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16.06.2009

Ortstermin im Todeshaus von Kirchasch

Wie genau wurde Anton F. ermordet? Was spielte sich am Ostermontag 2008 auf dem Bauernhof in Kirchasch (Landkreis Erding) ab? Um diese Fragen zu klären, greifen die Richter des Landshuter Schwurgerichts zu ungewöhnlichen Methoden. Sie lassen heute am Tatort den Mord am Finanzbeamten Anton F. nachstellen. Das Ganze findet im Rahmen einer öffentlichen Gerichtsverhandlung im und am Todeshaus statt. Beginn ist um 8.30 Uhr. Auch die beiden Angeklagten, der Augsburger Arzt Dr. Wolfgang R. (62) und seine 36-jährige Lebensgefährtin Sonja S., werden nach Kirchasch gebracht.

Für ein paar Stunden wird heute Leben im Todeshaus sein. Es werden die Richter, die beiden Angeklagten, der Staatsanwalt, die Verteidiger und einige Zeugen durch die verwinkelten Räume des abgelegenen Bauernhofes gehen. Prozessbeteiligte rechnen zudem mit zahlreichen Schaulustigen. Sie werden eine Art "Tatort live" erleben. Weil nicht alle in das alte Bauernhaus passen, wird die Verhandlung per Video ins Freie übertragen und auf einer Leinwand gezeigt.

Unter anderem werden die Polizeibeamten aussagen, die kurz nach Ostern Anton F. in einer Blutlache erschossen im Treppenhaus auffanden. Außerdem soll ein sogenannter "Ballistiker" den Lauf der Kugel erläutern. Wo Täter und Opfer standen, ist unklar. Auch die Tatwaffe wurde bis heute noch nicht gefunden.

Die Staatsanwaltschaft ist der Überzeugung, dass der Augsburger Arzt Wolfgang R. zum zweiten Mal in seinem Leben aus Habgier einen Menschen getötet haben soll. In den 80er-Jahren war er wegen Mordes an seinem Vermieter zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Dieses Mal sitzt er nicht alleine auf der Anklagebank: Seiner Lebensgefährtin Sonja S. wird Beihilfe zum Mord vorgeworfen.

Die beiden Angeklagten bestreiten den Mord. Seit Mai läuft nun der Indizienprozess; ein Großteil der Zeugen ist gehört. Voraussichtlich noch im Sommer soll das Urteil fallen. Sollte das Gericht R. schuldig sprechen, droht dem Arzt Haft mit Sicherungsverwahrung.

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