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Augsburg

13.05.2020

Online-Ausstellung: Ein fotografisches Mahnmal zum Weltkriegsende

Der nach Bombenangriffen zerstörte Augsburger Hauptbahnhof auf einem Foto vom 27. Februar 1945.
Bild: Bildarchiv der ehemaligen Reichsbahndirektion Augsburg, Sammlung Markus Hehl

Bahnpark-Gründer Markus Hehl präsentiert zum Jahrestag des Kriegsendes eine Fotoausstellung – wegen Corona kann man sie nur im Internet betrachten.

Zerborstene Gleise, umgestürzte Lokomotiven, das zerrissene Dach des Hauptbahnhofs – mit historischen Fotografien erinnert in diesen Tagen Markus Hehl, Gründer und Motor des Bahnparks Augsburg, an das Kriegsende 1945. Eigentlich wollte Hehl, dem es ein Anliegen ist, den Bahnpark nicht nur als Industriedenkmal, sondern auch als Ort der Erinnerungskultur zu gestalten, zwei der historischen Schutzbunker auf dem Gelände als Ausstellungsräume öffnen und darin eine große Sammlung von Fotografien der Luftangriffe auf Augsburg zeigen. Doch wegen der Corona-Epidemie muss er die Eröffnung verschieben.

Weil er sich aber auch mit dem Bahnpark am Gedenken an den 75. Jahrestag des Kriegsendes beteiligen will, präsentiert Hehl schon jetzt eine Auswahl der Fotos als Online-Ausstellung. Es sind offizielle Aufnahmen der Reichsbahndirektion aus ganz Schwaben, von Nördlingen bis Immenstadt, fotografische Kriegsdokumente, die Hehl gesammelt hat, ein eindrucksvolles Mahnmal gegen ideologische Verblendung, Fanatismus und Krieg.

Was die Bahngeschichte über über Hitler und den Krieg erzählt

Adolf Hitler bei einem Besuch in Augsburg vor dem Hauptbahnhof, dessen Gebäude mit Hakenkreuzfahnen versehen ist.
Bild: Bildarchiv der ehemaligen Reichsbahndirektion Augsburg, Sammlung Markus Hehl

In knapper Form, vorbildlich aufbereitet und informativ beschriftet, spannen die Bilder den großen Bogen von der „Führer“-Begeisterung 1933 bis zum Untergang 1945. Dieser Bogen spannte sich nicht von ungefähr auch über Bahnhöfe und Bahnbetriebsgelände, denn Mobilität per Zug war ein wichtiges Element für das Funktionieren des Nazi-Systems – mit Zügen wurden Soldaten an die Front und Kinder und Familien in Sicherheit gebracht, wurden inhaftierte Verfolgte in die Konzentrationslager deportiert.

Nicht umsonst sind die für Häftlingstransporte genutzten Viehwaggons heute auch Mahnmale – etwa am Bahnhof Kaufering, wo ein Waggon an die Häftlinge der dortigen Außenlager des KZ Dachau erinnert. Und den Alliierten war klar, dass sie, um Nazi-Deutschland zu besiegen, nicht nur Rüstungsfabriken zerstören mussten, sondern auch Bahnhöfe und Gleise. Die Luftangriffe vom Februar 1944 galten den Messerschmitt-Werken und dem Hauptbahnhof, Ende Februar 1945 wurden Bahngelände und Bahnbetriebswerk bombardiert.

Online-Ausstellung: Die Rolle der Bahn im Dritten Reich

Die Bild-Erzählung der Online-Ausstellung beginnt mit einem der Besuche Hitlers in Augsburg. Im Mai 1939 recken viele begeisterte Augsburger dem „Führer“ ihre Hände entgegen, als er mit einem Sonderzug im Augsburger Hauptbahnhof eintrifft. Der mit Hakenkreuzen geschmückte Bahnhofsvorplatz, die mit NS-Propaganda-Parolen bemalte Lokomotive, der Fahnenschmuck am Bahnsteig erzählen unmissverständlich davon, wie das Leben von der braunen Ideologie durchdrungen war, wie die Menschen ihr Einverständnis demonstrierten oder sich zum öffentlichen Jubel gezwungen sahen.

Mit dem Überfall auf Polen im September 1939 begann der Zweite Weltkrieg, und jetzt tauchen auch Soldaten auf den Bahnhofsfotos auf – solche, die auf ihren Transport an die Front warten, und solche, die als Verwundete heimkehren.

Kinder auf dem Wertinger Bahnhof, die im Zuge der „Kinderlandverschickung“ aus den bombardierten Städten gebracht wurden.
Bild: Bildarchiv der ehemaligen Reichsbahndirektion Augsburg, Sammlung Markus Hehl

Im Verlauf des Kriegs, als auch immer mehr „Eisenbahner“ zur Wehrmacht einberufen wurden, konnte die Reichsbahn nur mit Kriegsgefangenen den Betrieb aufrechterhalten. Auch in Augsburg waren Hunderte sowjetische Gefangene für Gleisarbeiten eingesetzt. Ein Bild zeigt vier von ihnen, die vor einer Bretterwand abgelichtet wurden. In den Gesichtern der Männer liest man Niedergeschlagenheit und Misstrauen. Fast idyllisch würde dagegen der Einsatz von Zwangsarbeitern aussehen, die im tief verschneiten Allgäu Gleise vom Schnee freischaufeln – wenn da nicht der bewaffnete Wehrmachtssoldat wäre, der die Männer bewacht. Aufgeregtes Durcheinander spiegelt das Foto von Kindern, die am Bahnhof Wertingen ankommen – im Zuge der „Kinderlandverschickung“ wurden sie aus bombardierten Städten aufs Land gebracht, natürlich mit der Bahn.

Und dann zeigen eine Reihe von Fotos die Zerstörung des Bahngeländes durch die Bombardements im Jahr 1945, kurz vor Kriegsende – in Augsburg im Februar, in Neu-Ulm im März, in Donauwörth und Nördlingen im April.

Ausstellung: Deprimierende Aufnahmen ohne Menschen

Die wenigen Menschen, die man auf diesen Fotos entdeckt, sind die Kriegsgefangenen, die zur Räumung der Trümmer eingesetzt wurden. Ansonsten wirken diese Aufnahmen deprimierend und erschreckend; sie sind menschenleer, zeigen aber mit voller Wucht die allumfassende Zerstörung, die Hitler und seine Gefolgsleute in nur zwölf Jahren angerichtet haben. Die kaputten Bahnanlagen gelten hier als Pars pro Toto, denn Zerstörung herrschte ja im ganzen Land, als der Krieg zu Ende war im Mai 1945.

„75 Jahre Kriegsende“ finden Sie auf der Webseite Bahnpark Augsburg unter „Bahnpark“.

Lesen Sie auch: Wie eine junge Frau 1945 den Einmarsch der Amerikaner fotografierte

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