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Augsburg

06.02.2013

Panne: Arbeitsagentur schickt junge Frau ins Bordell

Das "Colosseum" in Augsburg-Oberhausen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Die Agentur für Arbeit hatte einer 19-jährigen Augsburgerin einen Vermittlungsvorschlag für einen neuen Job geschickt. Die traf nahezu der Schlag, als sie den Brief öffnete.

Als Christine Hirmer (Name geändert) am vergangenen Samstag einen Brief des Arbeitsamtes öffnete, freute sich die 19-jährige Augsburgerin noch: Die Agentur für Arbeit hatte ihr einen Vermittlungsvorschlag für eine neue Arbeitsstelle geschickt. Seit November sucht die gelernte Hauswirtschafterin einen Job, bisher erfolglos. Doch als sie den Brief dann genauer las, war sie fassungslos: Die Arbeitsagentur schlug ihr eine Stelle als Servicekraft im Colosseum vor – einem Augsburger Großbordell. „Ich war total entsetzt“, erzählt Hirmer: „Meine Mutter hat sogar geschrien, als sie den Brief gesehen hat.“

"Ansprechendes Auftreten" Voraussetzung für die Stelle

Ein „ansprechendes Auftreten“, so steht es in dem Schreiben, sei Voraussetzung für die Stelle. 42 Stunden, vor allem in der Nacht und am Wochenende, sollte die junge Frau in dem Etablissement Gäste an der Theke mit Getränken bedienen. So steht es in dem Brief, der unserer Redaktion vorliegt. „Ich kann das einfach nicht verstehen. Ich habe doch einen anständigen Job als Hauswirtschafterin gesucht“, sagt die junge Frau, „nicht an einer Theke in einem Bordell.“

Die Augsburger Agentur für Arbeit bedauert den Vorfall. „Das war ein Versehen“, sagt Geschäftsführer Roland Fürst. Die Stelle sei der Agentur vom Colosseum gemeldet worden. „Wir haben geprüft, ob wir sie aufnehmen und an potenzielle Bewerber weitergeben können“, sagt Fürst. Dabei gebe es bestimmte Grenzen: „Beispielsweise würden wir eine Stelle als Prostituierte grundsätzlich nicht an unsere Klienten weitergeben.“

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Im Fall von Christine Hirmer sei die Arbeitsagentur bei der Prüfung auf eine Insolvenz des Großbordells im vergangenen Jahr gestoßen. Da das Colosseum jedoch wieder zahlungsfähig sei, habe man sich dazu entschlossen, die Stelle zu vermitteln.

Auch acht andere Arbeitslose bekamen den Vorschlag

„Uns war bewusst, dass es sich um einen Betrieb handelt, der dem Rotlichtmilieu zuzuordnen ist“, sagt Geschäftsführer Fürst. Deshalb habe die Arbeitsagentur entschieden, zuerst mit Bewerbern persönlich oder telefonisch zu sprechen, ob sie Interesse an einem Job als Thekenkraft in einem „FKK-Club“ haben, wie sich das Großbordell selbst bezeichnet. Erst dann sollte der Vorschlag schriftlich zugeschickt werden.

Genau das ist im Fall von Christine Hirmer aber so nicht passiert: „Hier ist uns ein Fehler unterlaufen. Die zuständige Vermittlerin hat das Gespräch nicht geführt und den Brief am Freitag verschickt“, sagt Fürst. Mit acht anderen Arbeitslosen habe die Agentur vorher telefoniert und ihnen erst bei Interesse die Stellenbeschreibung zukommen lassen. „Es tut mir Leid, so etwas sollte nicht mehr vorkommen“, sagt Fürst. Die zuständige Vermittlerin habe sich bereits bei der Frau entschuldigt, als sie durch die Recherchen unserer Zeitung auf den Fall aufmerksam wurde.

Der Geschäftsführer der Arbeitsagentur will künftig solche Stellen nicht mehr anbieten – und Angebote von Firmen, die Personal suchen, genauer prüfen.

Christine Hirmer hingegen braucht noch ein paar Tage, um sich von dem Schock zu erholen. „Ich hoffe, dass ich bald eine Stelle finde, die mir Spaß macht.“ Eventuell will sie eine Umschulung machen – zur Altenpflegerin.

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