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Bund schlägt Ausschankverbot für Alkohol und Beschränkung auf 25 Personen bei privaten Festen vor

17.03.2009

Paten gesucht

"Total nervig" fand Perla ihren Familienpaten Wilfried Albrecht anfangs, heute verbindet die Sechstklässlerin und den Vorruheständler ein herzliches Verhältnis. Albrecht beteiligt sich seit fünf Jahren ehrenamtlich am Projekt des Kinderschutzbundes, das im März 2004 anlief und weitere Mitstreiter sucht. Albrecht verbringt etwa vier Stunden pro Woche mit ihr.

"Ich wollte damals nur raus und spielen, statt mich mit Mathematik zu beschäftigen. Schule hat mich nicht interessiert", erklärt das zwölfjährige Mädchen, das aus dem Togo stammt. Doch so leicht ließ sich Albrecht nicht abwimmeln. "Natürlich macht es letztlich nur Sinn, wenn ich als Pate willkommen bin. Wir haben Ziele vereinbart und als die Noten besser wurden, machte es ihr auch mehr Spaß."

Heute besucht Perla die Realschule des Stetten-Instituts, ist zweite Klassensprecherin, singt in der Schulband und ist Gottesdienstgestalterin. Albrecht bescheinigt sie, dass er "gut erklären kann". Die beiden unternehmen auch in der Freizeit etwas gemeinsam, gehen beispielsweise in den Zoo. Nach der positiven Entwicklung der Schülerin wird sich Albrecht nun langsam zurückziehen. "Ich komme nur noch, wenn Perla es wünscht", erklärt er. Geht es nach ihr, bleibt der Kontakt bestehen.

Die Betreuungsdauer ist auf ein bis eineinhalb Jahre angelegt. Ob ein Fall überhaupt angenommen wird, diskutieren die Paten bei ihren Treffen. "Wir überlegen, ob das Fälle sind, bei denen wir in ehrenamtlicher Arbeit weiterhelfen können und wer von uns für den Klienten am geeignetsten wäre", erläutert Franz Wagner. Er arbeitet beim Kinderschutzbund, koordiniert das Projekt und steht in engem Kontakt zum Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD). Dieser schlägt die Teilnehmer vor und schließt eine Zielvereinbarung mit ihnen ab. Fälle bei denen Alkohol oder Drogen im Spiel sind, nehmen die Paten nicht an.

Paten gesucht

"Die Leute haben vielschichtige Probleme. Ihr gemeinsamer Nenner ist Hartz IV", sagt Patin Ursula Meyer. Die Hausfrau suchte eine Aufgabe außerhalb ihrer eigenen Familie und wurde durch einen Zeitungsartikel auf das Patenprojekt aufmerksam.

Ob die Chemie zwischen dem Paten und dem Betreuten stimme, merkt man schon nach ein oder zwei Treffen, weiß Meyer aus Erfahrung. "Unsere Arbeit steht unter dem Motto Hilfe zur Selbsthilfe. Wir sind keine Putzkräfte oder ähnliches. Man merkt ganz schnell, ob die Person einfach träge ist oder wirklich Unterstützung braucht", erläutert sie. Es gehe darum, Strukturen zu schaffen, die ein systematisches Abarbeiten der Probleme ermöglichten.

Ihre erste Patenschaft führte sie in eine türkische Familie. "Ich habe am Anfang den Fehler gemacht und wollte meine Art der Haushaltsführung auch bei ihnen einführen, das wurde nicht akzeptiert. Ihr System ist unkonventionell, man sieht aber, dass auch andere Wege funktionieren." Mit den Eltern ging sie zu Behörden und machte eine ernüchternde Erfahrung: "Es gibt eine Zweiklassengesellschaft. Menschen mit Migrationshintergrund werden anders behandelt. Wenn eine deutsche Begleitperson dabei ist, gehen viele Dinge plötzlich einfacher."

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