Newsticker

Habeck fordert 1200 Euro Unternehmerlohn für Selbstständige
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Opfer springt nackt aus dem Fenster

Augsburg

13.02.2015

Opfer springt nackt aus dem Fenster

Etwa zehn Mal hat ein Mann auf seine Freundin eingestochen. Nun sind sie wieder ein Paar. Symbolbild
Bild: Alexander Kaya

Im Rausch sticht ein 30-Jähriger zehnmal auf seine Freundin ein. Zum Glück wird sie dabei nicht schwer verletzt. Jetzt küssen sie sich wieder.

„Es ist vorbei. Ich bring Dich um.“ Mit diesen Worten stach im Juli 2014 ein 30-Jähriger mit einem großen Küchenmesser auf seine Lebensgefährtin ein. Die saß nackt, nur mit einer Steppdecke umhüllt, auf einer Couch. Von den etwa zehn Stichen durchtrennten zwar etliche die Decke. Zum Glück trafen aber nur zwei den Körper des Opfers – am linken Unter- und Oberschenkel.

Als die Frau in Todesangst nackt aus dem Fenster der in Hochparterre in Oberhausen gelegenen Wohnung sprang, erlitt sie weit schmerzhaftere Verletzungen: einen Kapsel- und Bänderriss am rechten Fuß. Nur der Umstand, dass der Täter selbst von der Frau abließ, bewahrte ihn vor einer Anklage beim Schwurgericht.

Der „Rücktritt vom versuchten Totschlag“, wie es Juristen nennen, wird letztlich „nur“ wegen gefährlicher Körperverletzung sanktioniert, sodass es nun zu einem Prozess vor einem Schöffengericht unter Vorsitz von Elke Bethge kam.

Es war offenbar eine schwierige Beziehung zwischen dem 30-Jährigen und seiner Lebensgefährtin. Er lebte meist in den Tag hinein, trank, kiffte, wurde immer wieder wegen Drogendelikten verurteilt. Als kurz vor der Tat eine Bewährung widerrufen wurde und er in den Knast sollte, kam es – wieder einmal – zum Streit, wobei er rund drei Promille im Blut hatte.

"Ich bin einfach ausgeflippt"

„Ich bin damals einfach ausgeflippt. Es war ein Aussetzer. Aber ich wollte ihr nichts antun“, beteuerte der in Haft sitzende Angeklagte (Verteidiger: Marco Müller). An mehr könne er sich nicht erinnern. Das Opfer wollte zunächst nicht aussagen. „Wir sind verlobt“, behauptete die Frau, anders als bei ihrer Vernehmung durch die Polizei nach der Tat. Schließlich antwortete sie meist ausweichend auf die Fragen des Gerichts, betonte aber, sie wolle trotz allem mit dem Angeklagten „zusammenhalten“.

Das Treuebekenntnis ließ bei diesem sofort den Wunsch aufkommen, sie an Ort und Stelle zu küssen. Was freilich, da noch ein Kontaktverbot bestand, nicht erlaubt wurde.

Der psychiatrische Gutachter Richard Gruber empfahl dringend eine Unterbringung des Mannes zur Alkohol- und Drogentherapie, um ihm eine „wohl letzte Chance“ zu geben, sein Leben zu ändern. Dem folgte das Gericht und verurteilte den 30-Jährigen, wie Staatsanwalt Christian Grimmeisen gefordert hatte, zu drei Jahren Gefängnis inklusive einer etwa 18 Monate dauernden Therapie. Damit war der Angeklagte sofort einverstanden.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren