfahren vor Gerichten und Einigungsstellen angestrengt. So habe das Unternehmen eine Vielzahl von mitbestimmungspflichtigen Maßnahmen wie neue Überwachungstechniken und ein Prämiensystem eingeführt, ohne die Mitarbeiter zu beteiligen, berichtet die Gewerkschaft. Bei Obi werde „die Mitbestimmung mit Füßen getreten, die Beschäftigten würden wie Menschen zweiter Klasse behandelt“, so Verdi in einer Presseerklärung. Durch die Schließungen sollten die Betriebsratsstrukturen im Konzern zerschlagen werden, vermutet die Gewerkschaft.

In Augsburg gibt es einen fünfköpfigen Betriebsrat, sagt die Betriebsratsvorsitzende. „Wir waren einer der Märkte, die durch Streiks ihre Tarifbindung zurückgewinnen konnten“, erklärt sie. Auch sie ist überzeugt, dass so der unbequeme Gesamtbetriebsrat zum Schweigen gebracht werden soll.

Die Stimmung gegenüber der Unternehmensführung sei durch die Klagen in der letzten Zeit extrem angespannt, berichtet sie. Nach ihren Worten läuft der Mietvertrag für die Filiale 2018 ab. Man habe damit gerechnet, dass der Baumarkt dann schließt – vom plötzlichen Ende sei man kalt erwischt worden.

Gewerkschaft will die Baumarktkette an den Pranger stellen

Verdi will jetzt Druck machen und Obi und die Tengelmann-Gruppe in einer breiten Kampagne an den Pranger stellen, sagt Gürlebeck. „Wir lassen uns das nicht gefallen, die Öffentlichkeit muss erfahren, wie Obi mit den Beschäftigten und demokratischen Rechten umgeht“, so der Gewerkschaftler. Der Branchenführer müsse auch einen unbequemen Betriebsrat aushalten und dürfe nicht zu solchen Mitteln greifen.

Die Obi-Schließung in Augsburg hat auch Auswirkungen auf andere Händler, die sich im Umfeld des Baumarktes angesiedelt haben. Bei Wöhrl sei man völlig vor den Kopf gestoßen – man warte, wie es jetzt weitergeht, war dort zu hören. Ein Dönerbudenbesitzer berichtet, dass er erst vor 14 Monaten seinen Stand übernommen habe – ohne die Baumarktkunden fürchtet der Mann um seine Existenz. Auch er ist über die Informationspolitik von Obi empört.

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Die Diskussion ist geschlossen.

30.06.2016

Ich war da kürzlich nach dem Besuch von Radl-Bauer mit meinem Sohn kurz drin und meinte zu ihm noch, dass der Laden wohl bald dicht macht. Die Bäckerei Wolf war schon aus dem Foyer ausgezogen und die Plastikrohre gab es dann ebenso wie den Snack bei Bauhaus in der Meraner Straße.

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Ich glaube verdi und dem Personal nicht, dass die völlig überrascht waren. Ob das nun ein paar Monate früher oder später geschieht ist auch egal.

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Kann mir mal jemand erklären, wie das mit dem Betriebsrat zerschlagen funktioniert? Also wenn die Leute noch immer beschäftigt sind aber nur der Laden zu ist? Welchen Vorteil hat der Arbeitgeber, wenn das Geschäft zu ist aber die Leute noch auf dem Lohnzettel stehen?

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30.06.2016

Und wir sehen, dass Sie nicht wissen, was Unternehmen alles tun, um einen lästigen Betriebsrat loszuwerden. Obi ist für mich gestorben.

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30.06.2016

Ein lästiges Mitglied des Betriebsrates, nicht "einen Betriebsrat", kann man viel einfacher und billiger los werden, denn: selbst Mitglieder eines BRs haben keinen 100%igen Kündigugsschutz.

Wäre diese Filiale rentabel, wäre OBI was anderes eingeefallen einen lästigen MA los zu werden.

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30.06.2016

Hier sieht man mal wieder wie hoch die Selbstüberschätzung von ver.di ist. Wegen einem Gesamtbetriebsrat eine Filiale schliessen....

Da sieht man mal wieder, daß zumindest ver.di, das kleine 1x1 der Ökonomie nicht kennt.

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