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21.06.2009

"Oh, wie süß"

Wenn der Kasper der Augsburger Puppenkiste im Hörsaal steht und seine Witze reißt, dann heißt es wieder "Kinderuni". Diesmal wünschte er den Teilnehmern eine recht "blutige" Vorlesung. Das hört sich makaber an, war aber vor allem interessant. Die Ethnologie-Professorin Dr. Sabine Doering-Manteuffel sprach mit ihren kleinen Zuhörern über Vampire.

Mit seinen neun Jahren glaubt Tim schon längst nicht mehr an Vampire. Über Knoblauch als Abwehrmethode kann er nur noch lachen. Trotzdem konnte der Schüler es kaum erwarten, seine Fragen über das spannende Thema loszuwerden. Wie ein Vampir aus seinem Sarg steigen kann, wenn er doch tief unter der Erde liegt, ist ihm - Mythos hin oder her - ein Rätsel. "In der Schule sprechen wir über so etwas jedenfalls nicht", sagte er mit leisem Bedauern.

Die Erklärung hatte Vampir-Spezialistin Sabine Doering-Manteuffel sofort parat: "Da ist die Fantasie der Menschen komplett mit ihnen durchgegangen", erklärte sie. Was 1725 in Serbien und Ungarn als "Vampirseuche" galt, waren in Wirklichkeit Tollwuterkrankungen. Die abergläubischen Menschen öffneten in ihrer Furcht Särge von vermeintlichen Vampiren. In ihrem Verdacht fanden sie sich daraufhin bestätigt, denn deren Leichname waren nicht zersetzt und aus deren Mündern quoll Blut. Dies waren wiederum natürliche Folgen der Tollwut. Um die "Übeltäter" ein für alle Mal zu vernichten, rammten die verängstigten Menschen den Toten Pfähle ins Herz und verbrannten ihre Körper.

Grausam findet dies die 13-jährige Isabella nicht: "Ich habe schon so viel über Vampire gelesen. Da schockt mich nichts mehr", sagte sie mit Kennermiene.

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Ein anderes Wesen, das den Vampirmythos laut Professorin Doe-ring-Manteuffel begünstigt hat, sind die Vampirfledermäuse. Die Blutsauger mit den spitzen Zähnen haben durchaus Ähnlichkeit mit den Vampiren, die aus diversen Filmen bekannt sind. Als sie ein Bild von einem Flughund aus Madagaskar an die Wand projiziert, ist bei den Kindern der letzte Funke Furcht verschwunden. "Oh süß", rufen die Mädchen und Jungen begeistert, als sie das Foto eines kopfüber an einem Ast hängenden Tier mit Pelzhaube und Kulleraugen erblicken.

Verängstigte Gesichter hat Sabine Doering-Manteuffel in ihrer Vorlesung ohnehin nicht erwartet: "In dieser Generation haben Kinder keine Angst mehr vor Vampiren", weiß sie.

Sogar die reale Figur des Grafen Dracula, der aufständische Bauern köpfte und deren Häupter anschließend auf Zaunpfählen aufspießte, lässt die wissensdurstigen Jungstudenten eher kalt. "Sieht doch eigentlich ganz nett aus, oder?", kommentierte Doering-Manteuffel mit einem Augenzwinkern das Porträt des grausamen Herrschers. Doch auch für die weniger Furchtlosen hatte sie beruhigende Worte: "Bis nach Bayern sind die Vampire nie gekommen."

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